Angeklagte schweigen

Männer ergaunern sich mit Handyverträgen mehrere 100.000 Euro - Telekom und O2 betrogen

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Mit einem Handy-Betrug in ganz großem Stil sollen vier Männer aus Kassel die Mobilfunkanbieter Telekom und O2 um mehrere 100.000 Euro betrogen haben.

Vier Männer aus Kassel sollen in großem Stil mit betrügerischen Handyverträgen bei Telekom und O2 mehrere 100.000 Euro ergaunert haben -  die Angeklagten schweigen. 

  • Betrug zulasten der Telekom und O2.
  • Vier Männer aus dem nordhessischen Kassel sollen mit betrügerischen Handyverträgen mehrere 100.000 Euro ergaunert haben.
  • Die Angeklagten schweigen zu den Vorwürfen.

Auch am zweiten Verhandlungstag wegen des groß angelegten Handy-Betrugs bei Telekom und O2 vor dem Landgericht haben die vier Angeklagten geschwiegen und sich nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Kassel: Telekom und O2 betrogen - Bei 63 Taten mehrere 100.000 Euro ergaunert

Die beiden türkischen Brüder, ein Mann aus Aserbaidschan und ein Deutscher sollen zwischen Dezember 2016 und Februar 2019 in Kassel bei insgesamt 63 Taten mehrere hunderttausend Euro erschwindelt haben, indem sie bei der Telekom und bei O2 betrügerische Handygeschäfte abwickelten.

Laut Anklage haben sie angeblich als Beauftragte von Unternehmen hunderte subventionierte Handys der Marken Apple und Samsung erhalten und diese sofort an einen Hehler veräußert.

Kassel: Handy-Betrug in großem Stil - Telekom-Mitarbeiter sagt aus

Am Montag sagte ein Telekom-Mitarbeiter in Kassel vor der Wirtschaftsstrafkammer von Richter Zmyj-Köbel als Zeuge aus. Die Täter hätten sich stets als Mitarbeiter von Firmen ausgewiesen, zu denen das Unternehmen langjährige Geschäftsbeziehungen pflegte und zu denen entsprechendes Vertrauen bestand.

Die Aushändigung von 10 bis 20 Handys auf nur einen Auftrag sei durchaus üblich, sagte der Zeuge. Je nach Größe gebe es Unternehmen, die Verträge für 100 oder sogar 1000 Geräte laufen haben. In Großbetrieben gebe es Mitarbeiter, die sich um nichts anderes kümmerten.

Kassel: Telekom und O2 betrogen - Großaufträge sind zunächst nicht aufgefallen

In den nun verhandelten Betrugsfällen seien Verträge mit Unternehmen etwa aus der Wärmetechnik oder der Elektronik abgeschlossen worden, die alte Bestandskunden seien und entsprechendes Vertrauen genössen.

Laut Staatsanwältin Schwarz hatte einer der Angeklagten früher als Leiter des Telekom-Shops in Kassel gearbeitet und vor seinem Ausscheiden 60.000 Kundendaten mitgehen lassen. Die Apple- und Samsung-Handys seien hoch subventioniert und würden teilweise für nur einen Euro abgegeben. Dafür gebe es dann bei einer Laufzeit von zwei Jahren relativ hohe Monatsbeiträge zu entrichten. Der Zeuge: „Das ist eine Mischkalkulation.“

Kassel: Telekom und O2 betrogen - Lieferadresse hat stutzig gemacht

Allein bei einer Anzeige sei der Telekom ein Schaden von 120.000 Euro entstanden. Dazu zählten auch die entgangenen Einnahmen aus den Verträgen, weil diese natürlich nie bedient worden seien. Der Zeuge: „Bis vergangene Woche konnte kein Zahlungseingang verbucht werden.“ Stutzig sei man geworden, weil ein Unternehmen in Frankfurt sitze, die Handys aber an eine Adresse in Kassel geliefert wurden, wo der Empfänger nicht einmal aufgefunden werden konnte. 

Einige Geräte seien daher zurückgekommen. „Manchmal hat sich zwischendurch auch der echte Kunde gemeldet, dann konnte die Auslieferung noch gestoppt werden“, sagte der Zeuge.

Die Wirtschaftsstrafkammer von Richter Zmyj-Köbel hat an den folgenden 13 Verhandlungstagen eine Sisyphusarbeit zu leisten, denn jeder einzelne betrügerische Auftrag muss juristisch bewertet werden. Weiter geht es am 17. Februar.

Handy-Versicherungsbetrug? Eine weitere Masche von Betrügern

Die vier Angeklagten aus Kassel sollen mit den Handyverträgen betrogen haben - eine andere Masche ist der Handy-Versicherungsbetrug:

Handy-Betrug: Duo ergaunerte eine Viertelmillionen und musste in Haft

In Göttingen stand 2013 ein Betrüger-Duo vor Gericht: Die ehemaligen Handy-Laden -Betreiber hatten ebenfalls mit getürkten Verträgen eine hohe Geldsumme von etwa einer Viertelmillion ergaunert*. Sie wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

In Kassel wurden zwei junge Männer, die bei einem Geschäft auf der Straße das große Schnäppchen wähnten, betrogen: Statt der vereinbarten Smartphones packten sie zwei Fliesen aus*. Als sie den Schwindel bemerkten, war der Verkäufer mit 400 Euro bereits weitergezogen.

Von Thomas Stier

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