Corona

Kinder bei 37,5 Grad heimgeschickt - Infektionsschutz sorgt für große Unsicherheit bei Eltern und Kitas

Seit knapp zwei Wochen befinden sich die hessischen Kitas wieder im Regelbetrieb
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Seit knapp zwei Wochen befinden sich die hessischen Kitas wieder im Regelbetrieb.

Seit knapp zwei Wochen befinden sich die hessischen Kitas wieder im Regelbetrieb, doch die Verunsicherung bei Eltern, Kita-Trägern und Personal ist nach wie vor groß.

Offenbach/Hanau/Wiesbaden – Denn Kinder mit Erkältungssymptomen sollen der Einrichtung fernbleiben. Doch ein Niesen am Morgen muss nicht unbedingt ein Hinweis auf eine Erkältung oder gar eine Corona-Erkrankung sein. Um auf Nummer sicher zu gehen, schicken einige Kitas niesende Kinder oder solche mit leichter Rotznase allerdings wieder heim. Eltern stellen sich die bange Frage, wie das erst werden soll, wenn die Erkältungszeit im Herbst wieder beginnt.

Informationsblatt: Dann darf ein Kind die Kita nicht besuchen

„Ihr Kind darf die Kita nicht besuchen, wenn es zum Beispiel Fieber, Husten, Atemprobleme, Halsschmerzen, Gliederschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall hat“, informierte das Hessische Ministerium für Soziales und Integration Mitte Juni die Eltern in einem Informationsblatt. Bei den meisten der aufgezählten Symptome eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass betroffene Kinder nicht die Kita besuchen können, doch der Teufel steckt im Detail: So berichtet eine Offenbacher Familie, dass in ihrer Kita alle Kinder mit einer Körpertemperatur ab 37,5 Grad wieder heimgeschickt werden.

Die Messung erfolge mit einem ungenauen Stirn-Thermometer, sodass allein die Schwankung häufig für ein Überschreiten der Temperaturgrenze sorge, erzählt der Vater. Seine beiden Kinder (zwei und vier Jahre alt) mussten seit Wiederaufnahme des Regelbetriebs bereits zweimal abgeholt werden, denn wenn ein Kind betroffen ist, muss auch das Geschwisterkind nach Hause. Sie müssen dann 48 Stunden symptomfrei sein, bevor sie in die Kita zurückkehren dürfen. Ein Kind, das tobt und sich viel bewegt, hat schnell eine Körpertemperatur von 37,5 Grad, Fieber beginnt eigentlich erst ab 38 Grad, laut der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin sogar erst ab 38,5 Grad Körpertemperatur.

Grenzwert von 37,5 Grad in Absprache mit einer Betriebsärztin festgelegt

Die Einrichtung und ihren Träger möchte der Vater aus Offenbach nicht nennen, und auch selber anonym bleiben: „Die Kita-Leitung tut uns leid, und wir wollen sie nicht an den Pranger stellen.“ Der Grenzwert von 37,5 Grad sei wohl in Absprache mit einer Betriebsärztin festgelegt worden, hat der Vater in Erfahrung gebracht. Weil an einem Tag von knapp 30 Kindern die Hälfte nach Hause geschickt wurde, habe sogar das Gesundheitsamt Alarm geschlagen. Er wünscht sich von „übergeordneter Seite“ klarere Vorgaben, damit Einrichtungen nicht von der Einschätzung einer einzelnen Ärztin abhängig sind.

Eine verpflichtende Temperaturmessung sei nicht vorgegeben, heißt es beim Hessischen Sozialministerium auf Anfrage. „Das obliegt den einzelnen Kita-Trägern“, so eine Sprecherin. Da die Einrichtungen in Hessen sehr unterschiedlich konzipiert seien, gebe es auch keine einheitlichen Vorgaben des Landes.

Im Zweifelsfall hat Gesundheitsschutz Priorität

Doch wie soll mit leicht verschnupften Kindern umgegangen werden – vor allem, wenn ab Herbst die Erkältungszeit losgeht? „Wir orientieren uns am aktuellen Covid-19-Steckbrief des RKI. Demnach sind Schnupfensymptome die dritthäufigste Symptomgruppe bei Covid-19-Erkrankungen“, erläutert Astrid Weiermann, Leiterin des Eigenbetriebs Hanau Kindertagesstätten. „Aufgrund der sommerlichen Wetterlage sind Erkältungssymptome bei den Kindern im Moment jedoch eher selten.“ Im Zweifelsfall habe der Gesundheitsschutz Priorität. „Das Gleichgewicht zwischen Panikmache und Nachlässigkeit ist vor Ort von den Fachkräften und den Leitungen auszuloten.“

Um Missverständnisse zu vermeiden, rät das Sozialministerium in seinem Infozettel im Zweifelsfall zu einem Arztbesuch: „Für chronisch kranke Kinder – zum Beispiel Heuschnupfen – wird die Einholung eines ärztlichen Attests empfohlen, um gegenüber der Kita Klarheit zu schaffen.“ (Von Niels Britsch)

Nachdem ein Familienvater aus Dreieich positiv auf das Coronavirus getestet wurde, gingen seine beiden Kinder noch zwei Tage in die Kita, bevor die gesamte Familie in Quarantäne kam. Dann steht fest: Auch eines der beiden Kinder ist mit dem Virus infiziert. Die Kita in Dreieich bleibt wegen des Corona-Falls nun bis auf Weiteres geschlossen.

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