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Zwei Stunden nachdem begleitendes Fahren endete: Zwillingsbrüder (18) liefern sich illegales Rennen

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Ein Sportwagen fährt zügig durch die Komödienstraße. Köln, 02.05.2018 *** A sports car drives quickly through the Komöd
Selbst die Polizei kam den Rasern zunächst nicht hinterher. © Hardt/imago

Die Zwillingsbrüder waren gerade 18 Jahre alt geworden. Sie nutzten ihren Geburtstag für eine Spritztour nach Gießen, und testeten, wer mehr aus seinem Fahrzeug herausholen konnte.

Heuchelheim/Gießen - Für das illegale Autorennen mussten sich die beiden jungen Männer am gestrigen Dienstag vor dem Gießener Amtsgericht verantworten. Das Urteil: Jeder der beiden Fahrer muss eine Geldbuße von 1500 Euro bezahlen.

Zur Sache äußerten sich die beiden Angeklagten nicht. Die Beweisaufnahme stützte sich auf die Aussagen zweier Polizeibeamter. Gegen zwei Uhr morgens waren die Angeklagten demnach vom Neustädter Tor aus in Richtung Heuchelheim unterwegs. Durch den auffälligen Sound der Fahrzeuge und durch das Verhalten der Insassen aufmerksam geworden, folgten die Beamten dem Mercedes und dem Porsche über die Lahnbrücke in der Rodheimer Straße. Dort ist Überholen nicht erlaubt. Die jungen Männer setzten sich aber darüber hinweg, ebenso wie über die Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h.

Gießen: Polizisten können Rasern kaum folgen

Die Beamten schilderten, dass sie mit ihrem zivilen VW kaum folgen konnten. Auf der zweispurigen L 3020 rollten der Porsche und der Mercedes nebeneinander auf eine rote Ampel zu. Beim Wechsel auf Grün brausten sie mit Vollgas davon. Letztlich war es wohl das Abbremsen vor dem Blitzer in der Gießener Straße, der es den Beamten ermöglichte, die jungen Männer zu stellen. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hielt den Angeklagten zugute, dass keine sonstigen Verkehrsteilnehmer gefährdet worden seien. Sie sprach von einer Ausnahmesituation.

Die beiden Verteidiger beantragten einen Freispruch. Sie befanden, dass die Voraussetzungen für ein illegales Autorennen nicht gegeben seien (»subjektive Wahrnehmung der Beamten«). Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe empfahl die Anwendung von Jugendstrafrecht.

Prozess in Gießen: Zeugenbefragung ohne Erkenntnis

Im Rahmen der Beweisaufnahme sollten vier Zeugen gehört werden. Nachdem der erste, ein 19-jähriger Freund der Angeklagten, beteuerte, von keinem Überholvorgang und keiner Geschwindigkeitsübertretung zu wissen, verzichteten die Prozessbeteiligten auf die Befragung der weiteren Fahrzeuginsassen.

Richterin Maddalena Fouladfar überlegte, ob es nicht unverantwortlich sei, zwei Heranwachsenden, die zwei Stunden zuvor noch dem begleiteten Fahren unterlagen, so hochtourige Fahrzeuge zu überlassen. Der im Saal befindliche Vater fand das nicht. Seine Jungs seien ordentliche Jungs. Sie dürften jederzeit hochtourige Autos fahren. (hin)

Ein 22-Jähriger ist in Gießen zu einer Haftstrafe von 9,5 Jahren verurteilt worden. Zuvor hatte er seit seinem 16. Lebensjahr elf Vorstrafen kassiert.

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