Geschenktes Glück: Sammlung Brabant

Museum Wiesbaden zeigt Werke von Beckmann bis Jawlensky

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So sieht das Wohnzimmer von Frank Brabant aus: Hinter ihm hängt das Gemälde „Helene im spanischen Kostüm“ von Alexej von Jawlensky (1901/02). Foto: epd

Wiesbaden - Fünf Jahrzehnte lang hat Frank Brabant 600 Kunstwerke vom späten 19. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts zusammengetragen. Anlässlich seines 80. Geburtstags sind 128 dieser Schätze im Museum Wiesbaden zu sehen. Von Dieter Schneberger

Wenn Sammler ihre Schätze einem Museum vermachen, ist das wie ein Lottogewinn: Das Haus muss seinen Etat für Erwerbungen nicht antasten; Besucher kommen in unerwarteten Kunstgenuss. Der Traum ist in Wiesbaden und Schwerin Wirklichkeit geworden: Vor einem Jahr hat der in Schwerin geborene, seit 60 Jahren in Wiesbaden lebende Frank Brabant verfügt, dass seine 600 Exponate umfassende Kollektion nach seinem Tod je zur Hälfte an diese Häuser gehen soll (wir berichteten).

Vorläufig stellt der vitale 80-Jährige seine Bilder unter anderem von Franz Marc, August Macke, Emil Nolde, Otto Dix, Alexej von Jawlensky und Käthe Kollwitz für Sonderausstellungen zur Verfügung. 150 Arbeiten waren im Staatlichen Museum Schwerin zu sehen, 128 nun in der Schau „Von Beckmann bis Jawlensky“ im Museum Wiesbaden.

Er sei sehr dankbar für die Zuwächse, sagt Direktor Alexander Klar. Vor allem Arbeiten des deutschen Expressionismus ab 1900 und der Neuen Sachlichkeit zwischen den Weltkriegen ergänzten die Sammlung auf wunderbare Weise. „Es ist eine Wonne, durch die Ausstellung zu laufen“, schwärmt Klar.

1964 erstand Brabant im Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath den Holzschnitt „Der Redner“ von Max Pechstein für 350 Mark. Soviel habe er im Monat verdient. Für das zweite Bild, von Brücke-Maler Ernst Ludwig Kirchner, gab er 6000 Mark aus, die er für einen VW-Käfer gespart hatte. Ende der 60er Jahre machte sich Brabant dann auch als Betreiber der legendären Wiesbadener Diskothek „Pussycat“ einen Namen. Die Ausstellung bietet nach Worten von Kurator Roman Zieglgänsberger in neun thematischen Räumen Einblick in Brabants Sammelleidenschaft und Expressionismus, Neue Sachlichkeit sowie Magischer Realismus.

Der Rundgang beginnt mit einem Brabant-Porträt von Eberhard Dietzsch (2002) und einem Porträt von Hanna Bekker vom Rath, das Benno Wolldorf 1968 geschaffen hat. Im zweiten Raum, den Expressionisten gewidmet, dominieren das größte Jawlensky-Gemälde „Helene im spanischen Kostüm“ (1901/02), das Brabant dem Museum 2014 geschenkt hat, und das Pechstein-Bild „Rote Häuser mit Windmühle“ (um 1923). Blumendarstellungen des Expressionismus ist ein Raum gewidmet, darunter Max Beckmanns „Stillleben mit grüner Kerze“ von 1941.

Raum Nummer fünf steht unter dem Motto „Halbweltdamen und Massenmord“. In ihm sind künstlerische Antworten auf die Themen der Nachkriegszeit versammelt: Militarismus, Arbeitslosigkeit, Armut, Gewalt. Drastisch bringen George Grosz („Die Wilden Männer“, 1930), Rudolf Schlichter („Der Würger“, 1938) und Karl Hubbuch („Der Lustmord“, 1930) den Wahnsinn auf die Leinwand.

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Lohnenswert findet Brabant Vertreter der verschollenen Generation, die emigriert oder im Zweiten Weltkrieg gefallen sind: Rudolf Bauer, Johannes Wüsten oder Paul Kleinschmidt. Auch die Moderne hat es ihm angetan. So sind ein Porträt der Schauspielerin Liz Taylor von Andy Warhol (1966) und der „Kopf mit blauer Figur“ von Horst Antes (1971) zu sehen. Der Rundgang endet im Filmraum, in dem ein Gespräch mit dem Sammler läuft und Einblicke in seine Wohnung gewährt werden.

Die Frage nach seinem Lieblingsgemälde beantwortet Brabant diplomatisch: „Das liebste Bild ist mir immer das zuletzt Erstandene.“ Derzeit also ein Landschaftsbild des Mainzers Theo Gebürsch mit dem Titel „Dachau“. (epd)

„Von Beckmann bis Jawlensky – Die Sammlung Brabant“, bis 30. September im Museum Wiesbaden, geöffnet dienstags und donnerstags, 10 bis 20 Uhr, mittwochs und freitags bis sontnags, 10 bis 17 Uhr.

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