Bauern erwarten Einbußen

Dürre Zeiten, magere Ernte

Offenbach - Endlich mal wieder richtig Sommer! In vielen Regionen gibt es seit Wochen vor allem Sonnenschein. Es herrschen Temperaturen wie am Mittelmeer. Was des einen Freud, ist des anderen Leid: Bauern und Gärtnern fehlt der Regen. Die Folgen sind mancherorts dramatisch.

Bernd Weber, Sprecher des hessischen Bauernverbands

Die Dürre der vergangenen Wochen führt nach Ansicht von Bauern zu Einbußen in Hessens Landwirtschaft. „Wir gehen davon aus, dass die Getreide-Erträge wegen der Trockenheit je nach Standort und Niederschlagsverteilung im Durchschnitt zwischen zehn und 30 Prozent sinken“, sagte Bernd Weber vom hessischen Bauernverband im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Marc Kuhn.
Es regnet seit Wochen kaum. Wie schlimm ist die Dürre aus Sicht der Bauern?
Sie ist gravierend. Über einen so langen Zeitraum war es schon seit Jahren nicht mehr so trocken. In einigen Gebieten hat es seit April nicht mehr geregnet. Für die Bauern spielt aber auch der Boden eine Rolle. Lössboden speichert Wasser, Sandboden nicht. Das ist von Standort zu Standort verschieden. Sicher ist, dass die Trockenheit Erträge in der Landwirtschaft kostet. Hitze oder Regen – wir kommen schließlich von einem Wetterextrem zum anderen. Die Extreme sind zur Normalität geworden.

Wie wirkt sich die Trockenheit auf die Ernte in Hessen aus?

Trockenheit ist natürlich schlecht für die Pflanzen. So hat die Reife beim Weizen zu früh eingesetzt. Die Körner bleiben klein. Das kostet Ertrag. Weizen wird normalerweise Ende Juli geerntet. Er wird aber schon jetzt gedroschen. Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais sind ebenfalls von der Trockenheit betroffen. Sie stehen aber noch länger auf den Feldern. Das können Niederschläge verbessern.

Und wie schlimm sind die Auswirkungen auf das Obst?

Beim Obst sind die Folgen der Dürre nicht so gravierend. Bäume haben ja tiefere Wurzeln als Getreide. Deshalb kommen sie eher an Wasser. Aber selbst die Kirschen sind in diesem Jahr kleiner.

Müssen die Verbraucher mit steigenden Preisen rechnen?

Ich würde sagen nein. Der Anteil von Weizen im Brot und Brötchen ist sehr klein. Andere Faktoren spielen eine größere Rolle. Wir gehen davon aus, dass die Getreide-Erträge in Deutschland und Hessen wegen der Trockenheit je nach Standort und Niederschlagsverteilung im Durchschnitt zwischen zehn und 30 Prozent sinken. Getreide wird aber weltweit gehandelt. Die Ernteergebnisse müssen global betrachtet werden.

Welche Folgen hat die Dürre auf die Tierbestände der Bauern?

Da gibt es in der Tat Engpässe. Die Tiere werden mit Silage gefüttert. Diese Futter-Konserve wird aus Gras hergestellt. Der erste Schnitt des Grases war Anfang Mai, der zweite Ende Mai war bereits schlecht. Jetzt steht der dritte Schnitt an. Und der bringt gar nichts. Das Futter fehlt den Landwirten. Deshalb hat der Verband beantragt, ökologische Vorrangflächen nutzen zu können. Das sind Äcker, auf denen die Ökologie Vorrang hat. Für die Kreise Kassel, Schwalm-Eder und Werra-Meißner wurde das erlaubt. In allen anderen Regionen müssen die Landwirte Einzelfall-Anträge stellen.

Wird die Trockenheit aus Ihrer Sicht noch anhalten?

Die Probleme sind nicht beseitigt, auch wenn es ein bisschen geregnet hat. Das war nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Böden sind knochentrocken. Das Regenwasser fließt einfach ab. Für das Getreide ist es ohnehin zu spät.

Neue Bauernregeln für eine Landwirtschaft mit Zukunft: Fotos

Fordern die Bauern von der hessischen Landesregierung Hilfen wegen der Dürre?

Ich denke, die Situation in Hessen ist nicht so schlimm wie in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und in Teilen Niedersachsens. Der Verband hat noch keinen Antrag gestellt. Es ist nicht unser Ding, gleich nach dem Staat zu rufen. Aber Ertragseinbußen von zehn Prozent tun schon weh. In Einzelfällen drohen den Bauern Verluste von 60, 70 oder 80 Prozent. Das ist auf jeden Fall existenzgefährdend. Dann werden wir an die Landesregierung herantreten.

Ist aus Ihrer Sicht wegen der Trockenheit mit Bränden zu rechnen?

Die Brandgefahr ist ein Riesenthema. Bei Trockenheit steht ruckzuck ein ganzes Feld in Flammen. Das ist in Hessen schon geschehen. Das bisschen Regen hilft nichts.

Rubriklistenbild: © Symbolfoto: dpa

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