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Rentner erstickt kranke Ehefrau mit Kissen – er war wohl mit der Pflege überfordert

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Von: Christoph Gschoßmann

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Ein Rentner hat seine bettlägerige Frau mit einem Kissen erstickt (Symbolbild).
Ein Rentner hat seine bettlägerige Frau mit einem Kissen erstickt (Symbolbild). © picture alliance / dpa

Schreckliches Verbrechen in Kassel: Weil er mit der Pflege seiner Ehefrau überfordert war, erstickte ein 71-Jähriger sie mit einem Kissen.

Kassel/München - Die Pflege von Angehörigen kann zur Belastung werden – doch welchen Ausweg ein 71-Jähriger aus Hessen daraus fand, schockiert. Der Mann aus dem Werra-Meißner-Kreis erstickte seine Ehefrau mit einem Kissen.

Wohl aus Überforderung hat ein 71-Jähriger seine schwer kranke, pflegebedürftige Ehefrau getötet. Vor dem Landgericht Kassel gab der Mann zu, seine schwer kranke, pflegebedürftige Gattin, die damals 76 Jahre alt war, im August 2021 erstickt zu haben. „Ich habe meine Frau wirklich umgebracht“, sagte er am Montag zum Prozessauftakt. Danach habe er in ihrer gemeinsamen Wohnung den gemeinsamen Hund getötet und anschließend versucht, sich selbst das Leben zu nehmen.

Kassel: Rentner erstickt kranke Ehefrau mit Kissen – sie litt unter Diabetes und Demenz

Nun muss sich der Rentner wegen Totschlags vor dem Landgericht Kassel verantworten. Seine bettlägerige Ehefrau litt unter anderem an Diabetes und Demenz. Sie war erst wenige Tage vor der Tat als Pflegefall aus dem Krankenhaus in die eheliche Wohnung zurückgekehrt. Das Paar habe sich einst versprochen, den Partner zu Hause zu pflegen und nicht in ein Pflegeheim zu geben, schilderte der Angeklagte. „Dieses Versprechen konnte ich einhalten.“

Er unterschätzte die Situation, die schlimmer gewesen sei als erwartet. Seine Frau habe unter anderem die Nahrungsaufnahme verweigert, ihm Essen aus der Hand geschlagen und Tabletten wieder ausgespuckt. Sie habe ihn beschimpft, ihre Windeln zerrissen, Katheterbeutel und Bettzeug weggeschmissen, schilderte der Mann. Schlaf sei nur stundenweise möglich gewesen. Das alles habe ihm aber nichts ausgemacht, betonte der einstige Busfahrer. „Das habe ich aus Liebe gemacht.“

Es sei allerdings unerträglich gewesen, dass seine Frau Tag und Nacht gesagt habe, sie wolle zu ihrer Mutter und der gemeinsame Hund komme mit. „Da ist mir irgendwie die Sicherung durchgeknallt.“ Am Abend der Tat habe sie wieder damit angefangen. Da habe er ihr ein Kissen auf das Gesicht gedrückt und sie erstickt. Anschließend habe er den Hund mit einer Plastiktüte erstickt und ihn zu seiner Frau ins Bett gelegt. „Er war ihr Ein und Alles.“

Kassel: Pflegedienst-Mitarbeiterin verständigte die Polizei

Nachdem er sie erstickt hatte, habe er seine tote Frau noch einmal in den Arm genommen und sie geküsst, so der Angeklagte. „Ich habe zu ihr gesagt: Mäuschen, jetzt bist du bei deiner Mama.“ Dann habe er ein Messer aus der Küche geholt und versucht, sich die Pulsadern aufzuschneiden. Das Messer sei aber zu stumpf gewesen. Er habe sich daher vier oder sechs Ampullen Insulin seiner Frau gespritzt. Das alles sei spontan passiert.

Eine Mitarbeiterin eines Pflegedienstes, der sich zweimal täglich um die medizinische Versorgung der Frau gekümmert hatte, versuchte am nächsten Tag mehrmals vergeblich, den Angeklagten zu erreichen. Am Abend verständigte sie die Polizei. Die Beamten fanden die leblose Frau und den Mann, der gerettet werden konnte. Bereits im Krankenhaus habe er die Tat gestanden, berichteten zwei Kriminalpolizisten. Vernehmungen im familiären Umfeld hätten ergeben, dass der Angeklagte immer sehr ruhig und liebevoll im Umgang mit seiner Frau gewesen sei.

Kassel: Rentner erstickt Ehefrau – „Ich weiß nicht, was ich machen soll ohne sie“

„Ich weiß nicht, was ich machen soll ohne sie“, sagte der 71-Jährige am Montag (2. Mai 2022) unter Tränen. Seine Frau und er seien seit 50 Jahren ein Paar gewesen. Er habe einen Fehler gemacht, für den er jetzt bestraft werde. Für den Prozess sind nach Angaben des Gerichts drei weitere Verhandlungstage vorgesehen, ein Urteil könnte demnach am 9. Mai fallen.

Der Täter sei nur einer von vielen Alten, die ihre Angehörigen pflegen, und dabei überfordert seien, teilte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, anlässlich des Prozessauftakts mit. Immer noch fehlten wirksame Instrumente, der Überforderung entgegenzuwirken. „Anders als bei Jugendämtern, die präventiv eingreifen können, fehlen in den Kommunen Seniorenämter mit ähnlicher Funktion“, kritisierte er.

„Der Fall wirft ein Schlaglicht in den Alltag. In der Regel sind es Alte, die Alte pflegen. Dabei werden die daheim lebenden drei Millionen Pflegebedürftigen, darunter 750.000 Demenzkranke, und ihre Angehörigen oft alleingelassen.“ (cg mit dpa)

Eine deutsche Touristin wurde in Israel vergewaltigt. Unter Verdacht steht ein 53 Jahre alter Mann – der Betreiber ihrer Unterkunft. Die Polizei ermittelt.

Hinweis der Redaktion: Generell berichten wir nicht über den Verdacht auf Suizid-Absichten, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. Hilfe bietet auch der Krisendienst Psychiatrie für München und Oberbayern unter 0180-6553000. Weitere Infos finden Sie auf der Webseite www.krisendienst-psychiatrie.de.

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