Kampf gegen Terroristen und Gewalt im Alltagseinsatz

Elektroschocker und Sturmgewehr: Hessens Polizei rüstet auf

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Das Distanzelektroimpulsgerät, genannt Taser, im Einsatz. Zu erkennen ist der stromführende Draht der Waffe.

Wiesbaden - Die Bedrohungslage ist in Hessen wie in ganz Europa weiter hoch. Das Land investiert daher weiter in die Ausrüstung und Bewaffnung der hessischen Polizei. Auch die Streifenpolizisten bekommen zusätzliche Möglichkeiten. Von Bernd Glebe

Schüsse krachen, scharfe Kommandos hallen durch die Luft, dann liegen die drei Terroristen gefesselt am Boden – nur wenige Augenblicke dauert der Einsatz der Polizei bei dem simulierten Einsatz gegen islamistische Gefährder in der hessischen Polizeiakademie. Die vermummten Gestalten sind überwältigt, entwaffnet, medizinisch erstversorgt und abgeführt. Extra für solche Bedrohungslagen geschulte Spezialisten sind gestern in Wiesbaden am Werk. Sie gehören zu den Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten der Bereitschaftspolizei und sind neuerdings auch mit G36-Sturmgewehren ausgestattet.

Der Kauf der Gewehre ist ein Teil des Maßnahmenpakets von Innenminister Peter Beuth (CDU), das nach dem Anschlag auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ auf den Weg gebracht wurde. Dazu zählen neben der Anschaffung von weiteren 1 500 leistungsstarken Gewehren für die Polizei auch stichsichere Schutzwesten. Weitere Neuerungen bei den Ordnungshütern sind ein Pilotprojekt zum Einsatz von Drohnen bei der Polizeifliegerstaffel sowie ein neuer Messengerdienst für die Beamten per Smartphone und Tablet und die landesweite Einführung von Elektroschockern.

Diese Taser sollen wie zunächst auch die Drohnen nicht bei der Terrorbekämpfung eingesetzt werden, sondern vorrangig bei Überfallkommandos und in Innenstadtrevieren. „Für uns ist das aber ein sehr wichtiges Einsatzmittel“, erklärt André Winkel vom Polizeipräsidium Frankfurt. „Der Taser schließt eine Lücke zwischen Pfefferspray und Schlagstock bis zum Schusswaffengebrauch.“ Hessen ist nach Berlin und Rheinland-Pfalz das dritte Bundesland, das auf Taser setzt.

Bei seinem Einsatz kann der Polizist mit den gelben Elektroschockern aus einer Distanz von bis zu 7,5 Metern auf den Verdächtigen mit Draht verbundene Pfeile schießen. Ein Leuchtpunkt auf dem Körper der Zielperson zeigt die Trefferstelle an. Dazu surrt die Ladung mit Strom. Der Pfeil dringt etwa 1,5 Zentimeter tief in die Haut ein. Über den Draht wird ein schwacher Stromimpuls von 1,3 bis 2,9 Milliampere mit der hohen Spannung von 50 000 Volt abgegeben.

Der Strom wirkt sich unmittelbar auf Nerven und Muskeln aus, was für mehrere Sekunden eine völlige Handlungsunfähigkeit bewirkt. „Der Getroffene bricht in sich zusammen“, erklärt Hauptkommissar Winkel. Zwei Kartuschen können abgeschossen werden. Die Einsatzkräfte setzen auch auf die abschreckende Wirkung des sogenannten Distanzelektroimpulsgerätes. Die Taser sollten zwar nicht an jeden Beamten verteilt werden, berichtet Beuth bei der Präsentation in der Polizeiakademie. Die Elektroschocker werden aber künftig in jedem Polizeipräsidium in Hessen rund um die Uhr zur Verfügung stehen.

Mit dieser Ausrüstung kämpft unsere Bundeswehr

Applaus für die landesweite Einführung der Taser kommt auch von der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Gerade vor dem Hintergrund von zunehmender Gewaltbereitschaft und Angriffen auf Polizisten sei der Elektroschocker ein positiver Beitrag für mehr Sicherheit für die Beamten, sagt Vize-Landeschef Jens Mohrherr. Nach Angaben des Gewerkschafters gab es im Vorjahr bundesweit 64 000 und in Hessen über 3 000 Angriffe auf Polizisten. Zum Einsatz kommen soll der Taser nicht bei Demos oder Fußballspielen, sondern vorrangig in für die Polizei kontrollierbaren Situationen.

Auf seiten der SPD-Landtagsfraktion wird keine inhaltliche Kritik am Einsatz der Elektroschocker laut. Die Sozialdemokraten bemängeln allerdings die Informationspolitik des CDU-Innenministers: Statt die Abgeordneten und den Innenausschuss des hessischen Landtag oder wie in Rheinland-Pfalz den Mainzer Landtagspräsidenten über die Ergebnisse der Testphase in Frankfurt und Offenbach zu informieren, wähle der Innenminister wie so oft zuerst den Weg in die Öffentlichkeit. (dpa)

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