Wie die Region in Köln vertreten ist

Computerspielemesse Gamescom: Hessen will mitmischen

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Die Gamescom – weltgrößte Messe für Computerspiele – wird in den nächsten Tagen wieder Besuchermassen anziehen.

Köln/Offenbach - Die Protagonisten der Game-Welt regieren noch immer aus dem Ausland, aber Deutschland will die Krone. Held im Zock um die Herrschaft: Hessen. Nicht nur beim Deutschen Computerspielpreis räumte die Region im April mächtig ab. Auch auf der gestern gestarteten Gamescom in Köln mischt sie mit. Wenn nur das liebe Geld nicht wäre. Von Eva-Maria Lill

Nintendo, Bandai Namco, Crytek: Die Liste der Studios und Produzenten, die ihre Rechner in der Region hochgefahren haben, liest sich wie eine Branchen-Highscore-Liste. Seit 2007 sind 27 von ihnen unter dem Dach der Gamearea-FRM versammelt, um Kontakte zu knüpfen und sich über Gott und Games auszutauschen. Der Verein umfasst nicht nur die Kreativen, sondern ebenfalls die, die helfen können, wenn’s mal weniger lustig kommt: Anwälte, Steuerberater. Auch auf der Gamescom ist die Region Rhein-Main vertreten. am Stand tummeln sich Fans und Firmen. Die Stimmung ist prima. „Eigentlich geht’s uns gut“, sagt Jens Schäfer, Pressechef von Entwickler-Primus Crytek und Vorstandsmitglied der Gamearea, dieser Zeitung. Er zögert und betont nochmals: „Eigentlich.“ Während in Bayern oder Berlin Fördergelder in die Wachstumsbranche fließen, sieht’s in Hessen mau aus.

Dabei sind Frankfurt und Umgebung schon lange ein Lieblingsort für Computerspielentwickler – Flughafen und Internationalität sei Dank. „Frankfurt ist repräsentativ, die Skyline schaut auch vom Taunus aus nach Seriosität aus“, sagt Schäfer. Das kommt bei Firmen an, besonders bei solchen, die ihre Finger auch jenseits von Europa ausstrecken.

Erst siedelten sich Anfang der 80er die großen Vertriebsunternehmen in der Region an: Sony in Neu-Isenburg, Bandai Namco in der Mainmetropole, Nintendo of Europe in Großostheim. Etwas später folgten Studios: Crytek ist vermutlich das bekannteste, es wurde 1999 in Frankfurt gegründet. Das Unternehmen trumpfte 2004 mit dem Ego-Shooter FarCry auf, die Marke wurde mittlerweile nach Frankreich an Ubisoft verkauft. Keen Games gewannen dieses Jahr mit „Portal Knights“ den Deutschen Computerspielpreis, Deck13 wurde unter anderem 2014 als bestes deutsches Studio gekürt. Doch nicht alle Firmen können sich auf solchen Erfolgen betten. Die Branche ist noch immer mit Eigenkapital und Risiko verbunden. „Wir brauchen eine spezielle Förderung, um auf Dauer mithalten zu können“, verdeutlicht Schäfer. An der Qualität der Spiele liege Deutschlands ständiges Underdog-Dasein jedenfalls nicht.

Spiele, Brillen, Figuren: Die Trends der Gamescom

Bisher sorgt allein die HesenFilm und Medien mit Sitz in Frankfurt für etwas staatliches Startkapital. Sie umsorgt gute Ideen und Prototypen mit 5000 bis 10.000 Euro pro Titel. Nicht viel, aber oft reiche das, um private Unterstützer für ein Projekt zu gewinnen, sagt Geschäftsführer Hans Joachim Mending. „Die Branche wird langsam interessanter für uns“, betont er. Allerdings: „Für eine eigene Förderung liegen uns zu wenig Anträge vor. Erst wenn die Nachfrage groß genug ist, kann man darüber nachdenken.“

Dennoch sieht der Filmförderungs-Chef Potenzial am Markt: „Games verändern die Art, wie wir Geschichten wahrnehmen“, sagt er etwa. Und: „Wir sind da noch lange nicht am Ende.“ Auch Schäfer freut sich über die steigende Anerkennung seiner Branche. Selbst in den Programmen für die Bundestagswahl im September hätten alle Parteien „zumindest irgendwie irgendwas“ über Spiele geschrieben. Besser als nichts, findet der Experte.

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