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Hessen: Ein Billigticket braucht Zeit

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Von: Jutta Rippegather

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Das Einführen neuer Tarife dauert normalerweise Monate, sagt RMV-Chef Ringat. Die Einnahmeausfälle vom Sommer hat der Bund noch nicht komplett übernommen.

Frankfurt – Viele warten auf ein Neun-Euro-Nachfolgeticket. Doch selbst wenn Bund und Länder endlich eine Einigung zur Kostenübernahme erzielen sollten, ist nicht von einem zeitnahen Start auszugehen. Dass es im Frühjahr so flott ging, bleibt eine Ausnahme. Davon geht Knut Ringat aus, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV). „Auch wenn die Branche das Neun-Euro-Ticket kurzfristig an den Markt bringen konnte, benötigt die Einführung neuer Tarife bei normalen Zeitläufen mehrere Monate“, sagte Ringat der Frankfurter Rundschau.

Zweite Preiserhöhung in einem halben Jahr

Es wird also erst mal nicht günstiger, sondern teurer. Es bleibt bei der Tariferhöhung zum 1. Januar, wie sie der RMV-Aufsichtsrat im Sommer beschlossen hatte. Wie in den vergangenen Jahren liegt sie bei durchschnittlich 1,5 Prozent. Es ist die zweite innerhalb eines halben Jahres. Im Juli gab es eine außerplanmäßige Erhöhung um 3,9 Prozent.

Doch es gibt eine neue Sparmöglichkeit: Im kommenden Jahr geht das lange vorbereitete neue Angebot für Gelegenheitskund:innen an den Start: der sogenannte RMV-Sparpass. Für Erwachsene reduzieren sich damit die Kosten für eine Kurzstrecke, Einzel- oder Tageskarte um 25 Prozent. Der neue Sparpass kostet zehn Euro und ist für 30 Tage gültig. In dieser Zeit funktioniert er wie eine Bahncard. Mit dem neuen Angebot trägt der RMV dem Wandel in der Arbeitswelt Rechnung. Der Trend zum Homeoffice hält an. Eine Zeitkarte lohnt sich dann oft nicht.

Das Neun-Euro-Ticket läuft Ende August aus. Foto: Renate Hoyer
Das Neun-Euro-Ticket lief Ende August aus. Ersatz gibt es nicht so schnell. © Renate Hoyer

9-Euro-Ticket war echtes Highlight in der gesamten Republik

Doch nach dem heftigen Einbruch in der Pandemie geht es wieder aufwärts. Die Fahrgastzahlen erholen sich. „Und in der Tendenz steigen wieder mehr Menschen in Bus und Bahn ein“, sagt Ringat. Im Januar ging es demnach los mit 54 Prozent der Fahrgäste eines durchschnittlichen Vor-Corona-Monats. Bis zum Mai kletterten die Zahlen hoch auf 77 Prozent. Dann kamen die drei Monate Neun-Euro-Ticket und es war voll wie vor der Pandemie. „Im September ist die Nachfrage wieder zurückgegangen und liegt etwa auf dem Niveau vom Mai.“

Für Fahrgäste war das Neun-Euro-Ticket für den Nahverkehr in der gesamten Republik ein echtes Highlight. Es gab zwar auch Beschwerden über proppenvolle Züge und überlastetes Personal. Doch im Großen und Ganzen war die Flatrate für kleines Geld eine Erfolgsgeschichte. Die unkonventionelle finanzielle Entlastung hat beim Volk Begehrlichkeiten geweckt. Erfunden hat sie die Ampel-Koalition in Berlin. Die hatte auch zugesichert, für die Einnahmeausfälle aufzukommen. Allein beim RMV liegen diese „im dreistelligen Millionenbereich“, sagt Geschäftsführer Ringat. „Ein Teil“ sei bisher von Berlin ausgeglichen worden.

Bund und Länder diskutieren über Nachfolgelösung des 9-Euro-Tickets

Unterdessen diskutieren Bund und Länder bereits darüber, wie die Nachfolgelösung aussehen soll. Der Geschäftsführer stellt klar: „Aus Sicht der ÖPNV-Branche ist ein Nachfolgeticket überhaupt nur dann umsetzbar, wenn zuvor die Grundfinanzierung des ÖPNV gesichert ist.“ Dafür müsse der Bund die sogenannten Regionalisierungsmittel um 1,5 Milliarden Euro pro Jahr erhöhen. Benötigt werde darüber hinaus ein Energiekostenausgleich von 1,65 Milliarden Euro – „unabhängig vom Ausgleich der Einnahmeverluste“.

Von höheren Regionalisierungsmitteln hatte dieser Tage auch Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) eine Neun-Euro-Ticketnachfolge abhängig gemacht. Land und Kommunen könnten notfalls lediglich das vorhandene Angebot finanziell stemmen. Zusätzliche Leistungen gäben die vorhandenen Mittel nicht her.

In Frankfurt gibt es schon eine Nachfolgelösung für Einkommensschwache

Unterdessen prescht der Frankfurter Magistrat angesichts der rasant steigenden Preise vor. Stimmt das Stadtparlament zu, müssen einkommensschwache junge Leute und Senior:innen künftig nur noch etwa neun Euro im Monat für das Fahren innerhalb des Stadtgebiets bezahlen. Die neuen Preise für Inhaber:innen des Frankfurt-Passes entsprechen 30 Prozent der regulären Kosten für Schüler- oder Seniorentickets.

Der RMV habe damit nichts zu tun, stellt Geschäftsführer Ringat klar. Die Mindereinnahmen müsse die Stadt Frankfurt ausgleichen. „Ob ein solches Angebot für eine Kommune nachahmenswert ist, müssen daher die Kommunen selbst bewerten.“ (Jutta Rippegather)

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