„Eine bessere Krisenkommunikation ist unabdingbar“

Referentin für Marktbeobachtung über den Eier-Skandal

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Wiebke Franz von der Verbraucherzentrale in Hessen

Offenbach - Im Eier-Skandal bleiben noch viele Fragen unbeantwortet, macht Wiebke Franz, Referentin für Marktbeobachtung bei der Verbraucherzentrale Hessen, deutlich. Von Peter Schulte-Holtey

Geht es bei der Identifizierung der betroffenen Eier nur um die Stempelaufdrucke oder auch ums Mindesthaltbarkeitsdatum?

Man muss davon ausgehen, dass Hühner, die den verbotenen Stoff aufgenommen haben, auch vor Bekanntwerden des Skandals und natürlich auch weiterhin belastete Eier gelegt haben oder weiter legen. Daher ist im Moment das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht von Bedeutung. Sobald die Behörden weitere Belastungen ausschließen können und die Eier der jetzt gesperrten Ställe wieder verkauft werden dürfen, spielt das Mindesthaltbarkeitsdatum wieder eine Rolle.

Läuft grundsätzlich etwas schief in der Eier-Massenproduktion?

Es handelt sich um einen verbotenen Zusatz eines Mittels, vermutlich, um Milben- oder Läusebefall und ähnliches bei Hühnern zu bekämpfen oder vorzubeugen. Man konnte im Vorfeld mit diesen kriminellen Machenschaften nicht rechnen. Die Massentierhaltung an sich oder die Größe der Betriebe sagt nichts über die herrschenden Zustände im Betrieb oder die Haltung der Tiere aus. Ein Parasitenbefall kann auch in kleinen Betrieben auftreten. Dass Mittel, die nicht für Lebensmittel liefernde Tiere vorgesehen sind, trotzdem eingesetzt wurden, ist bereits in der Vergangenheit vorgekommen.

Lebensmittelskandale in Deutschland

Wie bewerten Sie die Krisenpolitik der Behörden? 

Das Informationswirrwarr von Bundes- und Landesbehörden verunsichert die Verbraucher nur, statt für Klarheit zu sorgen. Eine bessere Krisenkommunikation ist unabdingbar. Eine Auflistung von Stempelnummern, die sich die Verbraucher bei Lebensmittelwarnung.de herunterladen und mühsam zusammensuchen müssen, überfordert viele Verbraucher zu recht. Hilfreicher wäre, bundesweit einheitliche und konkrete Verhaltens-bzw. Handlungsempfehlungen herauszugeben, die auf der Risikobewertung des Bundesinstituts für Risikobewertung beruhen.

Können weitere Lebensmittel betroffen sein?

Das ist noch nicht klar. Belastete Eier könnten ja in Fertigprodukten mit Ei stecken. Das wird zurzeit untersucht. Außerdem ist denkbar, dass das verbotene Mittel auch bei Masthähnchenbetrieben eingesetzt wurde. Auch dies müssen die Behörden dringend klären.

Verbraucher können sich im Eier-Skandal im Internet auf www.lebensmittelwarnung.de informieren.

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