Özlem Türeci und Uğur Şahin

Wann endet der Corona-Lockdown? Prognose von Biontech-Gründer besorgniserregend

"Wie soll es weitergehen" fragen sich angesichts der coronabedingten Schließung mittels eines Schriftzuges im Schaufenster die Inhaber eines Friseursalons am Rande der Innenstadt.
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Wie soll es mit dem Corona-Lockdown weitergehen? Die Biontech Gründer liefern eine Prognose. (Symbolbild)

Wie geht es in Corona-Zeiten weiter? Der mit dem Bundesverdienstkreuz geehrte Biontech-Gründer Uğur Şahin äußert sich zur Lockdown-Politik in den kommenden Monaten.

  • Die Impfkampagne gegen das Coronavirus* ist in vollem Gange.
  • Die Biontech-Gründer Türeci und Şahin sagen eine Lockdown-Politik in Deutschland bis Herbst voraus.
  • Für den Corona-Impfstoff ihres Unternehmens wurden sie mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

Deutschland steht am Beginn der dritten Corona-Welle. Nach monatelangem Lockdown wurden erste vorsichtige Lockerungsschritte gewagt, jetzt steigen die Fallzahlen wieder fast überall. Als Teil der Öffnungen ist eine „Notbremse“ vorgesehen, falls die Corona-Zahlen wieder steigen. Gebunden ist diese Notbremse an die 7-Tage-Inzidenz: Nach drei aufeinanderfolgenden Tagen über dem Wert 100 können Lockerungen wieder zurückgenommen werden. Dann kann ein neuer Lockdown beschlossen werden.

In einigen Regionen Deutschlands ist es bereits so weit: Die Inzidenzen sind wieder dreistellig. In Hessen liegt der Wert beispielsweise bei 114,3 (Stand: 21.03.2021). Ministerpräsident Volker Bouffier will die weiteren Schritte – also einen möglichen neuen Lockdown – nach der Corona-Konferenz der Ministerpräsidenten am Montag bekannt geben.

Şahin: Coronavirus wird weiter mutieren – Biontech bereitet sich vor

Der Rhythmus zwischen Lockdown und Öffnungen könnte uns noch einige Zeit beschäftigen. Das Forscher-Ehepaar Özlem Türeci und Uğur Şahin erwartet im Herbst ein Ende der Lockdown-Maßnahmen in Deutschland. „In vielen Ländern in Europa und in den USA werden wir wahrscheinlich Ende des Sommers in der Situation sein, nicht mehr in einen Lockdown zu müssen“, sagte Şahin der „Welt am Sonntag“. Weltweit werde es mindestens noch ein Jahr dauern, bis die Pandemie unter Kontrolle ist.

Schlüsselfakten zum Biontech-Impfstoff
Name: BNT162b2
Wirkstoff:Tozinameran
Impfstoffart: mRNA
Zulassung:EU: 21. Dezember 2020

Es werde weiter Mutationen geben, aber diese würden mit großer Wahrscheinlichkeit keinen Schrecken verbreiten, meint Şahin. Das Virus werde nicht verschwinden, möglicherweise müsse man den Impfstoff dann anpassen. „Darauf bereiten wir uns bereits heute vor“. Es sei möglich, dass die Impfungen wiederholt werden müssen, wenn das Virus mutiert. „Ob man jedes Jahr oder alle fünf Jahre eine Impfung braucht, das müssen wir sehen.“, sagte Şahin der „Welt am Sonntag“.

Biontech-Gründer: 80 Millionen Menschen im Jahr gegen Corona zu impfen ist möglich

Selbstimpfungen müssen nicht zwangsläfig eingeführt werden. Die Hausärzte seien dann eine wichtige Hilfe. „Wenn man die Hausärzte und das medizinische Personal einbindet, wäre es kein Problem, 80 Millionen Menschen jedes Jahr einmal zu impfen.“ Die Beobachtung einer möglichen allergischen Reaktion durch Fachleute sei zudem wichtig. Diese können auftreten, allerdings nur in sehr seltenen Ausnahmefällen.

Türeci und Şahin sind Gründer des Mainzer Unternehmens Biontech, das den ersten zugelassenen mRNA-Impfstoff entwickelte. Das Mittel erhielt am 21. Dezember eine Zulassung in der EU, seit dem 27. Dezember wird es in Deutschland gegen Corona verimpft. Über fünf Millionen Menschen haben die Erstimpfung mit dem Vakzin von Biontech erhalten. Dafür verlieh Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dem Ehepaar am Freitag (19.03.2021) das Bundesverdienstkreuz mit Stern verliehen, eine der höchsten Auszeichnungen Deutschlands.

Biontechgründer mit Bundesverdienstkreuz geehrt – Entdeckung „bahnbrechend“

Özlem Türeci und Uğur Şahin bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes.

Bei der Ehrung im Schloss Bellevue war neben den Biontech Gründern und Steinmeier auch Bundeskanzlerin Angela Merkel anwesend. Es war die erste persönliche Ordensverleihung für Steinmeier in diesem Jahr.

Die Gründer des Biotechnologie-Konzerns hätten durch die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs mit einer „herausragenden Leistung überzeugt“ und einen „Dienst an der Menschheit“ begangen, erklärte Bundespräsident Frank Walter-Steinmeier bei der Ordensverleihung in Berlin. „Ich bin mir sicher: Eine ähnlich existenzielle wissenschaftliche Großtat ist in diesem Schloss selten ausgezeichnet worden!“ Die Entdeckung des Impfstoffs bezeichnete er als „bahnbrechend“, sie „rettet Menschenleben, sie rettet Existenzen, sie sichert unser gesellschaftliches, wirtschaftliches und kulturelles Überleben“, sagte der Bundespräsident. (Sebastian Richter) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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