Lohnlücke in Offenbach am kleinsten

Studie „Hessischer Lohnatlas“: Frauen verdienen immer noch weniger

Frankfurt - Frauen verdienen immer noch weniger Geld als Männer. Besonders auf dem Land sind die Einkommensunterschiede gravierend, heißt es im "Hessischen Lohnatlas", der heute vorgestellt wurde.

Danach bekommen Frauen in einer Vollzeitstelle durchschnittlich 14,1 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Besonders schlecht sieht es für Frauen im Kreis Hersfeld-Rotenburg aus. Dort verdienen sie 23,4 Prozent weniger als Männer. Auch im Kreis Waldeck-Frankenberg (23,3 Prozent) und im Schwalm-Eder-Kreis (23,1 Prozent) ist der Unterschied enorm. Die mit Abstand geringste Differenz gibt es hingegen in der Stadt Offenbach. Dort beträgt die Lohnlücke lediglich 2,3 Prozent. Auf dem zweiten Platz liegen Frankfurt (8,1 Prozent) und Wiesbaden (10,4 Prozent). „Die Bewertung von Arbeit muss sich an der Leistung und nicht am Geschlecht orientieren“, kritisierte Sozialminister Stefan Grüttner (CDU).

Das Ministerium hatte die 40.000 Euro teure Studie beim Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Frankfurter Goethe-Universität in Auftrag gegeben. „Der Lohnatlas leistet einen wesentlichen Beitrag dazu, bestehende Lohnlücken zu schließen“, begründete der Minister den Vorstoß. Die großen regionalen Abweichungen sind nach Angaben der Autoren vor allem auf die unterschiedlichen Strukturen des Arbeitsmarktes zurückzuführen. So gebe es in ländlichen Regionen wegen der meist kleineren Betriebe in der Regel auch weniger Frauen in Führungspositionen, sagte IWAK-Geschäftsführerin Christa Larsen.

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Auch Staatsangehörigkeiten, Qualifikationen und Branchen seien wichtige Einflussfaktoren. Nach Angaben des Sozialministeriums ist Hessen derzeit das einzige Bundesland, das einen „Lohnatlas“ herausgibt. Ausgewertet wurden darin die Daten aller sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen und Männer in Vollzeit aus dem Jahr 2015. Grundlage sind Berechnungen des Statistischen Bundesamtes für sämtliche 26 Kreise und kreisfeien Städte. Honorare oder Gagen, wie sie etwa hochbezahlte Privatärzte oder Juristen erhalten, sind nicht berücksichtigt.

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Der DGB Hessen-Thüringen kritisierte die Studie, weil nur Daten für Beschäftigte in Vollzeit ausgewertet wurden. Der Abteilungsleiter Kai Eicker-Wolf forderte von der Landesregierung konkrete Schritte, „um zu einer Beseitigung der Lohnungleichheit zu gelangen.“ Erste Ergebnisse des Berichts waren bereits Mitte März veröffentlicht worden. In Westdeutschland verdienen Frauen im Schnitt rund 17 Prozent weniger als Männer. (dpa)

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