Plädoyer der Verbraucherzentrale Hessen 

Interview: "Stets in die Rentenversicherung einzahlen!"

Frankfurt - Die Rentenversicherung gerät immer wieder ins Gerede. So ist beispielsweise ihre Rendite unter Experten umstritten. Dennoch erinnert die Verbraucherzentrale Hessen daran, dass es für Arbeitnehmer in Deutschland wegen der Zusatzleistungen wichtig ist, in ihrem Arbeitsleben stets in die Rentenversicherung einzuzahlen.  Von Marc Kuhn

Katharina Lawrence berät bei der Verbraucherzentrale Hessen Kunden in Versicherungsfragen.

„Gerade diese zusätzlichen Leistungen sind meist am Markt privat nicht einzukaufen oder je nach Gesundheitszustand und Alter bei Vertragsschluss haben sie ihren Preis“, sagte ihre Versicherungsexpertin Katharina Lawrence im Interview mit unserer Zeitung. 

Die Deutsche Rentenversicherung spricht in den nächsten Jahrzehnten von einer Jahresrendite von zwei bis drei Prozent. Wie sehen Sie das?

Die Deutsche Rentenversicherung ist ein umlagenbasiertes System. Die zu erwartenden Renditen hängen in vielem von ganz anderen Parametern ab als die bei Renten aus kapitalgedeckten Rentenversicherungen. Deshalb sind Renditevergleiche zwischen kapitalgedeckten und umlagebasierten Renten problematisch. Interessant ist es aber, sich die konkreten Einzelbeispiele der Deutschen Rentenversicherung anzuschauen und nachzurechnen. Nach wie vielen Monaten wäre eine Einmalanlage ohne Rentensteigerung an den Versicherten wieder auszuzahlen? Für den einzelnen heißt es dann, ob er einen Anbieter auf dem Markt findet, der ihm eine ähnlich hohe Rente garantiert.

Mit freiwilligen Zuzahlungen lässt sich die Rente aufbessern. Wie funktioniert das?

Es gibt verschiedene Gründe, bei denen eine freiwillige Zuzahlung möglich ist: Zum Beispiel eine Nachzahlung von Ausbildungszeiten oder der „Rückkauf“ von Rentenabschlägen, wenn man vorzeitig in Rente gehen will. Einzahlungen können auch in Frage kommen für Paare, die sich scheiden lassen und es in der betrieblichen Altersvorsorge zu einer externen Teilung kommt. Schließlich kann die freiwillige Beitragszahlung in die gesetzliche Rentenversicherung gerade für ein Altersvorsorgekonzept von Selbstständigen einen Baustein sein für eine risikominimierte Vorsorge. Wer freiwillig einzahlen kann und in welcher Höhe, darüber informiert die Deutsche Rentenversicherung.

Gibt es noch andere Möglichkeiten, die Rente aufzubessern?

Während des gesamten Erwerbslebens sollte man immer darauf achten, in einem verpflichtenden System wie der Rentenversicherung rentenversichert zu sein. Da diese Systeme neben der Altersrente auch weitere Leistungen kennen zum Beispiel die Erwerbsminderungsrente, Teilhabe am Erwerbsleben beispielsweise Rehaleistungen. Gerade diese zusätzlichen Leistungen sind meist am Markt privat nicht einzukaufen oder je nach Gesundheitszustand und Alter bei Vertragsschluss haben sie ihren Preis. Gerade Minijobber sollten aber nicht auf die Rentenversicherungspflicht verzichten.

Aus Sicht der Verbraucherzentrale: Wie sollten die Menschen für das Alter vorsorgen?

Menschen sollten ihren individuellen Möglichkeiten entsprechend vorsorgen. Es kommt auf die Ziele und Planungen an. Natürlich sollte man sich über geförderte Altersvorsorge wie die Riesterrente informieren. Welche Sparformen bietet der Markt, welche passt zum eigenen Leben? Auch die betriebliche Altersvorsorge kann ein Baustein sein. Da kann ein Kriterium sein, wie lange bleibt man im Betrieb, wie viel zahlt der Arbeitgeber zu?

Welche Instrumente greifen wegen der niedrigen Zinsen nicht mehr?

Altersvorsorge bedeutet Konsumverzicht im Hier und Jetzt. Geld, das nicht ausgegeben worden und im Alter noch vorhanden ist. Ob man mit diesem Geld bis Rentenbeginn eine Rendite erzielt, ist eine andere Frage.

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