Silhouette bleibt trotz Rückbaus

Bilder zum Atomkraftwerk in Biblis

Biblis Atomkraft Atomkraftwerk AKW
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Biblis - Das stillgelegte Atomkraftwerk Biblis wird seit einem Jahr abgebaut. Aus dem Atomgesetz entlassen wird es aber wohl erst 2032. Die Kraftwerks-Silhouette wird dann noch genauso aussehen wie heute.

Bis der leere Castor alle Materialschleusen des abgeschalteten Reaktorblocks B in 21 Metern Höhe durchlaufen hat, vergehen einige Stunden. Dann wird der blaue Behälter im südhessischen Atomkraftwerk Biblis mit abgebrannten Brennelementen beladen. Erst sieben Tagen später kann der Castor mit einem Schienenfahrzeug von Block B ins nur wenige Meter entfernte Zwischenlager für hoch radioaktive Castoren (SZL) gebracht und eingelagert werden.

Der vor einem Jahr begonnene Abbau des nach der Katastrophe von Fukushima 2011 stillgelegten Atomkraftwerks aus den 1970er Jahren läuft auf Hochtouren - und braucht trotzdem etwa 15 Jahre Zeit. Die Sicherheits- und Strahlenschutz-Standards gelten weiter. 2032 soll das Kernkraftwerk aus dem Atomgesetz entlassen werden. "Die Kraftwerks-Silhouette wird aber auch in 15 Jahren noch stehen", sagt der Leiter der von RWE betriebenen Anlage, Horst Kemmeter. "Was mit dem Gelände passiert, muss dann entschieden werden." Das Grundstück am Rhein ist rund 30 Hektar groß - etwa 42 Fußballfelder. Die Kosten für den Rückbau schätzt Kemmeter auf rund 1,5 Milliarden Euro.

91 Castoren mit Brennstäben aus beiden Blöcken stehen schon in dem Zwischenlager für hoch radioaktive Stoffe. Ein leerer Castor wiegt rund 108 Tonnen und kann 19 Brennelemente aufnehmen.

Brennstäbe gibt es in Block A schon seit Ende 2016 nicht mehr. Jetzt ist Block B dran: Innerhalb der nächsten zwölf Monate sollen zehn Castoren mit Brennelementen und einer mit Brennstäben beladen und im SZL untergebracht werden. Wegen Rissen an den Laufrädern eines Krans im Reaktor B musste die Beladung einige Monate unterbrochen und der Kran repariert werden. Jetzt wird wieder beladen. Ende Mai 2019 soll auch Block B frei von Brennstäben sein, wie RWE-Sprecher Alexander Scholl in Biblis sagt.

In dem Standort-Zwischenlager sollen auch sieben Castor-Behälter mit radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufbereitung in England gelagert werden. Das Genehmigungsverfahren beim Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) läuft noch.

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Deutschland hat sich verpflichtet, die radioaktiven Abfälle zurückzunehmen, die bei der Wiederaufbereitung von Brennstäben in Frankreich und England entstanden sind. Aufbewahrt werden sollen sie in den vier Zwischenlagern Biblis, Brokdorf, Isar und Philippsburg.

"Wir werden einer der ersten sein", sagt Kemmeter. Er rechnet mit der Ankunft der Castoren von Frühjahr bis Mitte 2020. Denn in Biblis seien alle für die Lagerung technisch erforderlichen Maßnahmen bereits umgesetzt - vor allem die rund zehn Meter hohe Beton-Sicherheitswand vor dem SZL.

Die Entkernung der beiden Kühltürme auf dem Gelände hat auch schon begonnen. Ventilatoren und überflüssiger Schallschutz wurden bereits ausgebaut. "Der Rückbau muss möglichst schnell sein, denn Zeit ist Geld", sagt Kemmeter.

Das geht nicht ohne Investitionen in Bauten und Maschinen. Gerade entsteht ein drittes Lager auf dem Gelände im Erdbebengebiet, das zweite für schwach- und mittelradioaktive Abfälle (LAW II). Die Kosten dafür beziffert Kemmeter auf rund 15 Millionen Euro. Der aufwendige Rohbau ist seit einigen Monaten fertig. "Derzeit läuft der Innenausbau", sagt Projektleiter Carsten Altenburg mit Blick auf die Technik. Ende des Jahres soll LAW II in Betrieb genommen werden. Bis zu fünf Konrad-Container können darin übereinander gestapelt werden.

Eigentlich ist das Lager als Puffer gedacht, bis das Endlager Schacht Konrad aufnahmebereit ist. Das ist nach dem derzeitigem Stand allerdings nicht vor 2027, wie Kemmeter sagt. "Wenn Konrad nicht kommt, wird das zum Dauerlager." Die Entscheidung darüber liege dann aber bei der extra gegründeten bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ). 2020 gibt RWE die beiden Lager mit schwächeren radioaktiven Müll an die BGZ ab, das SZL schon 2019.

Der Rückbau von Biblis erforderte nicht nur den Bau des Lagers LAW II, sondern auch eine Reihe neuer Anlagen. "Das ist jedes Mal ein riesiger formeller Aufwand", sagt Scholl. Das stillgelegte Kernkraftwerk bekam eine neue gasbetriebne Heiztechnikzentrale. Notwendig sind aber etwa auch eine Hochdruck-Dekontaminationsanlage, eine spezielle Trocknungsanlage, ein neues System zur Abwasseraufbereitung sowie zum Pressen und Sägen. So können die abgebauten Rohrleitungen, Kabel und andere kontaminierte Materialien aus den Reaktorblöcken zerkleinert, gereinigt und das Volumen des radioaktiven Abfalls deutlich verringert werden.

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"Die abrupte Abschaltung war ein heilsamer Schock", sagt der Bürgermeister der rund 9000 Einwohner großen Stadt, Felix Kusicka (parteilos). Die Gewerbesteuer sei immer gut geflossen, und plötzlich habe Biblis mit seinen rund 9000 Einwohnern bei einem jährlichen Haushaltsvolumen von 16 bis 18 Millionen Euro auf Einnahmen in Höhe von 2 bis 2,7 Millionen Euro verzichten müssen.

Vor allem mit einer deutlichen Erhöhung der Gewerbesteuer, fast einem Drittel weniger Stellen in der Verwaltung und einer restriktiven Haushaltspolitik werde die Stadt aber voraussichtlich nächstes Jahr wieder einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen können. Vor allem mit besseren ÖPNV-Anbindungen und einem Neubaugebiet versuche Biblis "den Wandel von einer Schlafstadt zu einer kleinen pulsierenden Gemeinde".

Zudem sei es gelungen, ein Logistik-Unternehmen neu anzusiedeln, mit 500 bis 800 Angestellten, sagt Kusicka. Rund 1000 Beschäftigte - davon 670 von RWE - haben vor der Abschaltung in dem Atomkraftwerk gearbeitet. Derzeit seien es noch etwa 300 von RWE - plus eine schwankende Zahl Beschäftigter von Partnerfirmen, wie Scholl sagt. Die Logistikfirma sei ein wichtiges Signal gewesen, "dass die Lichter nicht ausgehen", sagt Kusicka. "Die Stimmung ist gut." (dpa)

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