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„Wir waren schockiert“: Familie sauer über teure Taxifahrt für Rollstuhlfahrerin

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Von: Daniel Seeger

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Ärgerten sich über den hohen Preis für eine Taxifahrt: von links Natascha Budnick, Heidi Wenisch und Caroline Budnick mit ihrem Vater Stefan Budnick aus Fritzlar vor dem St. Elisabeth Seniorenstift.
Ärgerten sich über den hohen Preis für eine Taxifahrt: von links Natascha Budnick, Heidi Wenisch und Caroline Budnick mit ihrem Vater Stefan Budnick aus Fritzlar vor dem St. Elisabeth Seniorenstift. © Daniel Seeger

Eine Rollstuhlfahrerin aus Fritzlar zahlt für zwei Taxifahrten durch die Stadt viel Geld. Zu viel? Der Taxiunternehmer kann den Preis begründen.

Fritzlar – „Wir waren schockiert, als wir erfahren haben, was die Fahrten kosten sollen“, sagt Stefan Budnick. 60 Euro für eine Wegstrecke von insgesamt unter vier Kilometern sollte seine ehemalige Nachbarin Heidi Wenisch zahlen – vom St. Elisabeth Seniorenstift bis zum Haus von Budnick und seiner Familie in der Breslauer Straße in Fritzlar (Schwalm-Eder-Kreis) und zurück. Pro Fahrt 30 Euro, das machte die Budnicks stutzig und sie meldeten sich bei der HNA.

Das Besondere: Heidi Wenisch ist wegen einer schweren Behinderung auf einen Rollstuhl zur Fortbewegung angewiesen. Allein kann die 64-Jährige die Strecke bis in die Breslauer Straße nicht bewältigen – auch nicht mithilfe der Familie Budnick, deren Auto zu klein sei. „Sie ist unsere ehemalige Nachbarin. Wir verstehen uns gut und treffen uns noch oft“, sagt Natascha Budnick, die sich wie ihr Mann über die hohen Kosten ärgert.

Taxi: Regulärer Preis für Rollstuhlbeförderung in Fritzlar (Schwalm-Eder-Kreis)

„Wir würden Heidi gern öfter einladen, aber wenn es so teuer ist, können wir uns das nur zu besonderen Anlässen leisten“, sagt die 32-Jährige. Hinzu komme, dass das Taxi auf der Hinfahrt verspätet gewesen sei. Auf der Rückfahrt habe aber dann alles geklappt. „Wir haben die Rechnung dann übernommen, aber regelmäßig geht das natürlich nicht“, sagt Stefan Budnick. Für Heidi Wenisch sind solche Kosten eine große Hürde, die ihre ohnehin eingeschränkte Mobilität noch weiter beschneiden.

Taxiunternehmer Jens Marggraf versichert, dass hier alles mit rechten Dingen zugegangen ist, und hat auch eine Erklärung dafür, wie der Betrag zustande gekommen ist. Der Grund für den erhöhten Tarif: „Die Fahrzeuge, die für den Transport von Rollstühlen ausgelegt sind, sind erheblich teurer“, erläutert Marggraf. Krankenkassen würden für solche Fahrten Pauschalen in ähnlichen Höhen an Taxiunternehmen zahlen.

Taxiunternehmer aus Fritzlar (Schwalm-Eder-Kreis): „Wir haben große Probleme, Fahrzeuge zu besetzen“

„Wir versuchen, unseren Kunden entgegenzukommen, so gut es geht“, so der Unternehmer weiter. Bei Rollstuhlfahrern, die sich selbst umheben können und deren Rollstuhl zusammenklappbar ist, berechne man die ganz normalen Taxigebühren, die von den Kommunen festgelegt werden. In Fritzlar sind das 3,80 Euro Grundgebühr sowie 2,20 Euro für jeden gefahrenen Kilometer (tagsüber). Über die Kosten, auch für Krankenfahrten, kläre das Unternehmen im Vorfeld auf.

Auch wenn die Kosten für manche Kunden hoch erscheinen mögen, die Taxibranche stehe laut Marggraf sehr unter Druck. Neben den gestiegenen Kosten sei insbesondere mangelndes Personal ein Problem. „Wir haben große Probleme, unsere Fahrzeuge zu besetzen.“ Höhere Löhne zu zahlen, sei angesichts der derzeitigen Situation schwierig.

Dazu kämen immer wieder Ausfälle durch Corona. Daher könne es auch gelegentlich zu längeren Wartezeiten kommen. „Weil wir Standorte in mehreren Kommunen haben, versuchen wir alles so gut es geht aufzufangen – ich kann im Augenblick aber nichts garantieren.“ Bei Fragen oder Beschwerden stehe er den Taxikunden zur Verfügung. (Daniel Seeger)

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