Erheblicher Widerstand im Umland

Hessen-Center wird doch nicht vergrößert

Frankfurt - Das Hessen-Center wird nun doch nicht erweitert. Das hat der neue Centermanager, Olaf Kindt, gestern auf Anfrage bestätigt. Von Christoph Manus 

Die Hamburger Betreibergesellschaft ECE hatte vorgehabt, das Einkaufszentrum im Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim um 14.000 Quadratmeter Verkaufsfläche zu vergrößern. Diese Pläne waren jedoch in Hanau, Bad Vilbel, aber auch in Offenbach auf Widerstand gestoßen. Um die Erweiterung zu ermöglichen, hätte die Stadt Frankfurt zudem eine Abweichung vom geltenden Regionalplan beantragen müssen.
Man sei in den Gesprächen über die Erweiterung des Centers nicht entscheidend vorangekommen, sagt Kindt. Eine kurzfristige Lösung sei nicht mehr absehbar gewesen. Deshalb ziehe man jetzt den Schlussstrich und konzentriere sich auf die Modernisierung des Zentrums mit gut 38.000 Quadratmeter Verkaufsfläche.

Noch im Sommer sollen mit dem Abriss eines Parkdecks die Arbeiten beginnen. Ziel ist es unter anderem, den Zugang von der Borsigallee ins Hessen-Center zu verbessern. Die Fassade soll neu gestaltet, das im Jahr 1971 eröffnete Zentrum auch im Innern modernisiert werden. So soll, wie Kindt sagt, unter anderem ein Aufenthaltsbereich für Kinder entstehen. Parallel ist ECE gerade dabei, die Fläche des Ende April geschlossenen riesigen Rewe-Markts neu zu vermarkten.

Planungsdezernent Mike Josef (SPD) sagt, es habe mit ECE Gespräche über verschiedene Varianten einer Erweiterung des Einkaufszentrums gegeben. Weil diese nicht konform zum Einzelhandelskonzept des Regionalverbands sei, wären die Pläne nach seiner Einschätzung sehr schwer umzusetzen gewesen. Denn schon für eine Erweiterung um nur 2 000 Quadratmeter wäre die Einleitung eines sogenannten Zielabweichungsverfahrens nötig, sagt er.

Der Vorsitzende des Handelsverbands Frankfurt, Joachim Stoll, zeigt sich ein wenig überrascht, dass ECE die Erweiterungspläne aufgibt. „Ich glaube aber, dass das eine gute Entscheidung für die Stadt ist“, sagt er. In diesem Stadtteil neue große Einzelhandelsflächen zu schaffen, wäre aus seiner Sicht ein Fehler gewesen. Gut sei aber, dass ECE nun in die Modernisierung des Centers investiere.

Die Bergen-Enkheimer Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese (CDU) bedauert die Entscheidung dagegen. „Wir brauchen ein gesundes Einkaufszentrum.“ Das Hessen-Center müsse saniert werden, „dazu hätte der Ausbau gehört“ – mit der Erweiterung der Gastronomie, einer Grünfläche und einer Öffnung zum Stadtteil hin.

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Im Frankfurter Umland atmet man auf. Martin Bieberle, Hanaus Stadtentwickler und Geschäftsführer der städtischen Marketing GmbH, sagte, er sei „froh und erleichtert“, dass das Hessen-Center von der geplanten Erweiterung Abstand genommen hat. Die Pläne seien nicht mit den Vorgaben des regionalen Flächennutzungsplans vereinbar und hätten dem Einzelhandel im nahegelegenen Hanau geschadet.

Die Stadt Hanau hat in den vergangenen Jahren viel Geld für den Umbau der Innenstadt ausgegeben, auch, um den Handel zu fördern. Dies sollte nicht durch den Ausbau des Centers torpediert werden, weshalb sich die Stadt wehrte und unter anderem ein Rechtsgutachten erstellen ließ. „Wir haben die Nachricht positiv aufgenommen, dass die Erweiterung vom Tisch ist“, sagt Bad Vilbels Stadtsprecher Yannick Schwander. „Das Thema ist für uns jetzt erledigt.“

Rubriklistenbild: © dpa

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