Deniz Yücel kommt frei:

Spontane Freuden-Demo und Erleichterung in Hessen

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Deniz Yücel nach 367 Tagen in Untersuchungshaft frei. Zahlreiche Menschen feiern.

Flörsheim/Wiesbaden/Frankfurt - Freuden-Demo in Flörsheim, Erleichterung in Wiesbaden: Die Freilassung von Deniz Yücel bewegt auch in Hessen viele Menschen. Vor allem in der Stadt, in der die Eltern und die Schwester des Journalisten leben.

Die Freilassung des Journalisten Deniz Yücel hat auch Hessen bewegt. Am Freitag gab es in Flörsheim, wo Yücels Eltern und Schwestern leben, spontane Feiern. Noch am Mittwoch hatten mehr als 100 Menschen dort die Freilassung von Yücel gefordert. Zwei Tage später versammelten sich einige Teilnehmer der Mahnwache spontan.

"Ich habe das vor zehn Minuten erfahren und bin sofort hierher", sagte Carola Gottas, die mit ihren zwei Töchtern zur Stadthalle kam. Sie kenne Yücel noch von früher: "Wir waren auf den gleichen Demos." Bei den Mahnwachen sei sie regelmäßig mit ihren Kindern dabei gewesen. "Wir freuen uns alle und versuchen uns jetzt erst mal zu sammeln", sagte Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD). "Natürlich würde ich als Bürgermeister der Stadt Flörsheim Deniz Yücel zu einem geeigneten Zeitpunkt auch sehr gerne persönlich hier in seiner Heimatstadt willkommen zurück heißen". Am Abend bildeten mehrere Autos einen Korso in der Stadt am Main.

Seit der Inhaftierung Yücels im vergangenen Februar waren in seiner Heimatstadt monatlich Dutzende zu einer Mahnwache zusammen gekommen, um Solidarität mit Yücels Familie zu zeigen und die Freilassung des wegen angeblicher Terrorpropaganda verhafteten Journalisten zu fordern. Noch am Mittwoch hatten sie hier eine von Yücels Schwester verlesene Grußbotschaft aus dem Gefängnis gehört, in der der Yücel versicherte: "Ich lasse mich nicht entmutigen."

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Als "gute Nachricht" begrüßten der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und sein Stellvertreter Tarek Al-Wazir (Die Grünen) die angekündigte Freilassung von Yücel in einer gemeinsamen Stellungnahme. "Wir hoffen, dass Deniz Yücel bald wieder nach Deutschland zurückkehren kann und sich das Verfahren damit erledigt hat."

In ihrer Stellungnahme betonten Bouffier und Al-Wazir, nun bleibe zu wünschen, "dass Menschenrechte, Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei wieder den Stellenwert bekommen, den sie in einer Demokratie haben müssen und die für uns in Europa unverzichtbar sind." Gleichzeitig erinnerten sie, dass weiter deutsche Staatsbürger in der Türkei inhaftiert sind: "Wir hoffen, dass auch die übrigen inhaftierten deutschen Staatsbürger ebenfalls bald freikommen."

Autokorso für inhaftierten Journalisten

Erleichterung auch bei anderen Parteien: "Ich bin unendlich froh, dass Deniz Yücel endlich wieder frei sein wird. Ein guter Tag für ihn und seine Familie", sagte Thorsten Schäfer-Gümbel, der SPD-Fraktionsvorsitzende im hessischen Landtag. "Der Einsatz für Rechtsstaatlichkeit in der Türkei muss jedoch weitergehen, weil viele Journalisten und viele andere noch zu Unrecht inhaftiert sind." Jürgen Frömmrich, Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen im Landtag, nannte Yücels Freilassung "längst überfällig".

Deniz Yücel

Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verband (DJV) in Hessen, Knud Zilian, sagte: "Es ist eine wunderbare Nachricht, dass der nicht nachvollziehbaren Verhaftung und den Haftbedingungen endlich ein Ende gesetzt ist. Und es ist ebenfalls eine wunderbare Nachricht für die Pressefreiheit." Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, würdigte Yücels Mut und sein "konsequentes Festhalten an seinen Werten". Yücels Haftentlassung sei ein Hoffnungsschimmer. Gleichzeitig betonte Skipis: "Von Entwarnung kann aber keine Rede sein. Noch immer sitzen über 150 Kultur- und Medienschaffende in der Türkei im Gefängnis." (dpa)

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