Abwerbungen "bedenklich"

Fachkräftemangel in Offenbach: Kommen Headhunter zum Einsatz? 

Angesichts des Fachkräftemangels greifen einige Städte und Gemeinden in Hessen auf die Dienste von professionellen Personalvermittlern zurück. Der Hessische Städte- und Gemeindebund (HSGB) hält so einen Schritt durchaus für sinnvoll (Symbolbild).
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Angesichts des Fachkräftemangels greifen einige Städte und Gemeinden in Hessen auf die Dienste von professionellen Personalvermittlern zurück. Der Hessische Städte- und Gemeindebund (HSGB) hält so einen Schritt durchaus für sinnvoll (Symbolbild).

Der Fachkräftemangel beschäftigt auch die Stadt Offenbach. Kann ein Headhunter die Lösung sein? 

Offenbach –  „Das ist aber immer die Frage, wie viel man ausgeben muss“, sagte HSGB-Direktor Karl-Christian Schelzke.

Stephan Grimm, Leiter des Personalamtes in Offenbach, hält eine solche Maßnahme allerdings für „bedenklich“: „Es ist ein Unterschied, ob wir Fachkräfte mit guten Arbeitsbedingungen überzeugen können oder ob wir sie von professionellen Abwerben aus anderen Kommunen weglocken lassen.“ Auch in Offenbach sei der Fachkräftemangel spürbar – im Baubereich fehlten Stadtplaner und Ingenieure, im Gesundheitsamt und im Eigenbetrieb Kindertagesstätten würde ebenfalls händeringend Personal gesucht, so Grimm. Trotz dieser Misere betont der Personalleiter: „Wir arbeiten nicht mit Headhuntern und haben es auch nicht geplant.“ Ein Hauptproblem sei die Konkurrenz zur freien Wirtschaft: „Im Öffentlichen Dienst wird nach Tarif gezahlt, in Unternehmen sind die Arbeitsbedingungen verhandelbar.“

In Frankfurt kennt man solche Skrupel wie in Offenbach nicht, bislang seien allerdings nur in Einzelfällen die Dienste von Personalvermittlungen in Anspruch genommen worden. Dabei handelte es sich um Stellen von Amts- oder Betriebsleitungen, in Ausnahmefällen auch um Stellen von stellvertretenden Leitungen“, so eine Sprecherin „Um eine Zahl zu nennen, sprechen wir dabei von ein bis zwei Stellenbesetzungen pro Jahr, die von einer Personalvermittlung begleitet werden.“ In der Regel gelinge es, alle Stellen im Wege einer Ausschreibung zu besetzen.

Offenbach: Einsatz von Headhuntern nicht günstig

Ohnehin ist der Einsatz von Headhuntern nicht günstig: „Die Kosten für die Beauftragung betragen je nach Einzelfall circa 40 000 bis 50 000 Euro und können je nach individueller Vereinbarung auch etwas höher liegen, wenn zum Beispiel die Schaltung von Stellenanzeigen durch die Personalvermittlung erfolgt und uns die Kosten dann in Rechnung gestellt werden“, sagte die Sprecherin. Frankfurt ist die einzige Stadt, die zu Kosten konkrete Angaben macht.

In Hanau gebe es dank der „attraktiven Außenwirkung“ keine signifikanten Besetzungsprobleme, teilte Sprecherin Güzin Langner mit. Ausgenommen davon seien Stellen für Erzieherinnen und andere pädagogische Fachkräfte. Ansonsten habe man sich als öffentlicher Arbeitgeber gut positionieren können, sagt die Stadtsprecherin, die auf ein eigenes Karriereportal der Stadt verweist. Wenn es um die Besetzung von Führungsfunktionen gehe, arbeite die Stadt „punktuell“ mit Personalvermittlern.

„Die Konkurrenzsituation zwischen Kommunen sowie Länder- und Bundesbehörden auf der einen Seite und der Wirtschaft andererseits verschärft sich deutlich“, sagte ein Sprecher der Stadt Wiesbaden. Die Personalgewinnung werde langwieriger und sei teilweise nur schwierig und mit Einschränkungen zu realisieren. Trotzdem greife man auf Personalvermittler „nur sehr selten und in absoluten Ausnahmefällen“ zurück, wenn alle anderen Schritte über lange Zeit erfolglos seien. „Die Erfahrungen mit Headhuntern in Bereichen mit schwieriger Personalgewinnung waren in der Vergangenheit zudem wenig zufriedenstellend“, erklärte der Sprecher.

Offenbach: Großes Potenzial in der Rhein-Main-Region

Noch nicht auf die Dienste von Personalvermittlern zurückgegriffen hat Darmstadt. Die Kommune spürt ebenfalls den Fachkräftemangel. „In der Rhein-Main Region herrscht ein großes Potenzial für geeignete Bewerbungen und eine hohe Konkurrenzsituation aufgrund zahlreicher Arbeitgeber“, erklärte die Stadt. Dadurch sei bei einigen Berufen ein starkes Konkurrieren um die besten Talente entstanden. Die Möglichkeiten, Headhunter einzusetzen, würden derzeit rechtlich geprüft und dann mit den Personalvertretungen verhandelt.

Für HSGB-Direktor Schelzke ergibt es Sinn, dass sich Kommunen bei der Mitarbeitersuche „über den eigenen Dunstkreis hinaus umschauen“ – zumindest wenn eigene Mitarbeiter mit Potenzial fehlen. Hilfe bei der Suche gebe es aber auch beim Freiherr-vom-Stein-Institut des HSGB. Die besten Mitarbeiter für die öffentliche Verwaltung zu finden, sei im Interesse aller: „Mitarbeiter in Kommunalverwaltung sind die Visitenkarte unseres gesamten demokratischen Systems.“

VON NIELS BRITSCH (mit dpa)

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