Wirtschaft

Neues Rechenzentrum von Google: Internetriese lässt sich in der Region nieder

Die Firmenzentrale im kalifornischen Mountain View: Der Konzern beschäftigt weltweit mehr als 100 000 Mitarbeiter.
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Die Firmenzentrale im kalifornischen Mountain View: Der Konzern beschäftigt weltweit mehr als 100 000 Mitarbeiter.

Ein großer Name für den Fliegerhorst: Der amerikanische Internetriese Google wird sich in dem Logistikpark niederlassen.

  • Das Technologieunternehmen Google baut neues Rechenzentrum.
  • Es soll auf dem Fliegerhorst entstehen.
  • Damit gewinnt Erlensee bei Hanau einen wahren Internetriesen.

Bruchköbel/Erlensee - Wie der Unternehmenssprecher von Google Deutschland, Ralf Bremer, am Donnerstag (2. Dezember 2020) unserer Zeitung mitteilte, hat sich das Unternehmen ein Grundstück im sogenannten Triangle (Dreieck) des ehemaligen Militärflughafens gesichert. „Wir haben Grundstücke in Dietzenbach und Erlensee erworben und prüfen weitere Optionen in der Region. Für die Entwicklung der Grundstücke gibt es zwar noch keinen festen Zeitplan, wir schaffen damit jedoch Möglichkeiten für die Weiterentwicklung unseres Geschäfts“, sagte Bremer.

Angaben zur Größe des Komplexes und zur Zahl der Mitarbeiter, die dort einmal arbeiten werden, machte Bremer noch nicht. Dies werde man beizeiten mitteilen, sagte er.

Erlensee bei Hanau: Der Name „Google“ war bisher nicht in Bezug auf den Fliegerhorst gefallen

„Das ist für uns und die Region eine einmalige Nachricht“, freute sich Stefan Erb als Bürgermeister von Erlensee und Vorsitzender des Zweckverbandes Fliegerhorst. Der Zweckverband wird von den beiden Kommunen Erlensee und Bruchköbel gebildet, auf deren Gemarkung sich der Logistikpark befindet. Die Städte Bruchköbel und Erlensee teilen sich die Einnahmen und Kosten im Verhältnis 70 zu 30 zugunsten Erlensees, auf dessen Gebiet das Gros des Logistikparks liegt.

Bisher war nur bekannt, dass im Dreieck des Fliegerhorsts ein Rechenzentrum entstehen sollte, der Name Google war jedoch bislang noch nicht gefallen. Google habe den Ruf, sehr progressiv aufgestellt zu sein, sagte Erb mit Blick auf die Energieversorgung des künftigen Rechenzentrums. Einrichtungen solcher Art verbrauchen bekanntlich gigantische Strommengen zur Kühlung und zum Betrieb. Dazu Unternehmenssprecher Bremer: „Google folgt bei seinen Investitionen stets wesentlichen Prinzipien, dazu zählen Nachhaltigkeit sowie eine Infrastruktur, die immer nach höchsten Standards gebaut werde.“ Das Unternehmen sei seit 2007 klimaneutral und sei weltweit der größte Unternehmenskäufer von erneuerbarer Energie. Bis 2030 will Google den Angaben zufolge das erste große Unternehmen sein, das vollständig und rund um die Uhr CO2-frei produziert.

Viele Server wurden von Google in der Region um Erlensee bei Hanau schon angemietet

Google betreibt seit nunmehr drei Jahren im Rhein-Main-Gebiet eine sogenannte „Cloud-Region“. Damit richtet sich der Internetriese vor allem an Unternehmen, die ihre Datenmengen bei Google einlagern.

Google hat nach Angaben von Unternehmenssprecher Bremer in der Region bereits viele Server angemietet. Das Netzwerk stelle man den Kunden zur Verfügung. Cloudregionen betreibt Google in vielen Metropolen Europas. Die Regionalität sei wichtig, um eine bessere Datenübertragung zu gewährleisten, so Bremer.

Mit Google als neuen Player enden die Spekulationen am Fliegerhorst in Erlensee

Für das Dreieck im Fliegerhorst endet nun nach vielen Jahren die Zeit der Spekulationen*. Lange war ungewiss, was aus dem Herzstück des ehemaligen Flughafens werden würde. 2013 war das Areal von einem russischen Investor aufgekauft worden, der mit seiner Firma Retro Klassik GmbH zunächst an Ort Stelle eine Autostadt bauen und dort vor allem historische Fahrzeuge ausstellen wollte.

Dort wird das Rechenzentrum entstehen: Mitten im Herz des Fliegerhorsts.

