1. Startseite
  2. Hessen

Nach dem 9-Euro-Ticket: Kosten für Bus und Bahn steigen deutlich

Erstellt:

Von: Jutta Rippegather

Kommentare

Nach dem 9-Euro-Ticket will der RMV die Tarife deutlich erhöhen – außer es gibt ein weiteres staatlich gefördertes Angebot.

Frankfurt – Die Corona-Scharte ist ausgewetzt, die Menschen fahren wieder Bus und Bahn. „Die Fahrgastzahl auf dem Vor-Pandemie-Niveau“, meldet der Rhein-Main-Verbund (RMV). Nicht unwesentlich dazu beigetragen hat das Neun-Euro-Ticket.

Die Zeit des öffentlichen Nahverkehrs zum Schnäppchenpreis geht allerdings dem Ende entgegen. Es liegen Vorschläge für eine Nachfolgeregelung auf dem Tisch. Doch derzeit stehen die Signale auf Rückkehr zum alten Status quo. Von September an müssen die Fahrgäste im RMV wieder tiefer in die Tasche greifen, Gelegenheitskundschaft sogar noch tiefer als vor Beginn des auf drei Monate befristeten Sonderangebots aus dem Entlastungspaket des Bundes.

ÖPNV in Hessen: Rund 30 Prozent der Fahrten durch neue Kundinnen und Kunden

Zum 1. Juli hat der RMV die Tarife einmalig um durchschnittlich 3,9 Prozent angehoben, um die gestiegenen Betriebskosten abdecken und das Angebot weiter ausbauen zu können, wie es heißt. Ausgenommen davon sind die Jahreskarten, darunter auch das Schüler- oder Seniorenticket für 365 Euro.

Der Rhein-Main Verkehrsverbund hebt die Tarife nach dem Ablauf des 9-Euro-Tickets deutlich an.
Der Rhein-Main Verkehrsverbund hebt die Tarife nach dem Ablauf des 9-Euro-Tickets deutlich an. © Arne Dedert/dpa

Der RMV hat nach eigenen Angaben 2,3 Millionen Neun-Euro-Monatstickets von Juni bis September verkauft. Hinzu kamen Zeitkarten von mehr als einer Million Kund:innen, die automatisch zum Neun-Euro-Ticket wurden. Während der Pandemie war die Fahrgastnachfrage zeitweise auf rund 30 Prozent des üblichen Niveaus eingebrochen. Im Sommer schnellte sie zurück auf das Vor-Corona-Niveau – mit etwa durchschnittlich 2,5 Millionen Fahrgästen täglich. Und das, obwohl weiterhin viele Pendlerinnen und Pendler im Homeoffice arbeiten. Marktforschungen ergaben, dass rund 30 Prozent der Fahrten durch Neukundinnen und -kunden erfolgten, heißt es beim RMV.

ÖPNV in Hessen: Nachfrage laut RMV besonders in touristisch attraktiven Regionen groß

Vor allem im Freizeitverkehr auf schnellen Regionalexpressverbindungen sowie in touristisch besonders attraktiven Regionen habe der Verbund eine spürbar gestiegene Nachfrage festgestellt. Die sei auf ein Angebot gestoßen, das wegen der sehr kurzfristigen Einführung des Tickets nicht hätte erweitert werden können. Weder die Anzahl der Mitarbeitenden noch die der verfügbaren Fahrzeuge hätten in einer solchen Vorlaufzeit signifikant hochgefahren werden können.

Das Gros der Kundschaft habe es mit Fassung genommen, sagte RMV-Geschäftsführer Knut Ringat. „Der absolut überwiegende Teil der Fahrgäste hatte Verständnis, dass bei so einem extrem günstigen Angebot Engpässe auftreten können.“

Das Neun-Euro-Ticket habe gezeigt, welche Potenziale der öffentliche Nahverkehr besonders im Freizeitverkehr habe. Zugleich sei deutlich geworden, dass mehr Kapazitäten bei Schiene und Personal sowie zusätzliche Fahrzeuge nötig seien. „Es liegt nun an der Politik, attraktive Nachfolgeangebote einzuführen, das Streckennetz auszubauen und die Finanzierung eines leistungsfähigen öffentlichen Nahverkehrs dauerhaft zu sichern.“ Der RMV schließt sich dem Vorschlag des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) an, der für ein bundesweit gültiges 69-Euro-Monatsticket plädiert.

ÖPNV in Hessen: Grüne fordern 365-Euro-Jahreskarte als nächsten Schritt

Die hessischen Grünen haben als ersten Schritt eine 365-Euro-Jahreskarte für Menschen mit niedrigem Einkommen ins Spiel gebracht – auf Kosten des Bunds, der Fahrgastverband Pro Bahn Hessen eine dreistufige Flatrate mit einer RegioVariante, etwa für das Rhein-Main-Gebiet, einer Bundesland-plus-Flatrate, die Hessen und zwei weitere Bundesländer umfasst, und eine bundesweit in allen öffentlichen Nahverkehrsmitteln gültige Karte.

Ohne Aufstockung staatlicher Mittel ist das illusorisch. Der vom Neun-Euro-Ticket befeuerte Boom des öffentlichen Nahverkehrs würde im Keim erstickt. Der RMV braucht nach eigenen Angaben dringend mehr staatliche Zuschüsse. Einem Gutachten zufolge wird sich bis 2030 der Finanzbedarf verdoppeln. Mehr als 90 Prozent der erwarteten Kosten entfallen auf die bestehenden Angebote, nur ein kleiner auf deren Ausbau. Wie der RMV ausführt, betragen die Gesamtkosten für den Bus- und Bahnverkehr knapp zwei Milliarden Euro. Gut jeder zweite Euro stammt aus Fahrgeldeinnahmen, der Rest aus öffentlichen Mitteln. (Jutta Rippegather)

Auch interessant

Kommentare