Klage über Überstunden in der Region 

Gaststätten-Gewerkschaft mahnt Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes an

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Kritischer Blick auf die Uhr: Für viele Beschäftigte gehören Überstunden zum Alltag.

Offenbach/Hanau - Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kritisiert Überstunden in der Region und sorgt sich um die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes, das maximale Zeiten vorschreibt.

„Die NGG Rhein-Main warnt mit Blick auf die laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD davor, dass es zu einer Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes durch die Hintertür kommen könnte – mit erheblichen Folgen für Tausende Beschäftigte“, erklärte die Gewerkschaft gestern.

„Überstunden, Arbeiten am Wochenende und in der Nacht: In Offenbach ist das für die rund 1600 Beschäftigten des Gastgewerbes alles andere als ungewöhnlich“, teilte die NGG Rhein-Main mit. „Ebenso wenig für die 210 Mitarbeiter in der Ernährungsindustrie. Im Main-Kinzig-Kreis gebe es etwa 4400 Betroffene, 1380 in der Ernährungsindustrie. Im Landkreis Darmstadt-Dieburg seien es 1900 Mitarbeiter im Gastgewerbe und 1210 Beschäftigte in der Ernährungsindustrie.

„Flexibilität im Job kann nicht einseitig auf Kosten der Beschäftigten gehen“, erklärte NGG-Gewerkschaftssekretärin Sylvia Artzen. Der Arbeitsmarkt ist nach ihrer Einschätzung aus der Balance geraten. So leisteten hessische Arbeitnehmer im vorletzten Jahr 70,4 Millionen Überstunden – 64 Prozent davon unbezahlt, berichtete Artzen. Dies gehe aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Jutta Krellmann hervor. Rechne man die Überstunden in Vollzeit-Jobs um, entspreche das in Hessen demnach rund 43.000 Arbeitsplätzen.

In Offenbach, im Main-Kinzig-Kreis und im Kreis Darmstadt-Dieburg würden Beschäftigte Unternehmensgewinne durch Gratis-Stunden subventionieren, berichtete die NGG Rhein-Main. „Statt immer wieder zu fordern, die Arbeitszeiten zu lockern, sollten die Arbeitgeber die vorhandene Mehrarbeit lieber auf mehr Schultern verteilen und neues Personal einstellen“, forderte Guido Noll, Geschäftsführer der NGG-Region Darmstadt und Mainz. An die GroKo-Verhandler von CDU/CSU und SPD appelliert der Gewerkschafter, kein „Herumdoktern“ am Arbeitszeitgesetz zuzulassen. Im 28-seitigen Sondierungspapier sei von einem neuen Rahmen die Rede, um den „vielfältigen Wünschen in der Arbeitszeitgestaltung gerecht werden zu können“.

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„Das Arbeitszeitgesetz legt Mindeststandards für den Schutz von Gesundheit und Privatleben fest“, erklärten Artzen und Noll. „Hier brauchen wir keine neuen Experimentierräume.“ Flexible Lösungen im Betrieb ließen sich per Tarifvertrag vereinbaren. In der Gastronomie hätten sich etwa Arbeitszeitkonten bewährt, so Noll. „Damit kann eine Hochzeitsfeier im Lokal auch mal länger gehen – ohne dass Köche und Kellner vor Arbeit umfallen.“ (ku)

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