Rückgang in Hessen auf 16 Fälle im vergangenen Jahr

„Beruf“ Bankräuber stirbt aus: Auch die Region atmet auf

Offenbach - „Bitte geben Sie auf 9 mm Beretta raus. “ Der Beruf des klassischen Bankräubers, der vor dem Tresen die Pistole zückt, stirbt aus. Von Michael Eschenauer

Wie das Landeskriminalamt Hessen (LKA) gestern berichtete, ist die Zahl der Banküberfälle im Bundesland in den vergangenen 20 Jahren von 180 auf 16 im vergangenen Jahr gesunken. Zwölf davon wurden aufgeklärt. Im Jahre 2016 hatte man nach Auskunft von Behördensprecher Christoph Schulte noch 23 Überfälle auf Banken und Postfilialen gezählt. Die Aufklärungsquote liegt bei 75 Prozent, Tendenz steigend. Ähnlich ist das Bild beim Polizeipräsidium Südosthessen, das auch für die Gegenden um Offenbach und Hanau zuständig ist: Hier sank die Zahl der Banküberfälle auf ganze zwei im vergangenen Jahr.

Grund für den extremen Rückgang ist die technische Aufrüstung, die bei den Kreditinstituten stattgefunden hat. Außerdem gebe es, so Schulte, einfach nicht mehr so viele Banken. Für den Vorgang des Geldauszahlens nutzen die Kreditinstitute zunehmend Bankautomaten. „Auch ein hauptberuflicher Bankräuber wägt Aufwand und Ertrag ab“, weiß Schulte. Dieser Prozess falle immer häufiger zuungusten des Bankraubs aus.

Auch die gute Videoüberwachung und der Einbau von Zeitschlössern in die Safes, die bestimmte Beträge nur innerhalb eines vorgegebenen Zeitraumes freigeben würden, spielten eine Rolle. Zudem müsse das Abheben größerer Summen durch den Bankkunden vorher angekündigt werden, so dass in den Kreditinstituten weniger Bares eingelagert werde. „Es liegt auch kein Geld mehr direkt hinter den Bankschaltern.“ Ausgezahlt werden könne nur, was der Bankmitarbeiter ins System eingebe. Für jede Geldausgabe sei ein Vorgang nötig, was Bankräubern wertvolle Zeit koste, so Schulte

Chronologie: Bankautomaten in der Region gesprengt

Die Sprengung von Geldautomaten nehme zwar zu, man könne aber nicht sagen, „dass dies der neue Bankraub ist“, sagt er. Die Fallzahlen seien weit entfernt von den Banküberfällen der 90er Jahre. Sie lagen hessenweit im vergangenen Jahr bei 38. Auch ein paralleles Ansteigen der Raubüberfälle hat das Landeskriminalamt nicht festgestellt: So lag deren Zahl im Jahre 2007 bei 3700, im vergangenen Jahr bei 2867, Aufklärungsquote: 58 Prozent. Das Polizeipräsidium Südosthessen meldet einen Rückgang beim Straßenraub von 477 Fällen im Jahr 2004 auf 204 Fälle im vergangenen Jahr. Die Aufklärungsquote, so Polizeisprecher Florian Becker, stieg auf 52 Prozent.

Allerdings wechselt weiter Geld auf betrügerische Weise die Besitzer. So ist die Internetkriminalität zwischen 2008 und 2017 in Hessen vom 16.179 auf 19.455 Fälle gestiegen. Der Täterkreis ist hier aber ein anderer.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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