Von Corona nicht betroffen

Viele Großbaustellen auf Hessens Autobahnen

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Leere Autobahnen wegen Corona reduzieren die Verkehrsbehinderungen durch Baustellen.

Sanierung von Brücken, Bau neuer Strecken und ein neuer Tunnel: Auf Hessens Autobahnen gibt es im Jahr 2020 viel Arbeit - trotz Coronavirus.

Wiesbaden – Mehr als eine Milliarde Euro werden laut dem hessischen Verkehrsministerium in diesem Jahr in Bau und Sanierung von Straßen in Hessen investiert. Auch auf den Autobahnen wird fleißig gebaut, diese Maßnahmen sollen laut Planungen insgesamt 639 Millionen Euro kosten.

Von den Einschränkungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sind die Bauarbeiten bisher nicht direkt betroffen: „Die Bauprojekte laufen nach aktuellem Stand weiter wie bisher“, teilte die Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil auf Anfrage mit. „Neue Projekte werden weiterhin ausgeschrieben und vergeben.“ Hessen Mobil habe ein großes Interesse daran, dass weiter in die Infrastruktur investiert werde. „Das ist angesichts der durch die Corona-Krise ausgelösten wirtschaftlichen Schwierigkeiten in anderen Bereichen wichtiger denn je.“

Trotz Coronavirus: Viele Baustellen auf Hessens Autobahnen

Betroffen sind insgesamt 63,1 Kilometer hessischer Autobahnen – ein Überblick:

A3/A66 Wiesbadener Kreuz

Laut Verkehrsministerium ist bei der Sanierung „eines der meistgenutzten Verkehrsknoten im Rhein-Main-Gebiet der wichtigste Teil geschafft“. Nach zweieinhalbjähriger Bauzeit wurde gestern die neue Brücke der A3 über die A66 am Wiesbadener Kreuz für den Verkehr freigegeben worden. Das Projekt kostet insgesamt 47,8 Millionen Euro.

A66/A661 Riederwaldtunnel

Mit Behinderungen müssen Fahrer auf A661 und A66 bei Frankfurt rechnen. Der elf Kilometer lange Riederwaldtunnel ist zentraler Bestandteil des Lückenschlusses zwischen der A66 und der A661 und das größte innerstädtische Bauprojekt von Hessen Mobil.

A45 Talbrücken

Auf der A45 wird die Talbrücke Marbach neu gebaut. Die knapp 390 Meter lange und 35 Meter hohe Brücke ist eine von 22 Talbrücken, die auf der Autobahn erneuert werden müssen. Die erste Brückenhälfte wurde bereits 2018 in Betrieb genommen, Ende 2020 soll das 43,3 Millionen Euro teure Bauwerk fertig sein.

A44 Neubau

Teuerstes Projekt ist der Neubau der A44 von Kassel nach Herleshausen. Die Autobahn wird um knapp 70 Kilometer verlängert. Der Neubau umfasst zwölf Abschnitte, davon sind fünf bereits fertiggestellt. Das Projekt beinhaltet den Bau von 13 Tunneln und zehn Brücken. Geschätzte Gesamtkosten: Mehr als zwei Milliarden Euro, für 2020 sind Ausgaben von 201 Millionen Euro eingeplant.

A661 Kaiserlei

Der Umbau des Kaiserleikreisels wird auch in diesem Jahr noch die Autofahrer beeinträchtigen – zumindest im ersten Halbjahr, denn die Bauarbeiten sollen bis Mitte 2020 beendet sein.

A643 Schiersteiner Brücke

Auch in diesem Jahr wird der Neubau der Schiersteiner Brücke zwischen Wiesbaden und Mainz die Autofahrer weiterhin beschäftigen. Mit der Fertigstellung der zweiten Brückenhälfte soll das Projekt erst nächstes Jahr beendet sein. Die Gesamtkosten betragen rund 216 Millionen Euro, die der Bund finanziert.

A49 Neubau

Der Neubau der A49 zwischen Neuental und Gemünden/Felda umfasst drei Abschnitte. Während sich ein Abschnitt bereits im Bau befindet, werden die beiden anderen noch geplant.

Trotz Coronavirus: 25.000 Baustellen auf Hessens Autobahnen

Doch was bedeuten diese Großbaustellen für die Autofahrer? Der Anspruch sei, die Beeinträchtigungen für den Verkehr so gering wie möglich zu halten, teilte Hessen Mobil mit. „Dazu gehört, dass immer eine ausreichende Anzahl von Fahrstreifen während der gesamten Baumaßnahme zur Verfügung gestellt wird.“ Bei längeren Bautätigkeiten gelte der Grundsatz, die Anzahl der Fahrstreifen – einschließlich des temporär genutzten Seitenstreifens – beizubehalten. 

Seit 2013 sei das Planungs- und Informationssystem für Arbeitsstellen (PIA) in Betrieb, das Planung und Koordinierung der Baustellen auf Hessens Straßen unterstütze. Ziel sei „eine flächendeckende Erfassung aller Baumaßnahmen in Hessen von der Autobahn bis hin zu kleinsten Gemeindestraße in einem System zur optimalen, systemgestützten Koordinierung von Baustellen“. In den vergangenen Jahren gab es auf hessischen Autobahnen mehr als 25.000 Tagesbaustellen, „für 2020 gehen wir von einer ähnlichen Größenordnung aus“, schätzt Hessen Mobil.

Wenn Sperrungen unausweichlich seien, werde auch in der Nacht und an Wochenenden gearbeitet. Grundsätzlich sei jedoch „der durchgängige generelle Baustellenbetrieb rund um die Uhr bei langandauernden Großbaumaßnahmen“ nicht die erste Option. Beim Bau von Brücken setze man auf neue Techniken wie Fertigteilbauweisen, wobei Brückenteile an den vorgesehenen Standort eingeschoben werden.

VON NIELS BRITSCH UND PETER SCHULTE-HOLTEY

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