Bedarf steigt weiter – Ausbildungszahlen stagnieren

Erzieherinnen in der Region dringend gesucht

Offenbach - Die Situation der Betreuung in hessischen Kindertagesstätten hat sich vielerorts nicht verbessert. Nach Ansicht von Experten wird sich die Personalsituation angesichts eines leer gefegten Jobmarkts, stagnierender Ausbildungszahlen und tausender Fachkräfte, die in den Ruhestand gehen, weiter zuspitzen. Von unseren Redaktionen

 

Überall in Rhein-Main ist die Klage zu hören: Viele Stellen in Kitas können nicht besetzt werden, weil es an Erziehern fehlt. Kita-Experte Marek Körner sieht dringenden Handlungsbedarf in der Ausbildung, bei der Bezahlung und den Arbeitsbedingungen für Erzieher. Der Fachberater Kindertageseinrichtungen beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Hessen warnt zugleich vor einer Verschärfung der Situation. Seit 2010 sei der Ersatzbedarf nicht mehr regulär zu decken.

Deutlicher spürbar werde die Misere in fünf Jahren. Bis dahin gingen in Hessen Tausende in den Ruhestand, deshalb müssten Nachfolger gefunden werden. Und das trotz schlechter Ausgangslage.

Körner: „Seit 2014 pendelt sich die Zahl der Absolventen der Fachschulen in Hessen bei etwa 2000 auf gleichem Niveau ein, obwohl der Ausbau des Betreuungssystems in der Rhein-Main-Region, insbesondere durch U3-Angebote, stets voranschreitet.“

Die hohen Mieten in der Region schrecken nach Angaben des Kita-Experten viele ausgebildete Fachkräfte aus ländlichen Gebieten ab. Für Körner steht fest: „Die wachsende Geburtenzahl und die Zuwanderung sowie die gestiegenen Betreuungswünsche der Eltern werden einen weiteren Fachkräftebedarf forcieren.“

Der Arbeitsmarkt in Hessen ist leer gefegt: Nach Angaben der Agentur für Arbeit stehen 588 Arbeitssuchenden 747 offene Stellen gegenüber. Städte und Gemeinden in der Region liefern sich seit geraumer Zeit einen regelrechten Konkurrenzkampf um qualifiziertes Personal. Wer es sich leisten kann, ködert Fachkräfte mit übertariflicher Bezahlung und zusätzlichen Leistungen – die Stadt Frankfurt bietet beispielsweise Hilfe bei der Wohnungssuche an. Der Rödermarker Sozialdezernent Jörg Rötter (CDU) richtet vor diesem Hintergrund einen dramatischen Appell an seine kommunalen Kollegen: „Der Tarifvertrag muss eingehalten werden. Es darf keine Bezahlung nach Kassenlage geben!“

Bilder: Erzieherinnen demonstrieren in Rodgau

„Auch in Hanau ist der Fachkräftemangel spürbar und stellt die Stadt vor große Herausforderungen“, berichtet Stadtsprecher Joachim Haas-Feldmann. Stellenweise stagniere dadurch der Ausbau der Kindertagesstätten. In Offenbach droht deswegen der Ausbau des Betreuungsangebotes zu scheitern. In der neuen Kita „Am Hafen“ sollte eine Langzeitgruppe mit Betreuungszeiten von 6 bis 22 Uhr entstehen. Mangels Personal steht das Projekt auf der Kippe.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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