Notfallpläne und Wartelisten

So gehen Kommunen der Region mit großem Bedarf an Erzieherinnen um

Offenbach - Hochfliegende Pläne zur Kinderbetreuung drohen in Offenbach an der Realität zu scheitern: Gertrud Marx, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, sieht das Problem als hausgemacht an. Von unseren Redaktionen

„Für die bessere Betreuung an den Kitas müssen wir an den Kern des Problems heran: Warum wollen immer weniger Menschen Erzieher werden, und warum ist besonders in Offenbach die Lage so angespannt?“ In der Vergangenheit sei zu vielen Erziehern nur ein befristeter Vertrag angeboten worden, konstatiert Marx.

Der Personalmangel an Kindertagesstätten ist in Hainburg laut Bürgermeister Alexander Böhn (CDU) ein „latentes Problem“. Ende November berichtete Böhn, dass mit Ausnahme des evangelischen Kindergartens am Kiefernhain an allen Einrichtungen Erzieher fehlen und deshalb knapp ein Dutzend offene Plätze nicht an Kinder vergeben werden können. Auf „Gehaltskriege“ wolle sich Hainburg jedenfalls nicht einlassen.

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In der Stadt Rödermark sind neun der insgesamt 110 Erzieherstellen laut Sozialdezernent Jörg Rotter (CDU) nicht besetzt. Deshalb blieben zwölf U3-Plätze notgedrungen frei. In der 2016 eröffneten „Villa Kunterbunt“ musste die Stadt im November 2017 einen Notfallplan in Kraft setzen – den ersten in ihrer Geschichte. In Abstimmung mit dem Kreis wurden unter anderem die Öffnungszeiten der Kita reduziert und Teilzeitkräften das Stundenkontingent erhöht.

„Erzieher werden immer gebraucht“, sagt Kerstin Waschbüsch, Fachbereichsleiterin Jugend und Soziales bei der Gemeinde Mainhausen. Die größte Herausforderung sei es derzeit, nach der Erweiterung der Kita Panama im Ortsteil Mainflingen in diesem Jahr um zwei Gruppen sechs bis acht Erzieherinnen zu finden. Ebenfalls schwierig sei es, Ersatz für schwangere Mitarbeiterinnen zu bekommen.

„Es ist schwieriger geworden, qualifizierte Erzieherinnen zu finden“, sagt Sabine Hooke, Sprecherin der Stadt Rodgau. „Frei gewordene Stellen können wir in der Regel mit einer Verzögerung von drei bis sechs Monaten wieder besetzen.“ Von einem dramatischen Mangel könne jedoch keine Rede sein. „Es gibt bei uns keinen Aufnahmestopp, aber es kann zu Verzögerungen kommen. Nicht jeder Wunschtermin lässt sich erfüllen.“ Dabei handele es sich um Einzelfälle, nicht um ein generelles Problem. Die 210 Fachkräfte in den 14 Kitas erhalten das normale Tarifgehalt. Um junge Erzieherinnen zu halten, bietet die Stadt allen Anerkennungspraktikanten nach erfolgreichem Abschluss eine unbefristete Stelle an.

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Die Stadt Hanau hat die Personalakquise verstärkt, um dem Erziehermangel entgegenzuwirken. etwa durch zusätzliche Werbung in Bussen. Weiterhin will die Stadt das bestehende Personal über innovative Ausbildungsmodelle, gezielte Nachwuchsförderung im Sozial- und Erziehungsdienst binden. Geringere Gruppengrößen, eine Personalausstattung über den gesetzlichen Vorgaben, Fortbildung und beispielsweise die Freistellung der Kita-Leitung sollen zur Attraktivität der Arbeitsplätze beitragen.

In Langen sind derzeit fast alle Stellen besetzt – „lediglich für drei Vollzeitstellen im U3-Bereich suchen wir noch Erzieherinnen“, sagt Magistratssprecher Roland Sorger. Erfreulich sei die geringe Fluktuation. Langen bezahlt etwas besser als vorgeschrieben; die Kommunalpolitiker hatten vor einiger Zeit beschlossen, dass eine Entlohnung nach Tarif 8b (statt 8a) erfolgt. Positiv komme bei den Erzieherinnen auch an, dass die Langener Kitas keine Schließzeiten in den Ferien haben, sie also nicht zwingend Urlaub in den Schulferien nehmen müssen. Auffällig sei die rückläufige Zahl der Praktikantinnen; welche Auswirkungen das zukünftig haben werde, könne aber noch nicht gesagt werden.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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