Nach dem Erwerb des Areals für rund 5,5 Millionen Euro änderte der Russe jedoch seine Pläne. Für seine Autos fand er am Nürburgring eine bessere Präsentationsmöglichkeit. Am Fliegerhorst sollte daraufhin ein großes Reitsportzentrum mit Tierklinik, Hotels, großflächigen Stallanlagen und auch eine Veranstaltungshalle entstehen. Aber auch daraus wurde nichts. Nachdem bekannt geworden war, dass der Großmetzger Brandenburg auf der mit 18 Hektar größten Fliegerhorstfläche eine neue Produktionsstätte bauen würde, zog Retro-Klassik das Projekt zurück. Als Grund nannten die Investoren die Unvereinbarkeit von Pferdesport und dem Betrieb einer Metzgerei.

Baustart von Google in Erlensee ist noch unklar

Lange Zeit passierte auf dem Dreieck gar nichts, bis Retro-Klassik das insgesamt 93 000 Quadratmeter große Areal in drei Stücken verkaufte. Das 11,6 Hektar große Gelände, das nun von Google erworben worden ist, ging zunächst an das amerikanische Immobilienunternehmen Hillwood, das den Grund jetzt an Google weiterveräußerte.

Noch unklar ist, wann Google mit den Bauarbeiten beginnen wird. „Ich kann mir kaum vorstellen, dass das Unternehmen das Grundstück jetzt mehrere Jahre brachliegen lässt“, rechnet Erb mit einem Baubeginn in nicht allzu ferner Zeit.

Google: Kampfmittelsondierungen im benachbarten Wald könnten mit Projekt in Verbindung stehen

Im Grunde genommen ist mit den ersten Arbeiten bereits begonnen worden. Seit einigen Tagen finden bereits im Bruchköbeler Wald Kampfmittelsondierungen statt, die direkt mit dem Projekt in Verbindung stehen. Zwischen dem Umspannwerk in Roßdorf und dem Fliegerhorst werden zwei neue Stromtrassen gelegt, die der Versorgung des Rechenzentrums dienen. Eine führt über Oberissigheim zum Fliegerhorst und die andere entlang der B45 und dann durch den Bruchköbeler Wald.

Dies bringe auch Vorteile für die Stromnutzer in Bruchköbel mit sich. Denn der Ausbau des Umspannwerks führe auch zu einer größeren Versorgungssicherheit, meint Bruchköbels Bürgermeisterin Sylvia Braun.

Die wirtschaftliche Entwicklung des Fliegerhorsts

Der Fliegerhorst in Erlensee hat eine rasante Entwicklung genommen. Erst 2013 hatte der von den beiden Kommunen Erlensee und Bruchköbel gegründete Zweckverband rund 100 Hektar des ehemaligen Militärflughafens gekauft. Im gleichen Jahr wurde der Großteil des sogenannten Triangle im Zentrum für rund fünf Millionen Euro an die Retro-Klassik GmbH verkauft, später erwarb das Unternehmen auch die noch fehlenden Stücke des Dreiecks für weitere 1,1 Millionen Euro. 2014 kam das Logistik-Unternehmen Dachser hinzu, das ein Grundstück für 5,5 Millionen Euro erwarb. Im gleichen Jahr gesellten sich zudem die Unternehmen Abfluss Schäfer sowie der Baumaschinenhändler Boehrer hinzu, der auf dem Areal einen historischen Hanger übernahm. 2014 kaufte der Aschaffenburger Immobilienunternehmer Ferdinand Fäth den unter Denkmalschutz stehenden Tower sowie umliegenden Flächen für rund neun Millionen Euro. 2015 siedelte sich das Verpackungsunternehmen DS Smith im Südwesten des Parks an, für das Areal erzielte der Zweckverband eine Summe von sieben Millionen Euro. 2018 wurde der Verkauf der größten Fläche an den Großmetzger Brandenburg unter Dach und Fach gebracht. Das Unternehmen, das für mehr als 300 Millionen Euro seine beiden Produktionsstätten Frankfurt und Dreieich in Erlensee zusammenführen möchte, bezahlte für die rund 18 Hektar etwa 8,8 Millionen Euro. Weitere Grundstücke wurde in den vergangenen Jahren an Kolb Erdbau (eine Million Euro), an die Erlenseer Kleinmetall GmbH (750 000 Euro) sowie den Logistiker Panattoni (3,9 Millionen Euro) verkauft. Vier ehemalige Kasernengebäude am südlichen Rand gingen für rund 1,2 Millionen Euro an zwei indische Investoren. how

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