Großrazzia: Ermittler schlagen in Italien und Deutschland zu

Mafia-Clan offenbar auch in Neu-Isenburg aktiv

Wiesbaden - Bei einer Razzia gegen die Mafiavereinigung ‘Ndrangheta in Deutschland und Italien sind mehr als 170 Verdächtige festgenommen worden. Im Mittelpunkt der Polizeiaktion stand der Clan Farao-Marincola, dessen langer Arm bis Neu-Isenburg reicht.

Italienischen und deutschen Strafverfolgungsbehörden ist gestern ein Schlag gegen die kalabrische Mafia ‘Ndrangheta gelungen. Die Polizei nahm in beiden Ländern mehr als 170 Verdächtige fest und beschlagnahmte Vermögen in Millionenhöhe.Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sprach von einem wichtigen Erfolg gegen die Unterwanderung der Wirtschaft durch mafiöse Strukturen und Methoden.

Die Carabinieri gaben an, die Ermittlungen hätten ein weit verzweigtes Netz von Gewerbetreibenden aufgedeckt, die in verbrecherische Mafia-Aktivitäten verwickelt seien oder die Kriminellen zumindest gewähren ließen. In Deutschland habe der Clan „operative Zellen“ in Frankfurt, Wiesbaden, München und Stuttgart gehabt, von denen aus unter anderem das Geschäft mit Wein, Molkereiprodukten und Öl organisiert worden sei. Der Clan habe beispielsweise kalabrische Restaurants dazu gebracht, Weinprodukte lediglich von Unternehmen anzukaufen, die von der kriminellen Vereinigung kontrolliert wurden.

In Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen wurden nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) elf mutmaßliche Mitglieder der Mafiaorganisation gefasst, darunter fünf Verdächtige im Schwalm-Eder-Kreis, wie ein Sprecher der Polizei in Kassel mitteilt.

In Wiesbaden und Frankfurt gebe es zwar Örtlichkeiten, wo die Mafia-Verdächtigen ihren Geschäften nachgegangen sein sollen. Doch festgenommen wurde dort laut dem Landeskriminalamt (LKA) Hessen niemand. „Die Festnahmen beschränken sich ausschließlich auf Nordhessen“, hieß es.

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Nach Angaben des Mafia-Experten David Schraven sind die ‘Ndrangheta-Clans der Familien Farao und Marincola unter anderem auch in Neu-Isenburg aktiv geworden. Sie sind demzufolge durch Drogenhandel, Geldwäsche, Erpressung sowie Infiltration der öffentlichen Verwaltung aufgefallen.

Schlag gegen die Mafia in Deutschland und Italien

Die von den Carabinieri geführte Aktion richtet sich gegen den ‘Ndrangheta-Clan Farao-Marincola, der im süditalienischen Kalabrien beheimatet ist. Die italienischen Ermittler hatten bei den deutschen Behörden um Rechtshilfe gebeten. Gegen die in Deutschland Festgenommenen lagen dem BKA zufolge EU-Haftbefehle vor.

„Die Gruppierung aus der kalabrischen Gemeinde Cirò gilt als übergeordnete Gruppierung mit großem Einfluss über die benachbarten Regionen hinaus“, teilte das BKA weiter mit. Ermittelt werde gegen sie unter anderem wegen versuchten Mords, Erpressung, Geldwäsche, internationaler Kfz-Schiebung sowie illegalen Handels und Verschiebung von Müll.

Dem Clan ist es den Carabinieri zufolge gelungen, mit Mafia-Methoden Einfluss auf bedeutende Wirtschafts- und Handelszweige zu nehmen und diese radikal unter seine Kontrolle zu bringen. Den Gewinn aus Geschäften wie etwa der Herstellung und dem Verkauf von Fisch, Wein sowie Backwaren habe sie unter anderem in Norditalien und Deutschland investiert, erklärte das BKA. (psh/dpa/AFP)

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