Seit einem halben Jahr läuft die Amnestie für illegal besessene Waffen

Mit der Granate aufs Amt

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Wiesbaden - Bis zum 1. Juli dieses Jahres dürfen Bürger illegal besessene Waffen noch abgeben, ohne eine Strafe fürchten zu müssen. Der Erfolg ist in Hessen bislang unterschiedlich. Manchmal landen auch Waffen bei den Behörden, die gar nicht unter die Amnestie fallen. Von Robert Maus

Die Beamten im Polizeipräsidiums Nordhessen waren mehr als nur leicht irritiert, als ihnen ein 67 Jahre alter Mann im Herbst eine Handgranate überreichte. Der Rentner berief sich auf die derzeit geltende Waffenamnestie – löste jedoch erst einmal einen Einsatz des Kampfmittelräumdienstes aus. Wie der Kasseler Polizeisprecher Matthias Mänz erklärt, ging die kuriose Übergabe harmlos aus: Das Kriegsgerät entpuppte sich als Übungsgranate und konnte problemlos vernichtet werden. Seit Juli 2017 gilt der Aufruf an alle Bürger, die Waffen und Munition illegal besitzen, diese bei der Polizei oder Waffenbehörden abzugeben. Das geht noch bis zum 1. Juli dieses Jahres straffrei.

Nach Auskunft von Marcus Gerngroß, stellvertretender Sprecher des Innenministeriums, wurden bis zum 31. Dezember 2017 insgesamt 289 Schusswaffen in Hessen abgegeben. Darunter waren 158 Pistolen und Revolver sowie 131 Gewehre. „Jede abgegebene Waffe führt zu mehr Sicherheit“, konstatiert Gerngroß, nach dessen Einschätzung die Amnestie damit ihren Zweck erfüllt.

Die abgegebenen Schusswaffen werden laut Gerngroß nun von Experten des hessischen Landeskriminalamtes technisch untersucht, um sicherzustellen, dass mit ihnen keine Straftaten verübt wurden. Anschließend werden sie im Polizeipräsidium für Technik, Logistik und Verwaltung in Wiesbaden eingeschmolzen.

Neben der Polizei nehmen auch Mitarbeiter der Ordnungsbehörden Waffen entgegen. In Frankfurt wurden bisher 17 Waffen abgegeben, wie Ordnungsamtssprecher Ralph Rohr sagt. Aber: Das waren alles legale Waffen. Elf davon sind Gas- oder Schreckschusswaffen, die jeder Bürger ab dem 18. Lebensjahr besitzen darf. Lediglich zum Führen dieser Waffen ist ein sogenannter kleiner Waffenschein vorgeschrieben.

Es komme immer wieder vor, dass Bürger mit geladenen Waffen vor den Mitarbeitern ständen, sagt der Sprecher. „Das hat aber nichts mit der Amnestie zu tun, oft kennen die Bürger einfach die Funktionsweise nicht“, erklärt Rohr. Insbesondere bei älteren Erben sei dies zu beobachten. Deshalb schult die Stadt Frankfurt ihrer Mitarbeiter, damit sie Waffen sicher entladen können. Es lauert eine weitere Gefahr: Laut Rohr geschieht es immer wieder, dass Munition in alten Waffen festgerostet ist oder im Patronenlager oder der Trommel klemmt. Die Frankfurter Ordnungsbehörde verfügt daher auch über spezielle Vorrichtungen, um Problem-Waffen gefahrlos entladen zu können.

Mit dieser Ausrüstung kämpft unsere Bundeswehr

In Wiesbaden wurden keine illegal besessenen Waffen zur Ordnungsbehörde gebracht, erklärt Heike Paul, Leiterin des Ordnungsamtes. Trotzdem nahmen ihre Mitarbeiter im Laufe des vergangenen Jahres rund 160 Schusswaffen an. „Dabei handelt es sich um Waffen von Jägern oder Sportschützen, die diese oft altersbedingt abgeben“, erklärt sie. Auch in Wiesbaden komme es immer wieder vor, dass Bürger ihre Waffen geladen zur Waffenbehörde bringen. „Unsere Mitarbeiter sind alle waffenkundlich ausgebildet, um mit solchen Situationen umgehen zu können“, stellt Paul klar. Bis zur Vernichtung werden die Pistolen, Revolver und Gewehre in der Landeshauptstadt in einer eigenen Waffenkammer gelagert.

Das Polizeipräsidium Nordhessen weist aus Sicherheitsgründen – und nach dem Vorfall mit der Handgranate – darauf hin, dass die Waffen vor dem Transport auf jeden Fall entladen werden müssen. Hieb-, Stoß- und Stichwaffen müssen so verpackt sein, dass sie nicht genutzt werden können. Wer Waffen oder Munition abgibt, erhält dafür eine Bescheinigung. Es gibt jedoch eine Ausnahme: Kriegswaffen, also etwa vollautomatische Gewehre, fallen unter das Kriegswaffenkontrollgesetz und damit nicht unter die Amnestie. Wäre die Handgranate des Kasseler Rentners echt gewesen, hätte dieser trotz Amnestie mit einer Strafe rechnen müssen. (dpa)

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