Laufsteg-Training, Fotoshootings, Sport

Miss-Germany-Bootcamp: Vorbereiten aufs Finale

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Sporteinheiten gehören für die Missen dazu – hier unter Anleitung des ehemaligen Diskuswerfers und Olympiasiegers Lars Riedel.

Playa de Esquinzo - Der Wind pfeift über das Sonnendeck des Tui Magic Life Clubs an der Playa de Esquinzo auf Fuerteventura. Doch kalt wird es den Miss-Germany-Finalistinnen keinesfalls. Von Kristina Köller

Die Sonne wärmt – und ganz abgesehen davon will Fitnesstrainer Lars Riedel, ehemaliger Diskuswerfer und Olympia-Sieger, vollen Einsatz sehen – Liegestütz, Sit-ups, das ganze Programm. Unter den 22 schönen jungen Frauen, die sich auf das Finale von Miss Germany 2018 vorbereiten, ist auch Derya Sipahi (25), Unternehmensberaterin aus Frankfurt.

Wie es dazu kam, dass die zweitälteste Teilnehmerin sich im zehntägigen Trainingslager – Bootcamp, wie die Organisatoren selbst sagen – wiederfand? „Ich habe relativ spontan an der Wahl zur Miss Hessen teilgenommen. Meine Mama hat mich dazu gebracht“, erzählt sie rückblickend. „Und ich bin risikofreudig, da dachte ich mir: Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Die Landeswahl entschied sie für sich – und löste damit das Ticket auf die Kanaren-Insel und ins Finale.

Große Vorerfahrung auf dem Catwalk und vor der Kamera von Profi-Fotografen hat sie nicht, erzählt die gebürtige Heilbronnerin. Wohl aber damit, in der Öffentlichkeit zu stehen. „Ich war im Jugendgemeinderat, Integrationsrätin und Studiensprecherin“ Doppel-Bachelor, Master, Unternehmensberatung – während sich im Studium und im Arbeitsalltag fast alles um Wirtschaftsthemen dreht, sind die Herausforderungen bei Miss Germany anderer Natur. Nicht nur die perfekte Präsenz auf dem Laufsteg muss es sein. Es kommt auch auf tadelloses Benehmen, ein sympathisches Auftreten und Ausdrucksvermögen an. Passendes Make-up und Haar-Styling, gekonntes Posieren vor der Kamera und letztlich die eigene Vermarktung – zunehmend über die Online-Portale Facebook, Instagram, Snapchat und Twitter – machen eine Miss Germany aus.

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Letzteres ist nicht ganz so Sipahis Sache – sie ist die einzige Titel-Anwärterin, die sich nicht auf diesen Online-Kanälen in Szene setzt. Keine Zeit, abends nach der Arbeit noch die Profile zu bestücken, sagt sie. Riccardo Simonetti, deutscher Star-Blogger, der nach eigenen Angaben täglich bis zu 400 Kurzvideos aus seinem Leben mit der Fangemeinde teilt, lässt dieses Argument nicht gelten. Alles muss ansprechend dokumentiert werden, sagt er – „ob ich nun an einer aufregenden Veranstaltung teilnehme oder den Müll rausbringe. Das gehört zum Zeitgeist“. Auf Social-Media-Kanälen könne man künftigen Auftraggebern schon mal zeigen, wie gut man Dinge, sprich Produkte, platzieren kann.

Das Social-Media-Training mit dem Blogger ist bei Weitem nicht der einzige Termin an einem straffen Tag im Bootcamp – ein Programmpunkt reiht sich hier förmlich an den nächsten. Mitunter ist das hart und erfordert Disziplin. In die Maske geht’s manchmal schon, bevor der Wecker klingelt – um 5 Uhr in der Früh, wenn über der Ferienanlage noch nächtliche Ruhe liegt. Dann Shooting im Pool, am Strand, auf dem Sportplatz, Gala-Abend ganz in Weiß inklusive Spalier stehen für die anderen Hotelgäste, Benimm-Kurs – denn bei Tisch einen Fauxpas begehen, das will keine der Missen. Apropos Essen. Die Gäste des All-Inclusive-Clubs schaufeln sich mehrmals täglich am Büfett die Teller voll. Etwas, das sich mit dem Figur-Ehrgeiz einer Miss Germany und dem Drill eines Bootcamps beißt? Wohl nicht unbedingt. Auf Maße wird nicht ganz so strikt geachtet wie bei anderen Model-Castings, das wird von allen Seiten betont. Mindestgröße, Tattoo- und Piercing-Verbot? Ebenso Fehlanzeige. Nur Nacktaufnahmen sind streng verboten. Alina Müllenborn (18), die Miss aus Sipahis Nachbarbundesland NRW, bringt es so auf den Punkt: „Hier zählt noch jede einzelne Person.“

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Was zählt, sind alles in allem auch die Vorbereitungen auf die große Finalshow am Samstag im Europa-Park Rust. Wie aufregend es sein kann, auf der großen Bühne zu stehen, können die 22 Teilnehmerinnen jedenfalls schon mal erahnen. So müssen die amtierenden Missen der 16 Bundesländer, die vier Missen aus Nord-, Ost-, Süd- und Westdeutschland sowie Miss Internet und Miss Photogenic eine Talentshow für die Clubgäste gestalten. Tanzen, Singen, Sketche oder Sporteinheiten aufführen – jede zeigt das, was sie kann.

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Für Derya Sipahi gerät ihr Zaubertrick an diesem Abend definitiv zur Feuerprobe: Sie holt vier Zuschauer auf die Bühne, und einer von ihnen soll in ihrer Abwesenheit eine Praline in Hand oder Hosentasche verschwinden lassen. Stockender Atem im Publikum – weder im ersten noch im zweiten Versuch vermag die Miss Hessen die entsprechende Person zu identifizieren. „Bei den Proben hat es immer geklappt“, sagt sie mit entschuldigendem und charmantem Lächeln zum Publikum. Und zu ihren Helfern auf der Bühne: „Meinen Applaus schenke ich Ihnen, denn Sie haben wirklich gut geschauspielert.“ Diese Rettung verzaubert dann doch – und lässt die Hessen im Saal auf gute Karten im Finale hoffen.

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