Finanzsektor und Dienstleistungen gelten als stark

Brexit-Folgen für Hessen laut IHK-Studie eher glimpflich

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Der Austritt Großbritanniens aus der EU trifft Deutschland nicht so hart wie andere Länder.

Frankfurt - Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union fällt für Hessen glimpflich aus. Das zeigt eine Studie der IHK Frankfurt. Von Marc Kuhn 

Die negativen Auswirkungen des Brexits für die Wirtschaft in Hessen und FrankfurtRheinMain werden trotz der engen wirtschaftlichen Beziehungen zu Großbritannien überschaubar bleiben. „Hessen dürfte am Ende besser durch den Brexit kommen als andere Bundesländer“, sagte Mathias Müller, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt, bei der Vorstellung einer Studie, die die Kammer beim Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in München in Auftrag gegeben hatte.

Grund für die weniger ungünstige Entwicklung sei, dass der Finanzsektor und die unternehmensnahen Dienstleistungen in der Metropolregion besonders stark sind. Diese ausdifferenzierte Infrastruktur schütze Hessen bei Turbulenzen eines einzelnen Marktes wie Großbritannien.

Professor Gabriel Felbermayr, Leiter des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft, sagte: „Neben seinen Vorteilen in der Finanzbranche und bei unternehmensnahen Dienstleistungen kommt Hessen auch sein ausgewogenes Exportmarkt-Portfolio zugute. In turbulenten Zeiten ist Diversifizierung das Gebot der Stunde. Ich warne davor, mit der City of London und anderen europäischen Finanzmetropolen in einen teuren und potenziell destabilisierenden Standortwettbewerb über Regulierung und Besteuerung einzutreten.“

Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt werde in Hessen im Falle eines harten Brexit um 0,17 Prozent niedriger sein und um 0,08 Prozent bei einem weichen Brexit, erklärte Müller. Die Einbußen würden damit spürbar geringer als in Deutschland insgesamt ausfallen. Das Ifo- Institut hat auf Basis eines Simulationsmodells die Folgen des Brexits auf Hessen und FrankfurtRheinMain mit der Entwicklung in den EU-Ländern verglichen.

Die EU-Staaten verzeichnen beim Bruttoinlandsprodukt im Falle eines harten Brexits ein Minus von 0,26 Prozent, im Falle eines weichen Brexits beträgt das Minus nur 0,11 Prozent. Auch Deutschland verliert, kommt aber mit einem Minus von 0,23 beziehungsweise 0,10 Prozent besser weg.

„Der Brexit ist ohne Frage eine gravierende Veränderung der wirtschaftlichen Umstände, denn Hessens Wirtschaft ist in hohem Maße mit der Wirtschaft Großbritanniens verbunden“, berichtete Müller. Die Exporte nach Großbritannien beliefen sich 2017 auf 4,1 Milliarden Euro. Das entspricht 6,5 Prozent der hessischen Exporte. „Damit ist das Land für die hessische Wirtschaft viertwichtigster Auslandsmarkt nach USA, Frankreich und den Niederlanden.

Brexit: Durchbruch ebnet Weg in Verhandlungsphase zwei

Besonders betroffene Branchen sind Kfz und Kfz-Teile, hieß es. Wichtige Exportgüter aus Hessen seien auch chemische und pharmazeutische Erzeugnisse sowie elektrotechnische Produkte.

In der deutschlandweiten Branchenbetrachtung verliert vor allem das Verarbeitende Gewerbe mit einem Minus von 0,71 Prozent im Fall eines harten Brexits, erläuterte die IHK. Die Finanz- und Versicherungsbranche sowie unternehmensnahe Dienstleister gehörten zu den wenigen Branchen, die bei einem Brexit gewinnen; mit einem Plus von 0,22 beziehungsweise 0,19 Prozent.

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