Immobilienbetrüger in Ballungsgebieten

Dreiste Profiteure der Wohnungsnot

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Symbolbild

Wiesbaden/Worms - Kaution für eine Immobilie, die gar nicht zu haben ist? Dreiste Betrüger bieten Traumwohnungen im Internet an und fordern sie unter fadenscheinigen Gründen vorab. Von Stephen Wolf und Christian Schultz

Im Rhein-Main-Gebiet, einer Gegend mit hoher Wohnungsnot, zahlen viele vorab – und gehen am Ende leer aus. Der Betrug, auf den der 28 Jahre alte Wormser Nico Fort hereingefallen ist, steht beispielhaft dafür. Das Angebot für ein WG-Zimmer war einfach zu gut. Möbliert, gut gelegen – und günstig. Fort tappte in die Falle. „Der Vermieter war angeblich im Ausland, wir hatten nur telefonisch miteinander zu tun“, erinnert sich der Student, der händeringend eine Bleibe suchte. Er übersandte mehrere hundert Euro Kaution mit Hilfe eines Transferdienstes für Bargeld an den vermeintlichen Vermieter. Den versprochenen Schlüssel sollte er von einer Kontaktperson erhalten, die nicht existierte. Mehr als schöne Fotos vom Zimmer hat er nie gesehen. „Ich war naiv und verzweifelt“, erzählt er.

Fort ist kein Einzelfall, weiß Eva-Maria Winckelmann vom Landesverband des Deutschen Mieterbunds in Wiesbaden. „Wir haben immer wieder mit solchen Fällen zu tun.“ Es sei immer das gleiche Prinzip: Der angebliche Vermieter sitze im Ausland, die Betrüger wechselten ganz schnell ihre Anschriften und Kontaktdaten, und das Geld sei futsch. „Gerade dort, wo der Wohnungsmarkt eng ist, stürzen sich die Menschen auf günstige Angebote“, klagt Winckelmann.

Eine Kaution solle erst bezahlt werden, wenn man sicher sei, dass am Ende eine reale Person mit realer Anschrift stehe, rät Winckelmann. Die Kaution falle üblicherweise auch erst an, wenn ein Mietvertrag vorliege. Und Bar-Kautionen gingen in der Regel auch auf eigene Kautionskonten und nicht auf das des vermeintlichen Vermieters.

Manche Betrüger nehmen im Schutz des Internets Identitäten realer Personen an, die in Suchmaschinen zu finden sind. Das erhöht die Glaubwürdigkeit. Zur Überprüfung empfiehlt Winckelmann vom Deutschen Mieterbund in Hessen, einen Blick ins Grundbuch zu werfen. Über einen Anwalt, Notar oder Mieterverein gehe das gegen geringe Gebühr recht schnell, auch selbst sei es beim zuständigen Amtsgericht möglich.

Bevorzugt legen Betrüger ihre Köder auf Internetportalen für Wohnungssuchende aus. Betreiber solcher Portale versuchen, entsprechend gegenzusteuern. „Wir sind uns der Verantwortung bewusst“, sagt Eve-Marie Röseler, Sprecherin des Wohnungsportals Immobilien Scout, das die Internetseite Immobilienscout24 betreibt. Mitarbeiter sichten regelmäßig Inserate und prüfen sie auf verdächtige Merkmale.

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Auch Rechner durchsuchen Anzeigen nach bestimmten Mustern. Im Zweifelsfall werde die Anzeige gesperrt. Röseler zufolge gibt es pro Woche etwa 250 Hinweise auf mögliche Betrugsobjekte. Nicht selten tauche dasselbe Inserat mehrfach auf.

Vorsicht sei geboten, wenn ein Vermieter auf Vorkasse besteht, mahnt Ulrich Ropertz, Geschäftsführer des Deutschen Mieterbunds auf Bundesebene. Doch was tun, wenn das Geld weg ist? „Ist es überwiesen, gibt es kaum Chancen, es zurückzubekommen“, sagt er. Nico Fort hat sich, nachdem der Betrug aufgeflogen ist, an die nächste Polizeistelle gewandt. „Die Polizisten sagten, es gibt kaum Erfolgschancen“, erinnert er sich. Es habe geheißen, die Ermittlungen seien sehr schwierig, weil es keinen Kontakt von Angesicht zu Angesicht gegeben habe und die Gegenseite im Ausland gewesen sei.

Wie oft Immobilienbetrüger Erfolg haben, ist statistisch nicht erfasst. Sie werden den „klassischen Betrugsdelikten“ zugeordnet, wie ein Sprecher des LKA in Hessen erklärt. (dpa)

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