Düstere Prognose

Verdopplung der Corona-Fälle in Hessen? Mehr Intensivbetten geplant

Intensivstation
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In Hessen soll die Versorgung mit Intensivbetten ausgebaut werden (Symbolbild).

Die Auslastung der hessischen Krankenhäuser nimmt mit steigenden Corona-Zahlen täglich zu. Jetzt sollen auch weitere Intensivbetten zur Verfügung gestellt werden.

  • Hessen verfügt aktuell über 2.171 betreibbare Intensivbetten.
  • Bei ungebremstem Infektionsgeschehen könnte Hessen eine Verdopplung bis Verdreifachung der Corona-Fälle drohen.
  • Die Zahl der verfügbaren Intensivbetten in hessischen Krankenhäusern soll ausgebaut werden.

Update vom Donnerstag, 29.10.2020, 17.20 Uhr: Ein Team von Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes errechnet mit ihrem „Covid-Simulator“ Prognosen zur Entwicklung der Corona-Zahlen. Wie die „hessenschau“ berichtet, kommen sie dabei für Hessen zu einem erschreckendem Ergebnis: Wenn die aktuelle Entwicklung so weitergeht, könnte es im Bundesland innerhalb der nächsten zwei Wochen zu einer Verdopplung oder gar Verdreifachung der täglichen Corona-Infektionszahlen kommen. Da somit auch die schweren Corona-Fälle zunehmen würden, bedeute dies ebenso eine steigende Belegung der Intensivbetten im Bundesland.

Bei ungebremster Entwicklung des Corona-Infektionsgeschehens wäre laut Prognose der Saarländer Wissenschaftler die derzeitige Kapazitätsgrenze an verfügbaren Intensivbetten in Hessen voraussichtlich bereits Mitte November erreicht. Trotz des nun verkündeten Teil-Shutdowns erklärt Pharmazie-Professor Thorsten Lehr von der Universität des Saarlandes gegenüber der „hessenschau“, dass die Welle der schweren Corona-Fälle die Krankenhäuser erst mit einer Verzögerung von drei bis vier Wochen erreiche. „Selbst bei einer Vollbremsung hätten wir einen Verzug von ungefähr drei bis vier Wochen, was die maximale Belegung in den Krankenhäusern angeht“, so der Professor.

Laut dem DVI-Intensivregister verfügen die Krankenhäuser in Hessen derzeit noch über 417 freie Intensivbetten, weitere 1.010 können als Notfallreserve innerhalb einer Woche zur Verfügung gestellt werden. Nach Auskunft des hessischen Sozialministeriums soll aufgrund der steigenden Corona-Zahlen in Hessen zudem ein Ausbau der Intensivbetten-Kapazitäten in Vorbereitung sein.

Alle 19 Intensivbetten in der Kreisklinik Groß-Gerau sind derzeit belegt.

Auslastung der Kliniken in Hessen – Alle Intensivbetten in Groß-Gerau belegt

Update vom Freitag, 23.10.2020, 17.28 Uhr: In der Kreisklinik in Groß-Gerau befinden sich derzeit zwar nur zwei Corona-Patienten auf der Intensivstation, dennoch ist die Station komplett ausgelastet. Daher musste die Klinik in Groß-Gerau am Donnerstag (22.10.2020) von der Notfallversorgung vorerst abgemeldet werden.

Groß-Gerau verfügt derzeit über 19 Intensivbetten. Diese sind zum aktuellen Zeitpunkt vor allem mit anderen Intensiv-Fällen belegt, da die Corona-Freihaltepauschale von Intensivbetten ausgelaufen ist. Für eine Aufstockung der Betten fehlt es der Klinik an Geld – das teilte Prof. Dr. Erika Raab, Geschäftsführerin der Kreisklinik Groß-Gerau, der „hessenschau“ mit.

Auslastung der Kliniken in Hessen: Zahl der freien Beatmungsbetten sinkt

Update vom Donnerstag, 22.10.2020, 12.46 Uhr: In hessischen Krankenhäusern müssen mittlerweile deutlich mehr Corona-Infizierte behandelt werden als noch in der vorigen Woche. Wie das Hessische Sozialministerium mitteilt, befinden sich Stand 22. Oktober 567 Corona-Patienten in den hessischen Kliniken. Von diesen werden aktuell insgesamt 110 intensivmedizinisch betreut und beatmet.

Während die Zahl der Corona-Patienten in hessischen Kliniken steigt, stehen in den Krankenhäusern also gleichzeitig weniger freie Beatmungsbetten zur Verfügung. Laut Hessischem Sozialministerium beläuft sich die Zahl der aktuell freien Beatmungsbetten auf 599.

Auslastung der Intensivbetten – Werden die Plätze in Hessen knapp?

Erstmeldung vom Sontag, 18.10.2020: Wiesbaden – Dem bundesweiten Trend der steigenden Corona-Neuinfektionen folgend, nehmen die Fallzahlen auch in Hessen kontinuierlich zu. So sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts seit Beginn der Pandemie (RKI) hessenweit 25.440 Bestätigte Infektionen mit dem Corona-Virus erfasst. Während das Corona-Kabinett in Wiesbaden die Debatte um die Aufhebung des hessischen Beherbergungsverbots ganz oben auf seine Agenda gesetzt hat, stellen sich in den sozialen Medien immer mehr Nutzerinnen und Nutzer die Frage, wie es eigentlich um die Auslastung der Intensivbetten im Bundesland bestellt ist.

Trotz steigender Corona-Zahlen: Ausreichend Intensivbetten in Hessen

Wie aus Zahlen der Deutschen interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hervorgeht, beträgt die Zahl der aktuell (Stand Donnerstag, 29.10.) betreibbaren Intensivbetten in Hessen insgesamt 2.171. Darüber hinaus existiert zudem eine Notfallreserve von weiteren 1.010 Intensivbetten, die innerhalb von sieben Tagen aufstellbar ist. Aktuell sollen nach Informationen des DIVI 1.754 Intensivbetten in Hessen belegt sein. Von den derzeit 165 Covid-19-Fällen, die sich in hessischen Krankenhäusern in Behandlung befinden, werden demnach 94 Patientinnen und Patienten invasiv beatmet. Das entspricht einem Anteil von rund 57 Prozent.

Intensivbetten in Hessen: Pflegenotstand in der Corona-Krise

Die Sorge also, dass Hessen über zu wenig Intensivbetten verfüge und im weiteren Verlauf der Corona-Pandemie ein Engpass drohen könnte, scheint zunächst unbegründet. Interessant wird es jedoch bei der Frage danach, wie es um die Versorgung der Patientinnen und Patienten in den Intensivbetten am Ende des Tages bestellt ist.

Denn ein Pflegenotstand herrscht auch in Hessen nicht erst seit dem Beginn der Corona-Krise. In Krankenhäusern, Pflege- und Altenheimen arbeiten viele Pflegekräfte bereits jahrelang jenseits der Grenze ihrer Belastbarkeit und unter den Bedingungen der Corona-Pandemie werden diese Belastungen nicht geringer - da kann auf den Balkonen noch so viel geklatscht werden. (Von Joel Schmidt mit dpa)

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