Lesung ohne viel Lesung

Ego-Show: Stuckrad-Barre in der Batschkapp

Frankfurt - Im Grunde sollte an dieser Stelle folgendes Zitat genügen: „Ich kann die Berichterstatter und ihre Verrisse schon hören. Aber was übermorgen im Packen Altpapier unter den Fußmatten Sterbender liegt, is' mir scheißegal. Fuck you!“ Okay.

Benjamin von Stuckrad-Barre im März 2016 beim Literaturfestivals Lit.Cologne.

Ehrlicherweise ist der Zappel-Popliterat Benjamin von Stuckrad-Barre viel zu komisch, viel zu provokant, ja, viel zu nervig, um nicht über ihn zu schreiben. Bester Beweis war sein Auftritt am Montag in der Batschkapp Frankfurt. Eigentlich eine Veranstaltung zu „Remix 3: Ich glaub, mir geht’s nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen“. Uneigentlich eine Lesung ohne viel Lesung. Dafür mit umso mehr Stand-up-Comedy und Auftritten von Sänger Clueso.

Passend zum DJ-Titel der Textsammlung scratcht „Stucki“ zweieinhalb Stunden durchs Buch und legt wild aus seinem Leben auf. Eine hyperaktive Ego-Show mit selbstreflexivem Zynismus und gepflegtem Hass gegen so ziemlich alles: Nazis, den Musikpreis Echo, Bettina Böttinger, Helene Fischer, Gröler im Publikum, die Übersetzerin von Donald-Duck-Heften, Berlin. Dazwischen übergießt er seinen Beschützer Udo Lindenberg mit Anekdoten, erhebt Clueso zum „wichtigsten Musiker seiner Generation“ und raucht acht Zigaretten.

Wer eine Lesung erwartet hat, wird vom Gedanken-Remix überfordert. Wer unterhalten werden wollte, wird’s. Der 43-Jährige ist halt der Rockstar der deutschen Gegenwartsliteratur. Und Rockstars dürfen ja bekanntlich alles. Auch gegen Zeitung pöbeln. Ist zwar kein Verriss geworden, lesen musst du’s trotzdem nicht, Stucki. (eml)

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Rubriklistenbild: © dpa

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