Im Klebeband verheddert

Kommentar zum Mordfall Johanna  

Es ist der Albtraum aller Eltern, wenn ihr Kind nicht mehr vom Spielen zurückkehrt. So geschehen vor nunmehr 18 Jahren in Ranstadt, einer 5000-Seelen-Gemeinde am Übergang von der Wetterau zum Vogelsberg. Von Christoph Zöllner

Mitten in dieser Idylle wird die kleine Johanna vermisst gemeldet, ihre Leiche sieben Monate später in einem Wald bei Alsfeld entdeckt. Der Fall erlangt bundesweit Aufmerksamkeit, Millionen fühlen mit den fassungslosen Eltern, bangen mit ihnen, dass der Täter endlich gefasst wird. Die Polizei zieht alle Register in dem kriminalistischen Puzzlespiel: Sonderkommission, Massentests, Aktenzeichen XY, Phantombild, zahllose Zeugenvernehmungen und so weiter. Vergeblich.

17 Jahre später wird dem Pädophilen offenbar eine weitere sexuelle Straftat zum Verhängnis: Er fesselt ein 14-jähriges Mädchen in einem Maisfeld bei Nidda – nur sechs Kilometer nördlich von Ranstadt – in ähnlicher Manier wie Johanna. Aufmerksame Passanten verhindern in diesem Fall Schlimmeres. Am Ende verfängt sich der mutmaßliche Täter in einem Stück Klebeband: Neue Technik macht es möglich, auch schwächste Fingerabdrücke zuzuordnen. Aus dem Phantom wird der dringend Tatverdächtige: 41 Jahre alt, aus Friedrichsdorf im Taunus stammend, ledig, kinderlos und vorbestraft.

Die Chronologie des Mordfalls Johanna Bohnacker: Bilder

Der Erfolg der Ermittler kommt spät, zu spät für den Vater der kleinen Johanna, der im vergangenen Jahr starb. Aber nicht zu spät für die deutsche Öffentlichkeit, die ihr Vertrauen in den Rechtsstaat einmal mehr verfestigt sehen darf. Denn die Botschaft ist klar: Niemand darf sich sicher sein, straflos davon zu kommen. Mord verjährt bekanntlich nie, und so können Täter auch nach Jahrzehnten noch zur Rechenschaft gezogen werden, wenn Kommissar Zufall und Kollege Fortschritt helfen. Für heiße Spuren ist kein Fall zu kalt.

Noch ist nicht klar, ob dem Friedrichsdorfer weitere Sexualdelikte zuzurechnen sind. Fest steht jedenfalls: Von diesem Mann geht keine Gefahr mehr aus. Nicht nur für Eltern ist das eine gute Nachricht.

Rubriklistenbild: © op-online.de

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