In Hessen kommen wieder mehr Kinder zur Welt

Baby-Boom und weniger Tote

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Süße Füße: Die meisten Babys (8940) kamen im vergangenen Jahr in Frankfurt zur Welt, dahinter folgen die Kreise Main-Kinzig (3910) und Offenbach (3550).

Wiesbaden - So viele Babys gab es in Hessen zuletzt vor fast 20 Jahren. Dieser Trend gilt für fast alle 21 Kreise und 5 kreisfreien Städte. Die meisten Neugeborenen kamen in Frankfurt zur Welt, es folgen der Main-Kinzig-Kreis und der Kreis Offenbach. Von Ira Schaible

Gleichzeitig verzeichnen die Statistiker weniger Tote. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:.

Wie stark ist der Baby-Boom?

Rund 60 700 Säuglinge kamen nach einer vorläufigen Erhebung 2016 im Bundesland Hessen zur Welt. Das war im fünften Jahr in Folge ein Plus gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zu 2015 wurden rund 3800 Kinder oder 6,7 Prozent mehr geboren. Höher war die Zahl der Geburten zuletzt nur 1998 (mit 63 124 Babys). Einzige regionale Ausnahme: Im Schwalm-Eder-Kreis gab es einige wenige Geburten weniger als im Vorjahr.

Wo gibt es vor allem mehr Babys?

Die meisten Babys (8940) kamen in Frankfurt zur Welt, dahinter folgen die Kreise Main-Kinzig (3910) und Offenbach (3550). Schlusslicht ist der Werra-Meißner-Kreis mit 750 Geburten, wenig mehr haben der Odenwald- und Vogelsbergkreis (je 810). Prozentual gesehen ist der Kreis Hersfeld-Rotenburg Spitzenreiter: Die Zahl der Geburten stieg um 14,3 Prozent auf 1130. Auf Platz zwei folgt der Rheingau-Taunus-Kreis mit 12,3 Prozent (auf 1560 Babys). Die Stadt Darmstadt liegt mit einem Plus von 10,5 (auf 1720 Geburten) auf Platz drei. Die südhessische Wissenschaftsstadt ist zugleich Spitzenreiter der prozentualen Zuwächse in den kreisfreien Städten. In Frankfurt beträgt das Plus nur 4,8 Prozent und ist damit das schwächste. In Kassel ist der Geburtenzuwachs fast ebenso hoch wie in Darmstadt (10,3 Prozent), die Zahl aller Neugeborenen mit 2120 aber höher. In der Landeshauptstadt Wiesbaden stieg die Zahl der Neugeborenen um 6,5 Prozent auf rund 3340.

Gibt es überall weniger Tote als im Vorjahr?

Rund 64 100 Hessen sind 2016 landesweit gestorben, das waren 2500 oder 3,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der demografisch bedingte Bevölkerungsrückgang sank somit binnen Jahresfrist um 6345 auf gerundet 3300. Die Bandbreite des Rückgangs schwankt zwischen minus 0,6 Prozent im Kreis Kassel und minus 10,5 Prozent in Darmstadt. In der Stadt Offenbach, im Wetteraukreis und im Kreis Marburg-Biedenkopf stieg die Zahl der Todesfälle gegen den landesweiten Trend ganz leicht an.

Ändern die Rekordzahlen bei den Geburten und die hohe Zuwanderung etwas am demografischen Wandel?

„Nein“, antworten die Wissenschaftler des Forschungszentrums Demografischer Wandel (FZDW) an der Frankfurt University of Applied Sciences. „Am zentralen Phänomen, das ursächlich für den demografischen Wandel ist, ändert sich hierdurch nichts“, sagt Professor Andreas Klocke, Leiter des FZDW. „Die geburtenstarken Jahrgänge 1955 bis 1964 treten erst in den nächsten Jahren in das höhere Alter ein und tragen wesentlich zur Alterung der Bevölkerung bei.“ Auf der anderen Seite könne die steigende Zahl an Geburten in den vergangenen Jahren nicht mehr verhindern, dass jene Generationen, die den „Babyboomern“ folgen, quantitativ deutlich schwächer besetzt seien – mit den bekannten Folgen, die sich hieraus für die sozialen Sicherungssysteme und den Arbeitsmarkt ergeben. Allerdings könne der derzeitige Trend die Alterung und Schrumpfung der Bevölkerung abschwächen, meinen die Frankfurter Forscher. Nach Angaben des FZDW liegt die gestiegene Geburtenrate mit einem durchschnittlichen Wert von 1,50 (pro Frau) nach wie vor deutlich unter dem Wert von 2,1, der notwendig wäre, um die Bevölkerungszahl bundesweit konstant zu halten. Aktuell wachse die Bevölkerung in Deutschland ganz wesentlich aufgrund der Zuwanderung.

Was bedeutet der starke Geburtenanstieg für Darmstadt?

Die Stadt Darmstadt gehört wie Frankfurt zu den Boom-Städten in Hessen. In den vergangenen zehn Jahren sei die südhessische Großstadt um fast 20 000 Einwohner gewachsen, sagt Stadtsprecher Klaus Honold. Vor allem junge Familien zögen in die Wissenschaftsstadt, wie etwa die Nachfrage nach Wohnungen zeige, die in ehemaligen US-Kasernen entstehen. Mit ihren drei Hochschulen sowie den zahlreichen wissenschaftlichen Einrichtungen, IT-Unternehmen und Startups biete Darmstadt gerade jungen Leuten attraktive Arbeitsplätze. Der notwendige Ausbau der Kinderbetreuung, der Schulen, des öffentlichen Nahverkehrs und der Infrastruktur sei aber auf Dauer nur mit finanzieller Unterstützung des Landes zu schaffen.

Was unternimmt das Schlusslicht Werra-Meißner?

Mit rund 750 Geburten ist der nordhessische Kreis zwar Schlusslicht, der prozentuale Anstieg gegenüber dem Vorjahr kann sich mit 9,9 Prozent aber sehen lassen. „Wir haben seit ungefähr drei Jahren wieder mehr Zuzüge als Wegzüge“, sagt der Sprecher des Kreises, Jörg Klinge. Dafür unternehme der Kreis schon seit zehn Jahren viel. So wurden Dorfläden wieder aufgebaut und ehrenamtliche Bürgerbusse eingesetzt. Der Kreis im Dreieck von Göttingen, Kassel und Eisenach sei zudem als preiswerter Wohnstandort für junge Familien attraktiv. Es gebe besonders viele Plätze für die Kinderbetreuung, auch für Kleinkinder, und die Schulen gehörten zu den modernsten im Bundesland. (dpa/cz)

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