„Spiegel“ schaltet Experten ein

Politisches Erdbeben in Österreich: Skandal-Video in Darmstadt unter der Lupe

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Kanzler Sebastian Kurz (links) und Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache.

„Der Spiegel“ und die „Süddeutsche Zeitung“ haben mit dem sogenannten Ibiza-Video ein politisches Erdbeben in Österreich ausgelöst. Zuvor wurde der Clip in Darmstadt untersucht.

Darmstadt – Doch bevor das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ über das Video berichtete und sogar Ausschnitte veröffentlichte, ließen die Verantwortlichen die Echtheit des Materials überprüfen. Und zwar in Darmstadt. Professor Martin Steinebach ist Leiter der Abteilung für Multimedia-Sicherheit und IT-Forensik am Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie in Darmstadt und hat das Video im Auftrag des Nachrichtenmagazins unter die Lupe genommen. Der „Spiegel“ hatte ihm einige Ausschnitte des mehrstündigen Videos vorgelegt – „nur ein Bruchteil“ des ursprünglichen Materials, wie Martin Steinebach erzählt.

Ibiza-Video: Medienforensischen Untersuchung in Darmstadt

Doch auch die Überprüfung dieser Dateien erforderte einen erheblichen Aufwand: Mit einem mehrere Personen starken Team habe er einige Tage das Material analysiert, erzählt der IT-Experte. Bei dieser medienforensischen Untersuchung werde anhand verschiedener Kriterien geprüft, „ob die Dateien technisch korrekt sind“.

„Keine Anzeichen von Manipulation“

Das uns vorliegende Material ist authentisch und es gab keine Anzeichen von Manipulation.Professor Martin Steinebach ist Leiter der Abteilung für Multimedia-Sicherheit und IT-Forensik am Fraunhofer-Institut

Zum Beispiel gelte es darauf zu achten, wie die Audiodateien verlaufen: „Wenn eine Passage plötzlich andere Frequenzdaten oder einen anderen Pegel aufweist, ist das ein Hinweis auf Manipulation.“ So werde der Verlauf des Videos anhand verschiedener Parameter überprüft, im Falle des Ibiza-Videos kam Steinebach zu dem Schluss: „Das uns vorliegende Material ist authentisch und es gab keine Anzeichen von Manipulation.“

Der Experte nimmt zwar aufgrund des Inhalts an, dass die Kamera das Geschehen versteckt filmte, aber wie und wo die Kamera angebracht wurde, darüber möchte er nicht spekulieren; „denn diese Fragestellung war nicht Teil des Auftrags“. Es sei eine Fluchtwinkelanalyse notwendig, um herauszufinden, wie die Kamera installiert worden sei, außerdem könnte das Video Aufschluss auf den benutzten Kameratyp geben: „Mit Hilfe der Technik lässt sich so einiges herausfinden.“

VON NIELS BRITSCH

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