Täter wohl raffiniert

Skandal bei Spielbank in Bad Homburg: Millionenbetrag verschwunden - Mitarbeiter unter Verdacht

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Skandal bei Spielbank in Bad Homburg: Millionenbetrag verschwunden - Mitarbeiter unter Verdacht

Von über einer Million Euro, die in der Spielbank lagerte und bei der Bank landen sollte, ist kein Cent dort angekommen. Ein Mitarbeiter soll das Geld unterschlagen haben – auf raffinierte Art, aber offenbar ohne dabei an die Sicherheitsmaßnahmen des Casinos zu denken. Jetzt sitzt er in Haft.

Bad Homburg - Spielbanken gehören nicht ohne Grund zu den bestgesicherten Unternehmen des Landes, denn die Aussicht auf schnellen und hohen Gewinn zieht nicht nur ehrliche Spieler an. Betrügereien an den Tischen werden durch Sicherheitsmaßnahmen erschwert. Akribisch wird darauf geachtet, dass kein Croupier mit einem Jeton verschwindet, kein Kunde das Haus betrügt. Trotzdem sind in der Spielbank Bad Homburg rund 1,1 Millionen Euro abhandengekommen – nicht im Saal, nicht bei Spielern, sondern im gesicherten internen Bereich des Unternehmens. 

Spielbank Bad Homburg: Das Geld kam wohl nie im Tresor an

Statt das Geld aus dem Tresor zur Bank zu bringen, hat es ein Angestellter der Spielbank – möglicherweise mit Unterstützung von Mittätern – an sich gebracht und behalten. So fasst es zumindest die Staatsanwaltschaft Frankfurt in einer ersten Stellungnahme zusammen und bestätigte damit eine entsprechende Information dieser Zeitung. „Die Staatsanwaltschaft Frankfurt führt seit Ende Januar Ermittlungen gegen drei Mitarbeiter der Spielbank Bad Homburg im Alter zwischen 20 und 31 Jahren wegen des Verdachts der Unterschlagung von Bargeldbeträgen in Höhe von etwa 1,1 Millionen Euro“, sagt Oberstaatsanwältin Niesen. 

Einer der Beschuldigten, der von der Behörde als mutmaßlicher Haupttäter eingestuft wird, wurde Ende April festgenommen und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. „Er soll im Rahmen seiner Tätigkeit als kaufmännischer Mitarbeiter der Spielbank die Gelder aus einem Tresor entnommen und entgegen seiner Verpflichtung nicht auf das Konto der Spielbank eingezahlt, sondern für sich behalten haben.“ Welche kriminellen Handlungen der Beschuldigte im Einzelnen begangen hat und inwieweit die beiden Mitbeschuldigten an diesen Taten beteiligt waren, sei noch Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Tresortür auf, Geld raus, Tresortür zu – so simpel war es nicht. 

Millionenbetrag verschwunden: Verdächtiger sitzt in U-Haft

Nach Informationen dieser Zeitung griff der Mann vor der Festnahme im vergangenen Monat in einem Bereich zu, von dem er eigentlich hätte wissen müssen, dass er dort bei seiner Tat gefilmt werden würde. Dass die Ermittlungen schon im Januar begonnen haben, lässt allerdings darauf schließen, dass es schon vorher Hinweise auf Unregelmäßigkeiten gab. Besuch in Wiesbaden Dabei steht auch im Raum, dass der Täter das Geld nicht einfach nur so eingesteckt haben dürfte – das Geld liegt in einem Casino stets in gesicherten Behältnissen. Was mit dem fehlenden Geld passiert ist, beziehungsweise ob und wie viel die Spielbank davon zurückbekommt, ist derzeit noch unklar. 

Allerdings soll der mutmaßliche Haupttäter mehrfach als Gast in der Spielbank Wiesbaden gesehen worden sein. Dabei soll er bei seinen Besuchen mit durchaus extravaganten und teuren Mietwagen vorgefahren sein. Wegen der schwerwiegenden Vorkommnisse wurde für den späten gestrigen Abend der Verwaltungsrat der Spielbank zu einer Sondersitzung zusammengerufen, auf der die Mitglieder über den kriminellen Coup informiert werden sollten. Ergebnisse aus der Sitzung lagen Redaktionsschluss noch nicht vor. Die Stadt gab sich gestern zurückhaltend. In einer ersten Stellungnahme teilte sie lediglich mit: „Wir können bestätigen, dass der Verdacht besteht, dass es zu Unterschlagungshandlungen zulasten der François-Blanc Spielbank GmbH (FBS) durch einen Mitarbeiter gekommen ist.“ 

Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt, Spielbank Bad Homburg hat Anzeige erstattet

Die Spielbank habe Anzeige erstattet und unterstütze die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt. Außerdem teilte die Stadt auf Anfrage mit: „Der im Verdacht stehende Mitarbeiter ist nicht mehr für die FBS tätig.“ Wegen der andauernden Ermittlungen und der „noch nicht abgeschlossenen Sachverhaltsaufklärung“ könne man derzeit keine weitergehenden Auskünfte geben. Welche finanzielle Dimension der Fall hat, zeigt ein Blick auf die Casino-Zahlen: Das Jahresergebnis der städtischen Tochtergesellschaft François-Blanc-Spielbank GmbH wies 2017 einen Überschuss von 1,13 Millionen Euro aus. Der unterschlagene Betrag entspricht also ungefähr der Höhe eines Jahresgewinns der Gesellschaft. Allerdings spült das Casino weit mehr in die Kassen der öffentlichen Hand. 

Die Spielbank hatte im Geschäftsjahr 2017 laut städtischem Beteiligungsbericht einen Brutto-Spielerlös (die Differenz zwischen Einnahmen und Gewinnausschüttung) von 26,76 Millionen Euro verzeichnet – Tendenz steigend. Nicht vergleichbar Dieses Geld wandert allerdings nicht automatisch in den Haushalt von Kur oder Stadt, sondern zum größten Teil (66,7 Prozent) als Spielbankabgabe an das Land Hessen. Von diesen Zahlungen bekommt die Stadt rund ein Drittel rücküberwiesen. Für Oberstaatsanwältin Niesen hat der mutmaßliche Täter übrigens Neuland betreten: „Vergleichbare Fälle sind mir momentan nicht bekannt.“

von Harald Konopatzki

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