Umfassende Förderung das Ziel

Anzahl der Langzeitarbeitslosen in Hessen sinkt

Frankfurt - Von der positiven wirtschaftlichen Entwicklung hierzulande profitieren auch Langzeitarbeitslose. Deren Anzahl sei deutschlandweit von 1,7 Millionen im Jahr 2010 auf unter eine Million 2017 gesunken, teilt die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit gestern in Frankfurt mit. Dies entspreche einem Rückgang um 9,3 Prozent gegenüber 2016. Von Marc Kuhn 

Auch in Hessen setzte sich dieser Trend fort: So waren 2017 etwa 60.000 Menschen langzeitarbeitslos, 2010 seien es rund 74.000 gewesen, berichtet die Behörde unter Berufung auf eine Studie der Forscher des IAB-Hessen. Diese kommen zu dem Schluss, dass Menschen, die mindestens ein Jahr arbeitslos sind, geringere Chancen haben, eine Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt oder eine Selbstständigkeit aufzunehmen.

„Der hessische Arbeitsmarkt ist immer noch sehr aufnahmefähig“, sagt Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen. Das zeige sich am Beispiel der Langzeitarbeitslosigkeit. „Auch wenn die Chancen für diese Personengruppe geringer sind, gibt es Aussichten auf einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt.“

Laut Studie konnte so fast jeder Vierte eine Beschäftigung aufnehmen. „Mehrheitlich im Dienstleistungsbereich, der Arbeitnehmerüberlassung und im Handel. Die Chancen werden geringer, wenn kein Abschluss vorliegt oder der Sprung aus der Arbeitslosigkeit lange nicht gelingt“, so Martin.

Der typische hessische Langzeitarbeitslose sei männlich, deutsch und zwischen 45 und 55 Jahren alt, erläuterte die Regionaldirektion. Er ist geringqualifiziert, hat einen Hauptschulabschluss, aber keine Berufsausbildung. Zusätzlich ist davon auszugehen, dass er am Anfang seines Berufslebens zeitweise arbeitslos war. Seine Erwerbslosigkeit dauert im Schnitt zwischen zwölf bis 24 Monate.

„Ein Schulabschluss und eine erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildung bleiben eine Versicherung vor Arbeitslosigkeit“, erläutert Martin weiter. „Im gesamtgesellschaftlichen Interesse sollte die Zahl der Schul- und Ausbildungsabbrecher reduziert werden. Mit Berufsberatung und Berufsorientierung haben wir in Hessen bereits gute Strukturen an allen Schulzweigen.“ Diese müssten stetig ausgebaut werden. „Umfassende Förderung und Qualifizierung bleiben ein wesentliches Ziel bei der Bekämpfung von Langzeitarbeitslosigkeit“, sagt Martin.

Wenn eine Rückkehr in den Ersten Arbeitsmarkt gelinge, seien die Beschäftigungsverhältnisse bei Langzeitarbeitslosen (86,2 Prozent) seltener sozialversicherungspflichtig als bei Menschen, die nicht so lange ohne Job waren (91 Prozent), berichtet die Regionaldirektion.

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„Das ist zum Teil auf eine höhere Anzahl von Vermittlungshemmnissen zurückzuführen. Individuelle Schwierigkeiten wie ein fehlender Schulabschluss oder eine Schwerbehinderung erschweren eine Integration in den Arbeitsmarkt.“ 2016 hatte etwa jeder vierte Langzeitarbeitslose keinen Schul- und fast zwei Drittel keinen Berufsabschluss, während das nur bei rund jedem sechsten beziehungsweise zweiten Menschen der Fall war, der nicht so lange ohne Job war.

Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an der Gesamtzahl liegt in Hessen mit 36 Prozent leicht über dem bundesdeutschen Schnitt (35,6 Prozent), wie die Behörde mitteilt. Höher sind die Anteile der Bundesländer Bremen (44,1 Prozent), Nordrhein-Westfalen (41,8 Prozent) und Brandenburg (41,4 Prozent). Die Langzeitarbeitslosenquote der Männer in Hessen ist mit 34 Prozent knapp unter der gesamtdeutschen Quote, die von Frauen liegt mit 38,4 Prozent 1,3 Prozent darüber.

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