Parteitag der hessischen CDU

Große Zustimmung für Bouffier

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Kann sich über das große Vertrauen seiner Parteifreunde freuen: Volker Bouffier beim Landesparteitag in Wiesbaden. 

Wiesbaden - Hessens CDU feiert Ministerpräsident Volker Bouffier mit minutenlangem Beifall und stehenden Ovationen. Ein Fußball-Trikot ist der Lohn für seine Wiederwahl als Landesvorsitzender. Von Bernd Glebe

Die Entschlossenheit ist Ministerpräsident Volker Bouffier auf dem Parteitag der hessischen CDU von der ersten Minute an anzumerken. Das zeigen nicht nur die deutlichen Worte, die der CDU-Bundesvize am Samstag im Asylstreit nach Berlin schickt. Seine Ehefrau Ursula kann bei der gemeinsamen Begrüßung der Delegierten auf dem Podium des Wiesbadener Kongresszentrums nur mit Mühe den schwungvoll-ausladenden Handbewegungen ihres Gatten ausweichen – und holt sich einen Nasenstüber.

Mit Musik untermalt, ist der CDU-Landeschef in den abgedunkelten Saal erst Minuten nach der offiziellen Eröffnung des Parteitags gekommen. Zuvor hat Generalsekretär Manfred Pentz die rund 350 Delegierten mit einem Imagefilm auf die Landtagswahl in rund vier Monaten eingestimmt. Seine fast zweistündige Rede nutzt der Regierungschef dann auch zu einem Ritt durch nahezu alle politischen Blickpunkte im Land: Bildung und Familie, ländlicher Raum und Landwirtschaft, Sicherheit und Verkehr sowie die Digitalisierung.

Konzentriert, ausführlich und mit Seitenhieben auf seinen direkten Konkurrenten im Landtagswahlkampf, SPD-Partei- und Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel, präsentiert der CDU-Landesvorsitzende die Erfolge der schwarz-grünen Landesregierung. Immer wieder tupft sich der 66-Jährige den Schweiß von der Stirn.

Den größten Applaus für seine Rede erhält der CDU-Bundesvize aber, als er am ersten Todestag des langjährigen Bundeskanzlers und überzeugten Europäers Helmut Kohl die Einheit der Union und eine Ende des Asylstreits zwischen CDU und CSU fordert. Es gehe bei der Aufnahme von Flüchtlingen nicht um Hessen oder Bayern, sondern um viel mehr, schreibt Bouffier dabei Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ins Stammbuch – und stellt sich damit voll hinter die europäische Linie von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Auseinandersetzung.

In Bayern, wo Seehofer viele Jahre Ministerpräsident war, ist wenige Wochen vor Hessen Landtagswahl. Nach den jüngsten Umfragen muss die CSU mit einem Verlust der absoluten Mehrheit rechnen. SPD und AfD liegen danach mit 13 Prozent gleichauf. Markus Söder (CSU) beerbte Seehofer als Regierungschef, als dieser ins Bundeskabinett wechselte. Am 14. Oktober können die Bayern ihr Kreuzchen machen. In Hessen ist die CDU nach den letzten Umfragen weiter konstant stärkste Kraft. Eine Neuauflage des Bündnisses mit den Grünen ist demnach aber nicht wahrscheinlich. Rechnerisch stehen die Zeichen nach den Zahlen derzeit auf Große Koalition oder ein Jamaika-Bündnis von CDU, Grünen und FDP.

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Trotz aller Zuversicht, die Bouffier für die Landtagswahl in Hessen am 28. Oktober auf dem Parteitag ausstrahlt, mahnt der CDU-Landeschef auch zu Vorsicht und kräftigem Engagement in den Monaten bis zur Stimmabgabe: „Das wird kein Spaziergang, das wird hart. Deswegen müssen wir auch kämpfen.“ Den nötigen Rückenwind für den Wahlkampf bekommt er von seiner Partei:

Mit einem Ergebnis von 98,5 Prozent wird der CDU-Landesvorsitzende in seinem Amt bestätigt. Bei der Abstimmung vor zwei Jahren betrug das Ergebnis 97,5 Prozent. Bei der Wahl zum Spitzenkandidaten auf der Landesliste der CDU für die Landtagswahl votieren 297 von 301 abgegebenen Stimmen für den 66-Jährigen. Das Geschenk für den Regierungschef passt dann auch zur Fußball-Weltmeisterschaft in Russland: ein Trikot mit Bouffiers Namen und der Nummer eins. (dpa)

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