ICE-Trasse, Regionaltangente West, Kiesabbau

BUND fürchtet um Bannwald

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Auch bei Zeppelinheim ringt man um den Bannwald. Unser Foto zeigt eine Aktion der Umweltorganisation „Robin Wood“ im Treburer Oberwald im Jahr 2015.

Wiesbaden/Darmstadt - Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) rechnet mit einem weiteren Verlust von geschützten Waldflächen in Hessen.

Für die ICE-Trasse Frankfurt-Mannheim werde Bannwald fallen, ebenso für die Regionaltangente West zwischen Bad Homburg und Dreieich, sagt Thomas Norgall, Naturschutzreferent des BUND in Hessen. Während die Naturschützer diese Schienenprojekte akzeptieren, kritisieren sie die unklare Rechtslage im Bereich des Kiesabbaus. Bannwälder sind gegen Abholzung geschützt, weil sie Erholungsräume bieten, Grundwasser und Luft reinhalten. 2014 hatte das Land die Schwelle für eine Rodung deutlich erhöht. Trotzdem werden immer wieder Bannwälder abgeholzt. „Bei Infrastrukturprojekten sind Ausnahmen vorgesehen, das haben wir akzeptiert“, sagt Norgall.

Gestritten wird um Rodungen für Kiesabbau wie am Langener Waldsee. Der BUND hatte vorerst erfolglos versucht, die Arbeiten Anfang Dezember vor Gericht zu stoppen. Insgesamt geht es um eine Fläche von 63,7 Hektar (das entspricht 89 Fußballfeldern), von denen nach Angaben des BUND bereits knapp 20 Hektar abgeholzt sind.

Einem Kiesabbau westlich des Frankfurter Flughafens könnten weitere 40 Hektar zum Opfer fallen. Hessen habe einen Antrag eines Unternehmens zwar abgelehnt, sagt Norgall. Der Verwaltungsgerichtshof hatte die Entscheidung aber aufgehoben, weil man durch die angekündigte Aufforstung innerhalb von 16 Jahren nicht von Rodung, sondern nur von „vorübergehender Nutzungsänderung“ sprechen könne.

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Nach den Erfahrungen des BUND am Langener Waldsee fehle aber Material, um Kiesgruben so schnell aufzufüllen. Die Renaturierung dauere deutlich länger, abgeholzter Bannwald verschwinde für Jahrzehnte. Das Land, so der BUND, könne den Wald aber trotz VGH-Urteil noch schützen, wenn es die real verfügbaren Materialmengen zur Auffüllung zur Grundlage seiner Entscheidungen mache. „Doch in diesem Punkt, machen wir uns große Sorgen“, sagt Norgall.

Das Land Hessen äußert sich nicht, „weil bestimmte Vorhaben sich noch im Stadium der Planung oder der Prüfung befinden“, erklärte eine Sprecherin des Umweltministeriums. Laut dem Land sind seit der Verbesserung des Bannwald-Schutzes deutlich weniger geschützte Waldflächen gerodet worden. 9,9 Hektar waren es seit 2014. Das entspricht knapp 14 Fußballfeldern. Es ist nur ein Bruchteil der 272 Hektar Bannwald (381 Fußballfelder), die insgesamt in den vergangenen zehn Jahren abgeholzt wurden.

In Hessen gibt es insgesamt noch 18.900 Hektar Bannwald. Die Schwerpunkte liegen im Rhein-Main-Gebiet um den Flughafen Frankfurt, nördlich von Wiesbaden und südlich von Darmstadt sowie in Nordhessen im Gebiet des Nationalparks Kellerwald-Edersee. (dpa)

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