Bewerbermangel ist nicht der Grund

Auch Kreis Offenbach betroffen: An etwa 100 hessischen Schulen gibt es keine Schulleitung

Offiziell gibt es keine Probleme bei der Besetzung von Schulleiter-Posten. Beklagt werden allerdings bisweilen nicht nachvollziehbare Personalentscheidung der Bürokratie. 
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Offiziell gibt es keine Probleme bei der Besetzung von Schulleiter-Posten. Beklagt werden allerdings bisweilen nicht nachvollziehbare Personalentscheidung der Bürokratie. 

Etwa 100 Schulen in Hessen müssen derzeit ohne Schulleitung auskommen. Auch im Kreis Offenbach gibt es Beispiele dafür. Das Hessische Kultusministerium nennt Gründe. 

Offenbach/Wiesbaden/Hanau – Zwei Jahre lang war die Stelle der Schulleitung in der Hermann-Hesse-Schule in Obertshausen unbesetzt – was eine zusätzliche Belastung für die stellvertretende Schulleiterin bedeutete. Bis das Schulamt beim ehemaligen Schulleiter Ulrich Schmidt anfragte, ob er die Leitung kommisarisch übernehmen könne – nun ist der alte auch der neue Schulleiter (wir berichteten). Auch in der Rodgauer Georg-Büchner-Schule ist seit dem Abgang von Schulleiter Winfried Döring die Stelle unbesetzt.

Diese zwei Beispiele werfen die Frage auf, ob es in Hessen ein grundsätzliches Problem bei der Besetzung von Leitungspositionen an Schulen gibt. Mitnichten, sagt Susanne Meißner, Leiterin der Schulämter in Offenbach und Hanau. Die geschilderten Fälle seien Einzelfälle, die Stelle in der Georg-Büchner-Schule sei noch unbesetzt, weil es eine Klage gegen die geplante Besetzung gebe.

Ein Sprecher des Hessischen Kultusministeriums berichtet, dass es in diesem Zusammenhang häufiger zu juristischen Auseinandersetzungen komme. Er spricht gar von einer gewissen „Klagewütigkeit“: „Mitbewerber klagen, weil sie sich bei der Besetzung einer Stelle übergangen fühlen.“ Das hänge auch mit dem komplizierten Verfahren im Beamtenrecht zusammen. Dennoch seien die geschilderten Fälle „nicht exemplarisch“.

100 Schulen in Hessen fehlt die Leitung - auch Kreis Offenbach betroffen 

Von etwa 1 800 Schulen in Hessen seien derzeit ungefähr 100 ohne Schulleitung. „Aber das bedeutet ja nicht, dass die Schule nicht geleitet wird.“ Vielerorts übernähmen die Stellvertreter vorübergehend die Aufgaben. „Es hat oft verfahrenstechnische Gründe, warum eine Stelle nicht zeitnah besetzt wird. Das ist nicht auf einen Mangel an Bewerbern zurückzuführen“, so der Sprecher. Das Land Hessen habe schon vor einigen Jahren mit einer besseren Bezahlung für Leitungen für Anreize gesorgt und auch neue Stellen in dem Bereich geschaffen. „Es gibt vereinzelt Schulen, wo es problematisch ist, die Schulleitung zu besetzen, das hängt aber mit den Besonderheiten der jeweiligen Schulen zusammen“, heißt es weiter aus dem Kultusministerium. Bei Oberstufengymnasien sei es grundsätzlich kein Problem, Bewerber für Schulleitungen zu finden, schwieriger sei es hingegen manchmal bei Grundschulen, „aber es gibt diesbezüglich keine negative Entwicklung“.

Auch Stefan Wesselmann, hessischer Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), glaubt nicht, dass es in Hessen grundsätzlich Schwierigkeiten bei der Besetzung von Schulleitungsposten gibt. „Die Problematik ist vielschichtig und man muss differenzieren, was die Gründe sind“, sagt er. Für die finanziell weniger attraktiven Stellen in Schulleitungen an Grundschulen gebe es mehr Besetzungsprobleme: „Da wird eine Stelle auch erneut ausgeschrieben, weil sich im ersten Durchgang niemand beworben hat.“ Oft sei die Schulaufsicht froh, wenn sich überhaupt jemand melde. Dabei würden dann oft die fachlichen und menschlichen Qualifikationen zu wenig berücksichtigt. „Da wird mitunter einfach der einzige Bewerber genommen – was nicht selten dann zur Entstehung oder Verschärfung von Konflikten an einer Schule beiträgt.“

An 100 Schulen fehlt die Schulleitung - Kultusministerium äußert sich 

Anders sei es dagegen an weiterführenden Schulen, wo es eher zu Konkurrenzsituationen bei Bewerbungen komme. „Hier werden Besetzungsverfahren nicht selten juristisch ausgebremst, weil unterlegene Bewerber Rechtsmittel einlegen. Landet die juristische Auseinandersetzung gar vor Gericht, kann es vorkommen, dass Funktionsstellen jahrelang unbesetzt bleiben“, erläutert Wesselmann.

Mitunter sei die Bildungsverwaltung selbst das Problem für langwierige Stellenbesetzungen: „Wenn nämlich von einem Staatlichen Schulamt oder dem Kultusministerium Menschen auf eine Funktionsstelle gesetzt werden sollen, die nicht über die geeigneten Qualifikationen verfügen.“ Er kritisiert, dass die Verfahren und Entscheidungen „nicht transparent sind“. So sei es vorgekommen, dass Bewerber, die zuvor in den zuständigen Behörden arbeiteten, plötzlich die einzig verbliebenen Kandidaten seien, obwohl sich zuvor besser qualifizierte Personen um die Stelle beworben hätten. Wesselmann möchte das nicht weiter kommentieren, ein „Geschmäckle“ habe das jedoch allemal.  Von Niels Britsch

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