Partner bleibt in Kritik

Islamunterricht: Entscheidung über Ditib nicht vor Februar

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Welche Zukunft hat der islamische Religionsunterricht in Hessen? Eine Entscheidung darüber fällt wohl erst nach der Vereidigung der neuen Landesregierung.

Wiesbaden – Islamischer Religionsunterricht ist ein ordentliches Lehrfach an Hessens Schulen. Staatliche Lehrkräfte unterrichten das Fach auf Deutsch. Der Unterricht selbst bekommt gute Noten, der Kooperationspartner Ditib steht aber in der Kritik. Von Bernd Glebe

Als erstes Bundesland hatte Hessen nach langen Diskussionen den Unterricht im Schuljahr 2013/14 für etwa 440 Erstklässler an zunächst 27 Grundschulen eingeführt. Mittlerweile reicht das Angebot bis zur sechsten Klasse mit landesweit mehr als 3 100 Schülern. Der Partnerschaft zwischen dem Land Hessen und dem türkischen Moscheeverband Ditib droht aber nun das Ende.

Nach deutlichen Zweifeln an der Unabhängigkeit vom türkischen Staat zeigte der amtierende Ressortchef Alexander Lorz (CDU) dem hessischen Landesverband Ende 2017 die Gelbe Karte und verhängte massive Auflagen: Der Verband müsse auch vor dem Hintergrund der politischen Veränderungen in der Türkei professionelle Verwaltungsstrukturen bilden und seine Gremien mit neutral handelnden Personen besetzen. Dazu sollte ein Mitgliederregister innerhalb eines Jahres vervollständigt werden. Der Kultusminister hatte sich bei seinem Vorgehen auf die Erkenntnisse von drei Gutachtern zur Aufstellung von Ditib in Hessen gestützt.

Kurz vor dem Ablaufen der Frist Ende 2018 reagierten die Verantwortlichen von Ditib und präsentierten eine Satzungsänderung des Moscheeverbands in Hessen. Demnach habe die türkische Religionsbehörde kein Mitspracherecht mehr bei der Besetzung des Landesvorstandes. Auch der Ditib-Bundesverband mit Sitz in Köln werde weniger Einfluss haben.

Die Ditib ist die größte Islam-Dachorganisation in Deutschland. Sie untersteht der Religionsbehörde Diyanet in Ankara. Wegen ihrer großen Nähe zum türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ist der Bundesverband mit Sitz in Köln in die Kritik geraten. Der Bund fördert keine Projekte in Ditib-Trägerschaft mehr.

Ob die Satzungsänderung des Landesverbands den Experten des Kultusministeriums reicht, den Daumen für eine Fortsetzung der Kooperation nicht zu senken, steht jedoch noch in den Sternen. Die Änderungen würden geprüft, sagte ein Ministeriumssprecher. Da die neue Landesregierung noch nicht vereidigt ist und auch noch nicht hundertprozentig feststeht, ob Lorz Kultusminister bleibt, wird voraussichtlich erst im Februar mit einer Verkündung über die Zukunft des bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichts gerechnet. Die Vereidigung des neuen Kabinetts erfolgt am 18. Januar.

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagte der Vorstandsvorsitzende des hessischen Ditib-Landesverbandes, Salih Özkan. Der Moscheeverband sei sehr daran interessiert und habe die Hoffnung, dass an dem „Erfolgsmodell“ festgehalten und die Kooperation fortgesetzt werde.

Andrang zum Tag der offenen Moschee

Dass es auch bei einem möglichen Aus von Ditib ein qualifiziertes, alternatives, adäquates religiöses Bildungsangebot für muslimische Schülerinnen und Schüler geben soll, steht auch für die Verantwortlichen im Kultusministerium außer Frage. Der Unterricht werde auf jeden Fall bis zum Ende des Schuljahres fortgesetzt. Für die knapp 100 unterrichtenden muslimischen Lehrkräfte im hessischen Schuldienst gebe es zudem einen Bestandschutz. Denkbar wäre, dass etwa das Unterrichtsangebot mit einer neuen Ausrichtung und veränderten Kerncurricula angeboten werde.

Diese Möglichkeit sieht ausdrücklich auch der neue Koalitionsvertrag zwischen CDU und Grünen vor. Danach bekennen sich die Regierungsparteien zum bekenntnisorientierten Religionsunterricht. Sollte aber ein Kooperationspartner keine Gewähr dafür bieten, dass der Unterricht der verfassungsrechtlichen Ordnung entspreche oder die Unterrichtsangebote diese Voraussetzungen nicht erfüllten, werde ein Alternativangebot für Schülerinnen und Schüler muslimischen Glaubens geschaffen. (dpa)

Stichwort Islamunterricht:

Islamischer Religionsunterricht steht in Hessen seit dem Schuljahr 2013/2014 auf dem Stundenplan. Zunächst wurde er nur für Grundschüler angeboten, mittlerweile nehmen Kinder bis zur Jahrgangsstufe sechs daran teil. Im laufenden Schuljahr 2018/2019 werden 3133 Schüler an 56 Grundschulen und zwölf weiterführenden Schulen von knapp 100 Lehrern unterrichtet.

Die zwei Partner des Landes für den Unterricht sind die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) Landesverband Hessen sowie die Ahmadiyya Muslim Jamaat. An 53 Grundschulen mit etwa 2770 Schülern wird im Religionsunterricht nach dem Bekenntnis von Ditib Hessen sunnitisch unterrichtet, in drei Grundschulen mit rund 100 Schülern nach dem Bekenntnis von Ahmadiyya Muslim Jamaat.

An zwölf weiterführenden Schulen der Jahrgangsstufen fünf und sechs nehmen nach Angaben des Ministeriums 263 Schüler am Unterricht nach dem Bekenntnis von Ditib teil. Ahmadiyya hat für diese Altersklasse keine Angebote. (dpa)

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