Angriff traf Polizei und Feuerwehr ohne Vorwarnung

Dietzenbach: „Das war einfach schrecklich“ - Straßenschlacht im Spessartviertel eskaliert 

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hat es in Dietzenbach im Spessartviertel gebrannt. Als die angeforderte Feuerwehr eintrifft, werden die Einsatzkräfte mit Steinen beworfen.

  • Straßenschlacht im Spessartviertel eskaliert
  • Brennpunkt Dietzenbach: Anwohner sind geschockt 
  • Angriff im Spessartviertel wird öffentlich verurteilt

Dietzenbach – Krähen fliegen zwischen Bäumen umher, landen auf der Wiese und picken im Grünen. Der Geruch nach Verbranntem stört sie nicht. Dennoch meiden sie die Flächen, auf denen der Löschschaum sich weiß abhebt. An den Häusern am Mespelbrunner Weg hatte es in der Nacht von Donnerstag auf Freitag gebrannt. Eine Gruppe von 50 Männern hatte mutmaßlich einen Hinterhalt vorbereitet, um Einsatzkräfte herbeizurufen und sie mit zurechtgelegten Steinen zu bewerfen.

"Einfach schrecklich" - Straßenschlacht im Spessartviertel Dietzenbach

„Das war einfach schrecklich“, erzählt ein Bewohner des Nachbarhauses. Er steht gegenüber einer der Brandstellen. „Die haben mit Steinen und Flaschen von da oben geworfen.“ Er deutet auf das Haus am Mespelbrunner Weg sowie auf das Parkdeck gegenüber. Einige Anwohner und Passanten berichten derweil über Facebook, dass Steine, die sonst an den S-Bahn-Gleisen liegen, von den Parkdecks geworfen worden seien.

Die Randalierer zielten auf Einsatzkräfte der Feuerwehr und Polizei, die um Mitternacht ausgerückt waren, nachdem Augenzeugen einen Kleinbrand im Spessartviertel gemeldet hatten, berichtet Stadtbrandinspektor Michael Plahusch. Ein Bagger stehe in Flammen, hätten Anwohner gemeldet. Kaum seien die Helfer an Ort und Stelle gewesen, seien auch schon die ersten Steine geflogen. Die Einsatzkräfte hätten Verstärkung angefordert, die auch kurz darauf eingetroffen sei. Inzwischen kreiste ein Polizei-Helikopter über dem Geschehen.

Straßenschlacht im Spessartviertel Dietzenbach: Anwohner suchen Antwort

Anwohner aus der näheren Umgebung suchen noch während des Gewaltausbruchs online nach einer Antwort auf die Frage, was da am ehemaligen Starkenburgring (Stabu) geschieht. Besonders Schaulustige trauen sich auf die Straße, teilen das Gesehene in den Facebook-Gruppen: „Der ganze Stabu ist abgeriegelt, überall Polizei. Die rennen hin und her wie die Hühner. Mal rein in ein Haus, dann in den Park, wieder in ein Haus“, schreibt ein Facebook-Nutzer. Andere teilen Fotos und Videos von Polizeiwagen mit blinkendem Blaulicht, von brennenden Containern und dem Bagger in Flammen. Das Chaos auf der Straße elektrisiert, viele Menschen stehen auf ihren Balkonen oder schauen aus den Fenstern. Indes twittert die Dietzenbacher Feuerwehr in Großbuchstaben: „Bitte hört auf, die Einsatzkräfte mit Steinen zu bewerfen!“

"Wir wurden angegriffen" - Feuerwehr im Spessartviertel Dietzenbach

Die freiwilligen Feuerwehrleute waren anfangs von einem normalen Einsatz ausgegangen. „Während des Einsatzes entstand dann ein starkes Wirgefühl“, sagt Plahusch, „denn wir wurden angegriffen.“ Er verdeutlicht aber auch, was für eine Belastung so eine Nacht für die Freiwilligen sein kann. Um zwei Uhr nachts entspannt sich die Situation. Der Hubschrauber wird abgezogen, die Feuer sind gelöscht. Die erste Bilanz: Mehrere beschädigte Einsatzfahrzeuge, ein Schaden in Höhe von 150 000 Euro, drei Festnahmen – und der Schock über eine solche Gewalttat gegenüber denen, die den Menschen nur helfen wollen.

Emotional kommentieren Anwohner und andere Bürger Dietzenbachs, aber auch Gewerkschaften und Politiker die Ereignisse der Nacht. Während einer Pressekonferenz melden sich Jürgen Rogg, Bürgermeister von Dietzenbach, und Erster Stadtrat Dieter Lang zu Wort. Beide zeigen sich betroffen und beziehen mit ernster Miene deutlich Stellung: Sie sprechen von einer Handvoll Krimineller, die die positive Entwicklung eines ehemaligen Problemviertels herunterziehen würden. Die Geschehnisse beeinflussten „die Reputation Hunderter, friedlich zusammenlebender Menschen“, so Lang. Beide Politiker betonen immer wieder, dass es sich bei den Tätern nur um einen kleinen Teil der ansonsten ruhig zusammenlebenden Menschen aus mehr als 80 Nationen handele.

Angriffe im Spessartviertel Dietzenbach werden öffentlich verurteilt

Auch die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft verurteilt die Angriffe. Pressesprecher Tobias Thiele schreibt: „Unsere Rettungskräfte sind da, um Menschen zu helfen, sie kommen als Freund und Helfer. Sie bei der Ausübung ihres Jobs zu behindern oder gar zu bedrohen, muss konsequent durch die Justiz verfolgt werden, solche Straftäter gehören ins Gefängnis.“ Auch Bürgermeister Rogg sagt: „Die Täter gehören weggesperrt.“

Indes wird in Dietzenbach fleißig spekuliert. Es werden Zusammenhänge zu einer großen Zahl beschlagnahmter gestohlener Fahrräder im Spessartviertel oder anderen Kleinbränden gesucht.

Wie es für die Einsatzkräfte weitergeht, die am Tatort waren? „Man muss die Leute bei der Stange halten“, sagt Stadtbrandinspektor Plahusch. Die stellten sich nämlich zunehmend die Frage, warum sie sich eigentlich freiwillig in Gefahr bringen sollten. Er hoffe, dass durch die Schutzmaßnahmen der Stadt seine Männer und Frauen bei der Feuerwehr bleiben. Immerhin hatte Bürgermeister Rogg angekündigt: „Wir sind vorbereitet.“

Gewalt in Dietzenbach: „Wer Einsatzkräfte angreift, gehört in den Knast.“ - ein Kommentar

Rubriklistenbild: © Frank Rumpenhorst

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