Kategorie eins muss zu Hause bleiben

Coronavirus: Nicht jede Kontaktperson wird getestet

Coronavirus - Wien
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Coronavirus: Nicht jede Kontaktperson wird getestet.

Offenbach – Im Kindergarten der Töchter gibt es einen Corona-Verdachtsfall. Die Elternschaft reagiert teils gelassen, teils hysterisch. Aus Datenschutzgründen kann natürlich nicht mitgeteilt werden, um wen es sich handelt, ein Testergebnis liegt noch nicht vor.

Doch wie müssen mögliche Kontaktpersonen sich nun verhalten?

Gerade in Betreuungseinrichtungen, in denen Kinder aufgrund ihres Alters noch nicht so konsequent die Hygienemaßnahmen einhalten können, ist möglicherweise die Ansteckungsgefahr größer. Sollen sich nun sämtliche Familien, deren Kinder die betroffene Einrichtung besuchten, in freiwillige Quarantäne begeben? Nach mehr als einer Woche hat sich diese Frage erledigt, denn es gibt Entwarnung, der Test ist negativ. Inzwischen sind ohnehin die Kitas auf Notbetreuung umgestellt worden, doch die Verunsicherung bleibt. Was wäre passiert, wenn der Test positiv gewesen wäre? Hätten dann möglicherweise infizierte Kontaktpersonen das Virus weiterverbreitet? Wäre es also nicht sinnvoll gewesen, sämtliche Familien unter Quarantäne zu stellen, bis das Testergebnis vorliegt?

Ein weiteres Beispiel: Ein junger Mann zeigt einige der typischen Krankheitssymptome von Covid-19. Es stellt sich heraus, dass er Tage zuvor Kontakt zu einem Infizierten hatte. Somit sind zwei notwendige Kriterien erfüllt, um getestet zu werden, doch das Ergebnis lässt auf sich warten. Bis er Klarheit hat, muss sich der Mann in Quarantäne begeben. Sollte der Test positiv sein, bliebe das auch bis zur Genesung so. Doch wie muss sich seine Lebensgefährtin, die im gleichen Haushalt lebt, nun verhalten? Vom Gesundheitsamt gibt es keine Anordnung, dass auch sie strikt zu Hause bleiben muss. Da sie auch Tage später keine Symptome hat und in der gemeinsamen Wohnung so gut wie möglich Abstand zu ihrem erkrankten Lebensgefährten hält, geht sie vorerst weiter arbeiten.

Ab wann und für wen ordnet das Gesundheitsamt also Quarantäne an? Zunächst einmal werden Verdachtsfälle und Kontaktpersonen von Infizierten kategorisiert. Dafür hat das Robert Koch-Institut (RKI) klare Kriterien aufgestellt.

Es gibt insgesamt drei Kategorien, die dritte allerdings gilt ausschließlich für medizinisch Beschäftigte, die möglicherweise aufgrund ihres Berufs ohnehin einem erhöhten Kontaktrisiko ausgesetzt sind.

Zur Kategorie eins zählen alle Personen mit einem „höheren“ Infektionsrisiko, dazu gehören zum Beispiel Menschen, die in direktem Kontakt mit einer infizierten Person standen. Als direkter Kontakt gilt laut RKI zum Beispiel ein „mindestens 15-minütiger Gesichtskontakt“ im Rahmen eines Gesprächs. „Dazu gehören Personen aus Lebensgemeinschaften im selben Haushalt“, heißt es auf der Homepage des RKI. „Personen der Kategorie eins werden in häusliche Isolation geschickt. Das wird vom Amt angeordnet, bei einem Verstoß kann das strafrechtlich verfolgt werden“, informiert eine Sprecherin des Kreises Offenbach, dessen Gesundheitsamt sich derzeit täglich mit Quarantäne-Fällen beschäftigt. Bei nachgewiesenen Erkrankungen mit Covid-19 versuche das Gesundheitsamt, die Kontaktpersonen des Infizierten der Kategorie eins aus den letzten zwei bis vier Tagen zu ermitteln, diese würden dann unter Quarantäne gestellt. Ein Test auf Covid-19 erfolge aber erst, wenn die betroffene Person auch Symptome zeige.

Zur Kategorie zwei (geringeres Infektionsrisiko) gehören laut RKI Personen, die sich zwar im selben Raum mit einem Corona-Erkrankten aufhielten, aber keinen längeren direkten Kontakt auf kurze Entfernung mit dem Infizierten hatten. „Für diese spricht das Gesundheitsamt die dringende Empfehlung aus, zu Hause zu bleiben, allerdings wird keine Quarantäne angeordnet“, informiert die Kreissprecherin. Personen der Kategorie eins könnten ihren Verdienstausfall geltend machen, was auf Kategorie zwei nicht zutreffe.

Bezieht man die Kategorien auf unsere Beispiele, so sind sowohl die möglichen Kontaktpersonen in der Kita als auch die Lebensgefährtin des Verdachtsfalles der Kategorie zwei zuzuordnen. Bestätigt sich der Verdacht bei dem Mann, wird sich auch seine Partnerin in Quarantäne begeben müssen, da sie dann zur ersten Kategorie gehört.

VON NIELS BRITSCH

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