Oper „Schönerland“ erlebt Uraufführung in Wiesbaden

Vom Flüchten und vom Ankommen

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Um Fremdsein und Heimat geht es in der Oper „Schönerland“ von Søren Nils Eichberg, die morgen am Staatstheater Wiesbaden zu sehen ist.

Wiesbaden - Die gute alte Tante Oper kann sich voll auf der Höhe unserer Zeit bewegen. Wenn man sie lässt, so wie morgen im Staatstheater Wiesbaden. „Schönerland“ erlebt dort seine Uraufführung im Kleinen Haus. Von Axel Zibulski

Søren Nils Eichberg, 1973 in Stuttgart geborener, teils in Dänemark aufgewachsen, erhielt vom Hessischen Staatstheater vor zwei Jahren den Kompositionsauftrag, als zahlreiche Flüchtlinge Deutschland erreichten.

Um Vertreibung und Heimat geht es entsprechend in den zehn Szenen dieser vierten Oper des in Berlin lebenden Komponisten. Sie spielt im Libretto von Therese Schmidt an einem nicht näher bestimmten Ort. So treten auf der einen Seite Flüchtende auf; sie heißen Saida, Omid oder einfach „der Syrer“, stehen also realen Menschen ausdrücklich nahe.

Zugleich gibt es mit einer weiteren Gruppe ein künstlerisches, auch verfremdendes Moment. Denn im Bühnenraum der Inszenierung von Johanna Wehners, für den Ausstatter Volker Hintermeier große Schiffscontainer oder schiefe Ebenen errichtet hat, treten auf: ein Intendant, eine Dramaturgin, ein Komponist.

Inwiefern sie selbst Teil des Spiels werden, ob sie die Identifikation des Publikums mit dem Stück erleichtern und warum sie plötzlich selbst von Schleppern abgewiesen werden, sind Fragen, die sich nach der Lektüre stellen. Und auf die vielleicht erst die Uraufführung Antworten gibt.

Dass Eichberg ein Gegenwartskomponist ist, der nicht vom Elfenbeinturm aus dem Publikum Unverständliches predigt, hat er mit seiner Oper „Glare“ bewiesen, die in London uraufgeführt wurde und am Theater in Koblenz lief. Techno-Anklänge, aber auch Singbares machten das Stück dort zum Publikumserfolg.

Für gesteigertes Interesse könnten in „Schönerland“ einige in der Region bestens bekannte Solisten sorgen: Mit Britta Stallmeister übernimmt eine Sopranistin die Gesangsrolle der Dramaturgin, die bis 2015 Ensemblemitglied der Oper Frankfurt war. Thomas de Vries, Darsteller des Alberich im aktuellen Wiesbadener „Ring des Nibelungen“, gibt den Intendanten. Die Griechin Eleni Calenos debütiert als Flüchtling Saida. Stark gefordert ist der Opernchor; Albert Horne, dessen Wiesbadener Direktor, dirigiert daher auch die Uraufführung.

„Schönerland“, Uraufführung morgen um 19.30 Uhr im Kleinen Haus des Staatstheaters Wiesbaden. Weitere Vorstellungen am 29. September sowie am 3., 8., 14. und 19. Oktober

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