Heute unbeliebt, morgen ein Held

Tavares: „Opel hat eine großartige Mannschaft“ 

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Carlos Tavares J  Foto: dpa

Rüsselsheim - Carlos Tavares ist ein ernsthafter Mensch. Seine Aussagen sind klar und unmissverständlich. „Leistung ist der beste Schutz“, lautet das Credo des zuvor für Renault und Nissan tätigen PSA-Chefs. Bei der Pressekonferenz zur Zukunft von Opel umwirbt er die Mitarbeiter und nimmt sie in Schutz.

Der 59-Jährige verkörpert eine seltsame wie seltene Mischung aus Philanthropie und Schonungslosigkeit. Floskeln vermeidet er auch bei der gestrigen Pressekonferenz in Rüsselsheim. Der Automobilmanager weiß um die Bedeutung der Stunde und hält dennoch nicht mit unbequemen Wahrheiten hinter dem Berg. Zugleich umwirbt er die Mitarbeiter: „Opel hat eine großartige Mannschaft, die großes Interesse daran hat, ihr Potenzial zu entfalten“, lobt der Portugiese und nimmt die Belegschaft in Schutz: „Menschen sind nicht das Problem, Menschen sind die Lösung.“ Sein Appell: Es muss ein gemeinsames Verständnis und einen ausgeprägten Sinn für die Dringlichkeit der Opel-Rettung geben.

„Wir betreiben kein Mikromanagement“, sagt Tavares und meint damit, dass PSA dem Opel-Chef Michael Lohscheller relative Freiheiten einräumt, um in nur zwei Jahren ein überaus ehrgeiziges Ziel zu erreichen. Diese Aufgabe müsse ohne Furcht und mit großem Verantwortungsbewusstsein wahrgenommen werden, mahnt der PSA-Manager.

Dass gewisse Härten unvermeidbar sind, unterstreicht Tavares’ Aussage: „Die unbeliebten Chefs von heute werden die Helden von morgen sein.“ Es könnte aber auch genau andersherum laufen, sollten die Vorgaben aus Paris nicht erfüllt werden. Dass dem kühl auftretenden und technokratisch wirkenden Südeuropäer ökonomische Rationalität mitunter als Arroganz ausgelegt wird, kann ihn nicht aus der Reserve locken: Solche Attribute seien ihm egal.

Verbrennungsmotoren im Vergleich

Nicht egal jedoch sei ihm, welche Lösung für die Belegschaft angeboten werden kann, sagt Tavares, der unvermittelt die emotionale Karte ausspielt: „Es tut mir leid, wie viel Schmerz diesem Unternehmen zugefügt worden ist.“ Darauf folgt aber wieder ein typischer Tavares-Satz: Er wolle „auf freundliche und verantwortungsbewusste Weise sagen, dass wir keine Minute zu verlieren haben“. (cm)

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