Hat er in seiner Zelle Feuer gelegt?

„Bombenleger von Viernheim“ erneut vor Gericht

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Der mutmaßliche Bombenleger von Viernheim bei seiner Festnahme, nachdem er sich in einem Wohnhaus verschanzt hatte.

Darmstadt - Der vor Jahren als „Bombenleger von Viernheim“ zu zwölf Jahren Haft verurteilte Mann soll in seiner Gefängniszelle Feuer gelegt haben. Seit Montag steht der 52-Jährige deswegen vor dem Landgericht Darmstadt.

Vor Gericht steht ein 52-Jähriger und er schimpft erregt über „diesen hirnverbrannten hessischen Justizapparat“. Der Mann ist als "Bombenleger von Viernheim" bekannt geworden. Im Juni 2010 erhielt der Militärfan zwölf Jahre Haft, weil er Sprengsätze gegen zwei Häuser geworfen, um sich geschossen und sich dann in seiner Wohnung im südhessischen Viernheim verschanzt hatte, mit jeder Menge Munition, Waffen und Sprengstoff. Nach einem fast 28 Stunden langen Nervenkrieg ergab er sich schließlich. Es gab zwei Verletzte.

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Jetzt steht er zum zweiten Mal vor dem Landgericht Darmstadt. In diesem Verfahren wird ihm vorgeworfen, in seiner Gefängniszelle Feuer gelegt haben. Er bestreitet zum Prozessbeginn am Montag die Tat. "Der Beschuldigte leidet an einer akuten paranoiden Schizophrenie", sagt Oberstaatsanwalt Klaus Tietze-Kattge. Der Mann sei seelisch krank und gehöre in die Psychiatrie. „Er ist gefährlich für die Allgemeinheit.“ In seiner Gefängniszelle der JVA Weiterstadt soll der Beschuldigte im August 2015 mit seinem Feuerzeug Papier, Bücher und Zeitungen angesteckt haben. Die Zellentür sei mit einem Bettgestell verbarrikadiert worden. „Deswegen konnte die Zelle zur Brandlöschung nur schwer betreten werden“, beschreibt Tietze-Kattge die Lage. Alle Gefangenen der Station hätten weggebracht werden müssen.

Drei JVA-Bedienstete hätten Rauchgasvergiftungen erlitten. Zeugen berichten vor Gericht, "„och tagelang danach Husten gehabt zu haben“. Der Beschuldigte erlitt laut Anklage leichte Verletzungen. Er habe in der Toilette auf dem Boden gelegen, sich mit einem nassen Tuch und mit einem Plastiksack über den Kopf geschützt. Der 52-Jährige erzählt, er könne sich nur noch daran erinnern, durch die Flammen wach geworden zu sein. „Ich habe es gerade noch geschafft, mir den Plastiksack über den Kopf zu ziehen.“ So richtig viel wisse er nicht mehr. „Ich habe mehrmals erklärt, dass ich Gedächtnisverlust habe.“

An manche anderen Einzelheiten wiederum kann er sich ziemlich genau erinnern. An das Datum mancher Tage etwa - und wie es ihm gelang, in seiner Haft aus einem Glasreiniger Alkohol herauszuziehen. Der „Bombenleger von Viernheim“ fühlt sich von der Justiz völlig falsch behandelt. „In den Satan habe ich mehr Vertrauen.“ In der Justiz gehe es zu „wie bei der Gestapo“, behauptet er und, dass er misshandelt worden sei. „Nach dem Brand wurde mir Erste Hilfe verweigert. Ich wurde behandelt wie der letzte Dreck.“

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Über seinen Stuhl hat er eine schwarze Jacke gehängt, auf deren Rücken in Großbuchstaben „ARMY“ zu lesen ist. „Ich soll doch hier nur als möglichst geisteskrank dargestellt werden“, sagt er. Immer wieder stoppt der Vorsitzende Richter Daniel Kästing den Beschuldigten in seinen Ausführungen. Schnell lässt Kästing die ersten Zeugen kommen, damit der 52-Jährige zuhören muss. Was passiert mit dem Rest der zwölfjährigen Haftstrafe, wenn der 52-Jährige in die Psychiatrie kommt? „Dann wird man weitersehen“, erklärt Tietze-Kattge vor dem Gerichtssaal. „Er ist mit großer Sicherheit krank“, sagt der Oberstaatsanwalt. „Er ist in einer anderen Welt.“ Der ursprünglich vier Tage lange Prozess wurde um einen Tag verkürzt. Er soll an diesem Mittwoch (1. Februar) weitergehen, der letzte Termin ist für den 9. Februar angesetzt. (dpa)

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