Verbrecher haben meist Bäume im Visier

Der Wald als Tatort: Geklautes Holz und versteckte Leichen

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Auf der Suche nach einem vermissten Kind durchkämmten Polizisten 2005 ein Waldstück bei Hülsa (Schwalm-Eder-Kreis).

Frankfurt - Wer in den Wald geht, trifft vielleicht noch im Taunus auf Räuber. Zumindest auf Bildern des berühmt-berüchtigten „Schinderhannes“. Der legendäre Verbrecher wurde dort Anfang des 19. Jahrhunderts geschnappt. Heutzutage dient der Wald vergleichsweise selten als Tatort von Straftaten. Für Versuche, diese zu verdecken, schon eher.  Von Carolin Eckenfels

„Auch dank moderner Technik wäre eine Räuberbande von der Polizei heute schnell gefunden“, sagt Christoph Schulte, Sprecher des Landeskriminalamts, mit Blick auf die alten Räubergeschichten. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 375.632 Straftaten in Hessen bekannt, auf den Tatort Wald entfielen nur 966 Delikte. Einfacher Diebstahl führt die Statistik mit 157 Fällen an. Mit Abstand folgen Sachbeschädigung (52), vorsätzliche Brandstiftung (47) und unerlaubter Umgang mit Abfällen (46).

Zu Gewaltverbrechen wie Raub oder räuberischer Erpressung kam es zehnmal, zu sexuellen Übergriffen – von Belästigung bis Nötigung – 17-mal. Die Polizei registrierte zudem zwei überfallartige Vergewaltigungen. Auch 24 Fälle von gefährlicher Körperverletzung wurden bekannt. Die Diebe hatten es vor allem auf Nutz- oder Brennholz (97 Fälle) abgesehen. Meist ging es um bereits geschlagene und gestapelte Baumstämme, wie eine Sprecherin von Hessen Forst berichtet. Die Dunkelziffer sei deutlich höher.

Wilderer schritten in 25 Fällen zur Tat. Der vermeintliche Schutz der Wälder rief zudem 28 Mal Exhibitionisten auf den Plan, außerdem Kiffer und andere Drogenkonsumenten sowie Dealer. Zwischen Eichen und Buchen wuchsen auch einige Rauschpflanzen heran: Die Polizei zählte neun Fälle des illegalen Drogenanbaus.

Einen kuriosen Fund machten Spaziergänger im Jahr 2009: Sie entdeckten im Wald bei Wehrheim und Weilmünster rund 2000 Briefe und andere Postsendungen, die dort ein Briefträger abgeladen haben soll. Im Juni 2015 ließ der Entführer des behinderten Sohns von Unternehmer Reinhold Würth sein Opfer angekettet an einem Baum in einem Wald bei Würzburg zurück. Der Kidnapper hatte den damals 50-Jährigen im osthessischen Schlitz entführt. Der mutmaßliche Entführer wurde im März in Offenbach gefasst.

Warum der Pfälzerwald seinem Namen alle Ehre macht

Ein Pilzsammler war es, der im vergangenen September im Viernheimer Wald die sterblichen Überreste eines Babys entdeckte. Viel mehr fanden die Ermittler auch von der acht Jahre alten Johanna nicht. Ein heute 42-Jähriger, der derzeit wegen Mordes vor dem Gießener Landgericht steht, soll das Mädchen im September 1999 getötet und es dann in einem Wald bei Alsfeld im Vogelsberg abgelegt haben. Erst im Frühjahr 2000 wurde Johannas Leiche gefunden.

Über die sich anschließenden schwierigen Untersuchungen hat der Gießener Rechtsmediziner Manfred Riße dem Landgericht berichtet. Bei einem Leichenfund im Wald müsse man einige Besonderheiten beachten: „Im Wald gibt es viele Tiere, und die können für Veränderungen am Leichnam sorgen“, sagte Riße. „Ameisen etwa verursachen durch ihre Säure kleine, kommaförmige und schwarze Hautveränderungen. Wenn diese am Hals sind, können sie wie Würgemale aussehen.“ Ein erfahrener Rechtsmediziner erkenne das aber sofort. (dpa)

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