Manufaktur für Millionäre

Er baut Eisenbahn-Modelle, die 10.000 Euro kosten

Matthias Martin hat gut lachen. Seine Edel-Züge sind ein weltweiter Export-Schlager. In der Hand hält er die „Zahnradlok 975“ –  für schlappe 9.000 Euro zu haben.
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Matthias Martin hat gut lachen. Seine Edel-Züge sind ein weltweiter Export-Schlager. In der Hand hält er die „Zahnradlok 975“ –  für schlappe 9.000 Euro zu haben.

Die Preise machen schwindelig. 10. 000 Euro für eine Lok. 5.000 für einen Zug oder eine Bahnhofslandschaft, die mal den Wert eines Einfamilienhauses haben wird. In einer hessischen Modelleisenbahn-Manufaktur kaufen große, reiche Kinder ein.

Lengfeld – „Wir haben für einen Kunden aus Russland bei Moskau eine Modelleisenbahn-Anlage gebaut, der hat bei uns für 1,8 Millionen eingekauft“, sagt Matthias Martin, als sei es das Normalste der Welt. Er ist Geschäftsführer einer Modelleisenbahn-Manufaktur im beschaulichen Lengfeld, einem 2.000-Einwohner-Dorf im Landkreis Darmstadt-Dieburg.

Seine Kunden gehören klar zu den oberen Zehntausend. „Das Hochpreisigste war mal ein Orientexpress als handgemachter Teak-Holzzug. Mit Lok kostete er 50.000 Euro.“ Durchschnittlich gibt´s Wagen für rund eineinhalbtausend und Loks für 10.000 Euro. Alle Modelle sind stark limitiert. Oft nur 30 bis 40 Stück, was den hohen Preis erklärt. „Wir haben auch Modelle mit größerer Stückzahl, etwa 150. Die liegen dann nur bei drei bis viertausend Euro. Weltweit gibt es etwa nur 50.000 Interessierte. Und davon gut 5.000 Leute, die sich so etwas leisten wollen und können. Und wenn es dann nur hundert von einem bestimmten Modell gibt, kann man sich vorstellen, dass viele nicht mehr zu bekommen sind.“ Viele seiner Edel-Züge enthalten zwei- bis dreitausend verschiedene Teile, sind alle aus Messing handgelötet und handlackiert. „Wie bei den Uhren sind das jede für sich kleine Meisterwerke“, sagt Martin.

Und für ihn ist es mehr als ein lukratives Geschäft. Seit Kindheitstagen ist er selbst Modelleisenbahn-Fan. Er bekommt leuchtende Augen, wenn er erzählt, was das Hobby Modell-Eisenbahn für ihn bedeutet: „Das Thema bietet die größte Vielfalt. Ich kann Epochen sammeln, Zugverkehr oder Geländebau machen. Wenn ich mir die Modellbahn-Umgebung immer mehr gestalte, ist das wie ein Maler, der ein Bild malt.“ Martin spricht von einer großen inneren Befriedigung, wenn sich Sammler eine Landschaft um eine Eisenbahn aufbauen, um darauf ihre heile Welt abzubilden. „Bei mir zu Hause habe ich ein großes Hallenbad, das noch nie Wasser gesehen hat. Da steht eine große Platte drauf mit 110-Quadratmeter Eisenbahnlandschaft“, sagt er.

Bis 2009 hat er Bürohäuser gebaut, dann wollte er sein Hobby zum Beruf machen, gründete in Eschborn seine erste Modelleisenbahn-Firma. Seit 2019 ist er nun in Lengfeld ansässig und vertreibt mit zwei Firmen in alle Welt seine Modelle im Maßstab 1:32. „Das wird die Königsspur genannt“, erklärt er. Und königlich werden seine Kunden behandelt. „Wenn sie kommen, werden sie natürlich von uns mit Chauffeur vom Flughafen abgeholt, werden eine Woche bespaßt und bekommen bei uns die Eisenbahnen vorgeführt.“ Dabei sei es egal, ob es Kunden aus Asien, Russland, oder Deutschland sind.

„Es sind wie ich alles große Kinder. Die sehen ein Modell, das Herz geht auf und ein ,Haben wollen‘ steht auf der Stirn geschrieben“, sagt Martin lachend. Seine Kunden seien Menschen, die sich alte Kindheitserinnerungen und ein stressfreies Leben erfüllen wollen. „Einer unserer größten Kunden baut Hochhäuser in Chicago. Er betreut mit 500 Mitarbeitern zwei Projekte, die eineinhalb mal so hoch sind, wie der Frankfurter Messeturm. Der Mann steht täglich unter Vollstrom. Wenn er bei uns ist, fühlt er sich wie im Paradies“, sagt Matthias Martin.

VON OLIVER HAAS

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