Heimatstadt setzt Zeichen

Gedenken an den inhaftierten Yücel

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Teilnehmer einer Mahnwache halten im April 2017 vor der Stadthalle Schilder mit der Aufschrift "#FreeDeniz" und dem Porträt des in der Türkei inhaftierten deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel in den Händen.

Flörsheim - Mit einer Mahnwache vor der Stadthalle wollen die Flörsheimer ein Signal an Deniz Yücel senden. Der Journalist sitzt seit einem Jahr ohne Anklage in der Türkei im Gefängnis. Seine Heimatstadt will ihm zeigen, dass er nicht alleine und nicht vergessen ist.

Vor einem Jahr wurde der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel in der Türkei festgenommen, seitdem sitzt er in Istanbul hinter Gittern. Seine Heimatstadt Flörsheim am Main erinnert regelmäßig an das Schicksal des 44-Jährigen. Auch heute soll es eine Mahnwache vor der Stadthalle geben (17.30 Uhr). Die Inhaftierung Yücels, des Korrespondenten der Berliner Zeitung "Die Welt", gehört derzeit zu den größten Belastungen im deutsch-türkischen Verhältnis.

In Flörsheim leben Yücels Eltern und seine Schwester. Einmal im Monat versammeln sich in der südhessischen 20.000-Einwohner-Stadt vor der Stadthalle Dutzende von Menschen, um gegen die Inhaftierung zu protestieren. Yücel sei quasi in Geiselhaft genommen worden und es gehe darum zu zeigen, dass man damit nicht einverstanden sei, sagte Stadtsprecher Andreas Wörner. Zugleich sei es wichtig, dem Inhaftierten selbst ein Zeichen zu geben, dass er nicht alleine und nicht vergessen sei.

Heute soll es mehrere Redebeiträge geben. Angekündigt sind nach Angaben der Stadt der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Frank Überall, sowie SPD-Landtagsfraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel, Linken-Fraktionschefin Janine Wissler und Jürgen Frömmrich von den Grünen.

Yücel war heute vor einem Jahr in Istanbul festgenommen worden, er stellte sich freiwillig der Polizei. Kurz darauf war Untersuchungshaft gegen ihn verhängt worden. Bis heute hat die Staatsanwaltschaft keine Anklageschrift vorgelegt. Bundesregierung und Bundespräsident haben wiederholt die Freilassung Yücels verlangt. Dem Journalisten wird "Terrorpropaganda" und die "Aufwiegelung der Bevölkerung" vorgeworfen. Amnesty International nannte die Inhaftierung Yücels ohne Anklage einen Verstoß gegen die Menschenrechte und verlangte mehr internationales Engagement.

Autokorso für inhaftierten Journalisten

In Berlin ist heute neben einem Autokorso eine Buchvorstellung geplant. "Wir sind ja nicht zum Spaß hier" lautet der Titel des Buches, in dem sich auch Texte des Journalisten befinden, die er aus der Haft schmuggeln konnte. Insgesamt befinden sich sechs Bundesbürger aus politischen Gründen in türkischer Haft. (dpa)

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