Geschäftsführer von Lotto Hessen, Heinz-Georg Sundermann, im Interview

Kaum Kontrollen über Spielhallen

Wiesbaden - Es sind beeindruckende Zahlen, die Lotto Hessen im Geschäftsbericht 2015 vorlegt, während andere Lottogesellschaften in Deutschland sich mit deutlich mageren Umsätzen zufrieden geben mussten.

Warum das so ist, in der Wiesbadener Lottozentrale aber trotzdem keine Euphorie aufkommt, hat Geschäftsführer Heinz-Georg Sundermann unserer Redakteurin Angelika Dürbaum erklärt.

Wie erklären Sie sich die guten Zahlen? Sind die Hessen spielfreudiger als der Rest der Republik?

Es ist richtig, Lotto Hessen konnte im vergangenen Jahr eine deutlich höhere Umsatzsteigerung erzielen als der bundesweite Trend. Das hat mehrere Gründe. Zum einen sehen wir, dass im hessischen Ballungsgebiet Rhein-Main bei hohen Jackpots sehr viele Gelegenheitstipper ihr Glück versuchen, eben zusätzlich zu den Stammspielern. Zum anderen haben wir in den vergangenen Jahren deutlich intensiver als die anderen Landeslotteriegesellschaften konsequent unsere Services für den Kunden ausgebaut und auch viele attraktive und innovative Produkte auf den Markt gebracht, die eine neue Zielgruppe ansprechen. Auch in diesem Jahr wird das sicher wieder den Ausschlag nach oben ausmachen. Nehmen Sie nur die im April gestartete Umweltlotterie GENAU. Hier wird jede Woche neben dem garantierten Hauptgewinn auch noch ein Zusatzgewinn von 5 000 Euro für ein Umweltprojekt im Gewinnerlandkreis ausgeschüttet, 52-mal im Jahr. Das lesen die Leute dann auch in ihrer lokalen Zeitung und freuen sich, dass Nistplätze für Störche, Lehrteiche für Kinder, Generationengärten und grüne Klassenzimmer in ihrer Nachbarschaft entstehen – und tippen mit, weil sie genau das unterstützen möchten und selbst gewinnen können. Außerdem entwickeln wir beispielsweise auch stetig neue Online-Games im Internet und nehmen aktuelle Trends auf, um im Bereich der Rubbellose attraktive Angebote zu machen.

Trotz der sehr guten Zahlen sind Sie unzufrieden und üben harsche Kritik an der Politik. Warum?

Lotto-Geschäftsführer Heinz-Georg Sundermann.

Hierbei muss man differenzieren. Meine Kritik richtet sich in erster Linie an die Ministerialbürokratie, genauer, das bundesweit agierende, sogenannte Glücksspielkollegium der Länder. Also an die, die politischen Willen umsetzen, aber ihn aus meiner Sicht in unserem Bereich entgegen der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes völlig falsch interpretieren. Denn die Glücksspielaufsichten üben sich nur permanent darin, durch überbordende und allein für staatliche Lotteriegesellschaften geltende Auflagen das Angebot des Deutschen Toto- und Lottoblocks möglichst unattraktiv zu gestalten. Außerdem haben wir in Deutschland kein kohärentes Recht im Glücksspielbereich. Glücksspielrecht ist kein allein deutsches, sondern vielmehr ein europäisches Recht. Hierzulande sind die hinsichtlich Spielsucht, Jugendschutz und Geldwäsche weit problematischeren Bereiche der Spielhallen und -automaten weitgehend frei organisiert. Das muss geändert werden, wir brauchen eine kohärente Glücksspielregelung, nur dann können wir geltendes Recht durchsetzen und den Schwarzmarkt bekämpfen. Der sogenannte Fünf-Punkte-Plan der hessischen Landesregierung zur Neufassung des Glücksspielrechts sieht alle dazu notwendigen Änderungen vor. Lange haben sich viele andere Länder diesen Punkten leider verschlossen. Umso schöner, zu hören, dass auf der Ministerpräsidentenkonferenz Ende Oktober in Schwerin sich die Regierungschefs der anderen Länder auf eine Vielzahl der hessischen Vorschläge eingelassen und damit einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung getan haben, endlich ein kohärentes und damit durchsetzbares Glücksspielrecht in Deutschland zu etablieren.

Was erwartet die Spieler im neuen Jahr? Wird es vielleicht sogar einmal in Deutschland eine Super-Lotterie nach dem spanischen Vorbild „El Gordo“ geben? 

„El Gordo“, übersetzt „der Dicke“, löst in Spanien in der Tat vor Weihnachten immer eine regelrechte nationale Bewegung aus. Jeder möchte ein Los bekommen und die tatsächlich Stunden dauernde Weihnachtsziehung mit den singenden Waisenkindern lieben die Spanier geradezu. Das ist sicherlich ein sehr traditionelles, über Jahrzehnte gewachsenes Produkt, aber auch eines, das man genau so wohl gar nicht übertragen könnte. Ohne Zweifel sind aber hohe Jackpotsummen auch bei uns äußerst attraktiv, das sehen wir bei der gemeinsam mit weiteren 16 Nationen gespielten Lotterie Eurojackpot. Gerade gingen 90 Millionen Euro an einen Baden-Württemberger, aber Hessen ist mit einem nordhessischen Gewinner Ende August mit fast 85 Millionen Euro auch schon reichlich von Fortuna bedacht worden. Vielleicht wird es hierzulande einmal „den Dicken“ in irgendeiner Form geben, einen Markt hätte ein solches Produkt sicherlich. Im nächsten Jahr konzentrieren wir uns aber in erster Linie auf viele neue Rubbellosserien und auch den Ausbau unserer neuen Deutschen Sportlotterie, die sich komplett der Förderung paralympischer und olympischer Spitzensportler verschrieben hat – damit Deutschland wieder mehr Medaillen gewinnt.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare